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Alkohol am Steuer ist der häufigste Grund für eine MPU.
Alkohol am Steuer ist der häufigste Grund für eine MPU.(Foto: picture alliance / dpa)

Die MPU: Sechs Fragen zum "Idiotentest"

Von Janna Linke

Wer beim "Blitz-Marathon" seinen Führerschein abgeben muss, kann sich bald beim "Idiotentest" wiederfinden - oder, freundlicher ausgedrückt: bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung. Zu dieser MPU müssen jährlich 100.000 Verkehrssünder. Knapp die Hälfte fällt beim ersten Mal durch. Aber warum eigentlich?

Wer seinen Führerschein Ende der 1980er Jahre gemacht hat, kann sich wohl noch gut an die Angst vorm "Idiotentest" erinnern - musste doch jeder hin, der dreimal durch die Prüfung gefallen war. Zur Freude vieler wurde diese Regelung Ende der 90er Jahre abgeschafft. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung gibt es zwar immer noch, doch mit Intelligenz hat sie nicht mehr viel zu tun. Oftmals ist die MPU der letzte Weg, den Führerschein zu retten.

Viele Gerüchte und Halbwahrheiten ranken sich um die MPU: zum einen über den Umfang der Prüfung, zum anderen über deren Durchfallquote. Wahr ist: Wer ohne Vorbereitung in den Test geht, hat kaum eine Möglichkeit, zu bestehen.

Wer muss zur MPU?

Die Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen, kurz BaSt, für das Jahr 2012 zeigt: Alkohol ist mit mehr als 50 Prozent die Nummer eins aller Gründe, die zu einer MPU führen. Auf Platz zwei landen Drogen und Medikamente mit 21 Prozent. Sonstige Anlässe, körperliche Mängel und Verkehrsauffällige ohne Alkohol machen zusammengefasst knapp 30 Prozent aus. Aber ab wann muss man nun genau zur MPU? Schon nach einem Bier oder weil man eine rote Ampel überfahren hat?

Alkohol: Wer mit einem Wert von mindestens 1,6 Promille hinterm Steuer ertappt wird, lässt Zweifel an seiner charakterlichen Eignung zum Führen eines Autos aufkommen - er muss zur MPU. Das Gleiche gilt für Fahrradfahrer, wenn sie mit 1,6 Promille in die Pedale treten. Selbst wenn sie keinen Führerschein besitzen und auch keinen erwerben wollen. Bei Wiederholungstätern ist die Schmerzgrenze deutlich niedriger: Wer bereits mehrfach mit Alkohol im Straßenverkehr aufgefallen ist, von dem kann schon ab 0,5 Promille eine MPU verlangt werden. Grundsätzlich kann sogar jeder Schluck Alkohol am Steuer zur MPU führen - das hängt von den genauen Umständen der Trunkenheitsfahrt ab.

Drogen: Wenn bei einem auffälligen Fahrer der Alkomat nichts anzeigt, nimmt die Polizei auch immer öfter einen Drogenwischtest zur Hilfe. Dieser Test ermöglicht den sicheren Nachweis von Cannabis, Kokain, Heroin, Ecstasy und anderen Drogen. Selbst kleinste Mengen sind sofort nachweisbar. Anders als bei Alkohol herrscht bei illegalen Drogen eine Null-Toleranz-Grenze. Es gibt bei illegalen Drogen keine rechtsverbindlichen Grenzwerte, unterhalb derer man noch fahren darf. Wer trotzdem ein Fahrzeug im Straßenverkehr führt, macht sich strafbar und muss mit hoher Wahrscheinlichkeit zur MPU.

Zu viele Punkte: Seit dem 1. Mai 2014 gilt das neue Flensburger Punktesystem. Das heißt: Statt mit bisher 18 Punkten ist der Führerschein mit 8 Punkten weg. Um diesen wiederzubekommen, kann die Führerscheinstelle oder das Gericht eine MPU verlangen. Wer allerdings erwartet, die MPU wegen Punkten sei leichter als die wegen Alkohol und Drogen, liegt falsch.  

Was bringt eine MPU?

Auch wenn es im ersten Moment so scheint: Die MPU dient nicht dazu, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Laut Bundesanstalt für Straßenwesen soll sie auch keine zusätzliche Strafe zum Führerscheinentzug sein, sondern dafür sorgen, dass bei Verkehrssündern individuell festgestellt werden kann, dass sie zukünftig keine erhöhte Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen.

Was passiert bei der MPU?

