Ratgeber

Keine Angst vor Inflation: Über drei Prozent Rendite sichern

von Alexander Klement

Auch, wenn der Sprit immer teurer wird, bewegt sich die Inflation insgesamt betrachtet in einem guten Rahmen. Die EZB hat keinen Grund, den Leitzins stark anzuheben. Anleger sollten daher die Flexibilität des Tagesgeldkontos nicht zu teuer erkaufen.

Inflation vernichtet Geld. Doch sind Inflationsängste derzeit begründet?
Inflation vernichtet Geld. Doch sind Inflationsängste derzeit begründet?(Foto: Benjamin Klack, pixelio.de)

Das Schreckgespenst der Inflation geht um. Die Deutschen haben Angst vor der Geldentwertung. Mittlerweile ist die Inflation in Deutschland auf ein Zwei-Jahres-Hoch geklettert: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Verbraucherpreise im Januar im Vergleich zum Vormonat um 1,9 Prozent gestiegen.

Das ist allerdings kein Grund zur Sorge. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen liegt die Inflation damit immer noch unter der Schwelle von zwei Prozent, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) von einem stabilen Preisniveau spricht. Zum anderen sind vor allem gestiegene Energiekosten für die Steigerung verantwortlich. Benzin und Heizöl sind deutlich teurer geworden.

Gefühlte Inflation höher

Da den Deutschen gerade aber die Tankstellenpreise sehr präsent sind, liegt die gefühlte Inflation deutlich höher als die tatsächliche Preissteigerung. Das Statistische Bundesamt berechnet die Inflation mit Hilfe eines Verbrauchpreis-Index. Dieser fasst die Preisentwicklung eines Warenkorbs zusammen, der sich aus 700 Güterarten zusammensetzt und alle typischen Ausgaben wie Miete, Nahrung, Kleidung und Dienstleistungen der Privathaushalte enthält. Gerade Dienstleistungen im Bereich der Telekommunikation – also beispielsweise Handytarife, Festnetz- und Internetanschlüsse – sind deutlich günstiger geworden. Diese Einspareffekte werden von den Deutschen aber weniger wahrgenommen als die Preissteigerungen in anderen Bereichen.

Im Schlepptau der Inflation bewegen sich in der Regel auch die Anlage- und Kreditzinsen, denn die EZB versucht mit ihrer Geldpolitik, Einfluss auf die Inflation zu nehmen. Steigt die Inflation, steigen auch die Zinsen. Doch hier ist nach wie vor tote Hose. "Wir haben weder beim Tagesgeld und Festgeld noch bei Krediten signifikante Veränderungen", fasst Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung im Gespräch mit n-tv.de zusammen. "Angst vor Inflation muss momentan keiner haben."

Wenig Bewegung am Zinsmarkt

Eine Inflationsgefahr bestünde laut Herbst, wenn bei den Tarifverhandlungen die Gehälter um mehr als drei Prozent steigen würden. Diese Gefahr schätzt er jedoch gering ein. Für Panikmache hat er wenig übrig. "Wir waren während der Finanzkrise auf einem absoluten Tiefpunkt und nähern uns jetzt wieder den Normalwerten", so Herbst. Bei der Höhe der Anlagezinsen rechnet Herbst auch in den nächsten Monaten mit wenig Bewegung.

Die EZB darf allerdings nicht nur den deutschen Markt im Blick haben. In der Eurozone klettert die Inflation bereits über zwei Prozent. Trotzdem ist mit einer Anhebung des Leitzinses vorerst nicht zu rechnen. "Die Europäische Zentralbank ist zuversichtlich, dass der gegenwärtige Anstieg der Teuerung zeitlich begrenzt ist und mit dem Anstieg der Preise bestimmter Rohmaterialien zusammenhängt", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo. "Wir hoffen, dass die Inflation gegen Ende des Jahres wieder fällt." Falls nicht, werde die EZB einschreiten.

Für Herbst ist die Lage am Zinsmarkt Grund genug, sein Geld auch mal für zwei oder drei Jahre fest anzulegen. "Wer das Geld definitiv nicht braucht, erhält bei dreijähriger Anlagedauer Zinsen über drei Prozent", so der Zinsexperte. Das belegt auch unser Festgeld-Vergleichsrechner. Wer bei der Geldanlage auf die deutsche Einlagensicherung nicht verzichten will, findet aktuell günstige Angebote bei der Santander Consumer Bank (3,0 Prozent pro Jahr) und der Targobank (3,1 Prozent p.a.). Eine Schippe drauf legen noch die niederländische Bank NIBC Direct (3,3 Prozent p.a.) und die estländische BIGBANK AS (3,45 Prozent p.a.). Hier sind jeweils 100.000 Euro durch den Staat garantiert.

Flexibilität kostet Rendite

Beim Tagesgeld muss man sich mit rund einem Prozentpunkt weniger begnügen. Das Top-Angebot kommt derzeit mit 2,3 Prozent von der Allianz Bank. Der Zins wird allerdings nur für Beträge bis 20.000 Euro und eine Laufzeit von sechs Monaten garantiert. Höhere Beträge werden mit einem Prozent pro Jahr verzinst. Seit Monaten mit einem gleichbleibend hohen Zinssatz ist die Ikano Bank, eine Tochter des schwedischen Ikea-Konzerns, am Markt vertreten. Aufs Mastercard-Kreditkartenkonto zahlt sie 2,22 Prozent pro Jahr.

Um diese Differenz zur Festgeldanlage auszugleichen, müssten die Zinsen schon kräftig steigen. Das zeigt auch ein einfaches Rechenbeispiel. Wer heute 10.000 Euro für die Dauer von drei Jahren zu einem Zinssatz von 3,1 Prozent pro Jahr anlegt, ist ohne die Berücksichtigung von Zinseszinseffekten am Ende der Laufzeit 930 Euro reicher. Bleibt man hingegen beim Tagesgeld kleben, das auf dem jetzigen Niveau ein Jahr lang bei 2,2 Prozent pro Jahr verharrt, würde man nach einem Jahr 220 Euro Zinsen einstreichen. Der Tagesgeldzins müsste dann in den verbleibenden zwei Jahren auf durchschnittlich 3,55 Prozent klettern, um den gleichen Zinsertrag wie beim Festgeld zu erreichen.

Noch viel höhere Verluste ergeben sich allerdings, wenn an die Milliarden von Euro denkt, die die Deutschen meist unverzinst auf dem Girokonto parken. Angaben der Deutschen Bundesbank zufolge horten die Anleger insgesamt etwa 567 Milliarden Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten. Experten gehen davon aus, dass fast 200 Milliarden Euro davon auf Girokonten vergammeln. Wer sein Geld hier hortet, nimmt in Kauf, dass es Tag für Tag  immer weniger wert ist.

Quelle: n-tv.de

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