Ratgeber

Tote Leitung statt neuer Anbieter: Telekom muss Strafe zahlen

Eigentlich sollte es kein Problem sein, den Telefonanbieter zu wechseln. Tatsächlich müssen frustrierte Kunden aber manchmal tage-, wochen- oder gar monatelang ohne Festnetz und Internet ausharren. Die Bundesnetzagentur straft die Telekom nun mit einem Bußgeld.

Wenn der Anbieterwechsel nicht funktioniert, kann vielleicht die Bundesnetzagentur weiterhelfen.
Wenn der Anbieterwechsel nicht funktioniert, kann vielleicht die Bundesnetzagentur weiterhelfen.(Foto: imago/Westend61)

Wer den Telefonanbieter wechselt, sollte nicht länger als einen Tag ohne Anschluss dastehen. So will es das Gesetz, doch die Praxis sieht oft anders aus. Jetzt hat die Bundesnetzagentur erneut ein Bußgeld von 75.000 Euro gegen ein Telekommunikationsunternehmen verhängt, weil es dort zu gehäuften Problemen beim Anbieterwechsel gekommen war.

Schon 2014 wurden drei Anbieter zur Zahlung der gleichen Summe verdonnert. Namen nennt die Bundesnetzagentur nicht, es gilt aber als sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um Vodafone, Telefonica (O2) und 1&1 handelte. Nun hat es offenbar die Deutsche Telekom getroffen, gegen sie wurde damals noch ermittelt.

Insgesamt haben sich im letzten Jahr rund 28.000 Menschen beschwert, weil sie im Zuge eines Anbieterwechsels tage-, wochen- oder gar monatelang ohne Telefon und Internet auskommen mussten. Vielfach ging es dabei um Vertragsstreitigkeiten, für die die Bundesnetzagentur nicht zuständig ist. In 5000 Fällen leitete die Regulierungsbehörde aber Ermittlungen ein. Das Telekommunikationsgesetz verpflichtet sowohl den alten als auch den neuen Anbieter, "alle Vorkehrungen für einen weitestgehend unterbrechungsfreien Wechsel zu treffen".

Wenn der Techniker nicht kommt

Ein Grund für die Verzögerungen liegt bei der Telekom beziehungsweise deren Technikern. Es ist das Problem der "letzten Meile": Der Weg vom Verteilerkasten zum Hausanschluss liegt immer noch in der Hand des einstigen Monopolisten und wenn ein Haushalt seinen Telefonanbieter wechseln will, muss oft ein Telekom-Techniker vorbeikommen, um den Anschluss freizuschalten. Doch Termine sind schwer zu bekommen und werden nicht immer eingehalten, wie auch die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr feststellen musste. Eine Studie über Service-Provider musste verschoben werden, weil manche Testkunden seit Monaten vergeblich auf ihren Anschluss warteten. Die Wettbewerber werfen der Telekom sogar vor, fremde Kunden mit "schlechteren" Terminen zu versorgen als die eigenen, was das Unternehmen allerdings entschieden von sich weist.     

Den schwarzen Peter allein der Telekom zuzuschieben, wäre auf jeden Fall zu einfach. Oft hakelt es auch an der Kommunikation zwischen dem alten und dem neuen Anbieter. "Große Schwierigkeiten gibt es zum Beispiel bei der richtigen Übermittlung der jeweiligen Ports", sagt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur gegenüber n-tv.de. Zudem seien die Datenbanken der Anbieter nicht immer auf dem neuesten Stand, so dass es Synchronisierungsprobleme gebe.

Grundsätzlich sei der technische Aspekt des Anbieterwechsels nicht ganz einfach, so Reifenberg: "Die Netze stammen noch aus der monopolistischen Vergangenheit und sind nicht auf Anbieterwechsel vorbereitet." Gerade die vielen kleineren Anbieter scheuten zudem die Umstellung auf teure EDV. Die großen Anbieter arbeiteten aber daran, die Prozesse effizienter zu gestalten. Deshalb fiel die Strafe für die Telekom – wie auch im letzten Jahr für die Konkurrenten – nicht so hart aus, wie es möglich gewesen wäre. Die gesetzliche Bußgeldobergrenze bei Verstößen gegen Regelungen zum Anbieterwechsel liegt bei 100.000 Euro.

Sofort beschweren kann helfen

Wer seinen Anbieter wechseln möchte, kann selbst dazu beitragen, den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten. Den bisherigen Anschluss kündigt man am besten nicht selbst, sondern überlässt das dem neuen Anbieter. Ein Zeitpuffer ein paar Wochen vor Ablauf der Kündigungsfrist kann dabei nicht schaden, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So können sich die Unternehmen besser über die Umschaltung und die Rufnummernportierung abstimmen. Ganz wichtig ist es, das Auftragsformular korrekt  auszufüllen. Name und Adresse sollten mit den Angaben beim alten Anbieter übereinstimmen. Auch Zahlendreher bei der Rufnummer könnten sich rächen.

Falls der Anschluss trotzdem nicht binnen eines Kalendertages über die Bühne ist, sollte man nicht lange zögern und sofort die Bundesnetzagentur informieren. Sie kann dann gezielt auf die beteiligten Unternehmen zugehen und - wenn alles klappt - dafür sorgen, dass die Leitung bald wieder steht. Ein entsprechendes Beschwerdeformular gibt es auf der Website der Bundesnetzagentur.

Grundsätzlich müsste der bisherige Anbieter den Kunden weiterversorgen, wenn der Wechsel nicht wie geplant gelingt. Das gilt übrigens auch für den Fall, dass der alte und der neue Provider noch nicht alle technischen oder rechtlichen Fragen geklärt haben, wenn der Vertrag ausläuft. Solange die neue Leitung nicht steht, muss man auch nichts bezahlen. Telefoniert man weiter über den bisherigen Anbieter, kann der nicht wie vorher weiter kassieren, sondern er bekommt nur noch 50 Prozent der monatlichen Gebühren.      

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Quelle: n-tv.de

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