Auch wenn die MPU im Volksmund immer noch "Idiotentest" genannt wird, hat sie nichts mit Kugeln stapeln, Joghurt an die Wände nageln oder anderen komischen Dingen zu tun.

Beim TÜV Süd müssen beispielsweise schriftlich Fragen zum Lebenslauf, Gesundheitszustand und zum Untersuchungsanlass beantwortet werden. Danach folgt ein Leistungstest am Computer. Dort ist Schnelligkeit, Konzentration, Genauigkeit und vor allem Durchhaltevermögen gefragt. Bei einer medizinischen Untersuchung soll im dritten Schritt festgestellt werden, ob eine ausreichende Kraftfahrttauglichkeit besteht. Hier werden je nach Anlass alkohol- und drogenspezifische Tests gemacht.

Der Psychologe entscheidet, wer besteht.
Der Psychologe entscheidet, wer besteht.(Foto: picture alliance / dpa)

Am Ende wartet ein psychologisches Gespräch auf den Teilnehmer, der wohl wichtigste Teil der MPU. An dieser Hürde scheitert fast die Hälfte der 100.000 Verkehrssünder, die jährlich zur Untersuchung müssen. Knapp eine Stunde hat der Psychologe Zeit, eine Vorhersage über das zukünftige Verkehrsverhalten der vor ihm sitzenden Person zu erstellen. Neben objektiven Befunden aus der Akte des Verkehrssünders setzt der Psychologe auch auf ein persönliches Gespräch. Nur wenn der Psychologe genügend positive Unterschiede zwischen früher und heute feststellen kann, gibt es eine positive Beurteilung.

Muss man sich vorbereiten?

Wird eine MPU angeordnet, schrillen bei Autofahrern sämtliche Alarmglocken. Allzu groß ist die Angst, durchzufallen. Die Sorgen sind berechtigt: Wer unvorbereitet in den Test geht oder unbedacht Antworten gibt, hat kaum eine Chance, zu bestehen. Experten raten deshalb zu MPU-Vorbereitungskursen.

Die Kriterien, nach denen der Gutachter bei der MPU entscheidet, sind bundesweit einheitlich geregelt. Aus diesem Grund kann ein MPU-Vorbereitungskurs die zu erwartenden Fragen genau definieren und den Teilnehmer entsprechend auf die Untersuchung vorbereiten.

Auf dem Markt tummelt sich eine große Anzahl von Anbietern, deren Qualität sehr unterschiedlich ist. Vorsicht ist vor solchen geboten, die vor allem "Schauspielunterricht" anbieten, mit denen der MPU-Psychologe getäuscht werden soll. Am ehesten bestehen kann derjenige, der einsieht, dass sein bisheriges Verhalten falsch war und der glaubhaft versichern kann, nun einen anderen Weg zu gehen.

Wie teuer ist die MPU?   

Alle Kosten rund um die Medizinisch-Psychologische Untersuchung trägt der Verkehrssünder und das ist nicht wenig. Wie teuer die Sache letztlich wird, hängt davon ab, aus welchem Grund die MPU angeordnet wurde. Bei Fahren unter Alkoholeinfluss schlägt sie mit rund 400 Euro zu Buche. Waren Drogen im Spiel, werden rund 550 Euro fällig, bei zu vielen Punkten in der Verkehrssünderdatei knapp 350 Euro. Kommen mehrere Vorwürfe zusammen, erhöhen sich die Kosten entsprechend.

Zusammen mit einem Vorbereitungskurs, der in der Regel mehrere hundert Euro kostet, kann mit Ausgaben von rund 1500 Euro gerechnet werden. Besteht man die MPU nicht, fallen diese Kosten erneut an.

Hat sich die MPU seit der Punkteumstellung geändert?

Nein, aber die Große Koalition plant bereits eine Reform der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung. Eine Expertengruppe hat für die Bundesregierung Vorschläge erarbeitet, um die MPU zu verbessern - diese wurden dem Verkehrsausschuss vorgelegt.

Demnach sollen nur noch ausgewiesene Experten MPU-Beratungen anbieten dürfen, keine unseriösen Scharlatane mehr. Zudem sollen unabhängige Beschwerdestellen für Autofahrer eingerichtet und die Untersuchungen mitgeschnitten werden, um "Unstimmigkeiten bezüglich der im Gutachten wiedergegebenen Gesprächsinhalte" aufklären zu können. 

Erste Gesetzesvorwürfe seien aber frühestens Ende des Jahres zu erwarten sagt ADAC-Jurist Markus Schäpe gegenüber n-tv.de. Mit wirklichen Änderungen rechnet er erst im Jahr 2016.

Quelle: n-tv.de

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