Ratgeber

Altersvorsorge im Zinstief: Verbraucherschützer raten zu Aktienfonds

Der Leitzins in Europa ist bei Null Prozent gelandet. Für Verbraucher bedeutet dies, dass herkömmliche Produkte zur Altersvorsorge kaum noch geeignet scheinen. Wer während der Rente nicht darben möchte, muss Risiken eingehen, meint die Verbraucherzentrale.

Aus Gründen der Risikostreuung sollten Anleger ihre Investitionen über verschiedene Anlageklassen hinweg verteilen.
Aus Gründen der Risikostreuung sollten Anleger ihre Investitionen über verschiedene Anlageklassen hinweg verteilen.(Foto: imago stock&people)

Nach der unerwarteten Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Verbraucherzentrale Berlin Sparer dazu ermutigt, bei der Altersvorsorge über eine auf Aktienfonds gestützte Strategie nachzudenken. "Rendite über rund 1,5 Prozent lässt sich derzeit nur noch mit Anlageprodukten erzielen, die Wertschwankungen unterliegen", erklärte deren Finanzexperte Volker Schmidtke.

Entgegen eines bei vielen Verbrauchern verbreiteten Gefühls liege das Risiko, mit einem über Jahrzehnte laufenden Aktienfonds-Sparplan Verluste zu erleiden, "praktisch bei null", betonte Schmidtke. Zwischenzeitlich könnten drastische Buchverluste auftreten. Wer sich davon jedoch nicht irritieren lasse und weiter spare, könne "ansehnliche Wertzuwächse" erzielen.

Bei Aktienfonds-Sparplänen kaufen Sparer regelmäßig Anteile, so dass sich Schwankungen bei den Einkaufspreisen mit der Zeit ausgleichen. Zusammen mit einer über größere Zeiträume auftretenden generellen Aufwärtsbewegung an den Börsen hätten Anleger damit über die Jahrzehnte hinweg stets profitiert, sofern sie lange genug dabei blieben.

Aus Gründen der Risikostreuung sollten Anleger ihre Investitionen darüber hinaus immer über verschiedene Anlageklassen hinweg verteilen, betonte der Verbraucherschützer. Das führe zu geringeren Wertschwankungen und sorge für ein zusätzliches Sicherheitsgefühl.

Auch staatlich geförderte Riester-Produkte sind dem Experten zufolge weiter attraktiv, weil die Zulagen unabhängig von Zinsentwicklungen und Kapitalmarktbewegungen als eine sichere "Zusatzrendite" regelmäßig weitergezahlt würden. "Sie macht oft einen großen Unterschied zu nicht-geförderten Produkten aus", teilte Schmidtke in Berlin mit. Auch Betriebsrenten seien für viele Verbraucher nach wie vor eine empfehlenswerte Idee.

Die Leitzinsen in der Eurozone verharren seit Jahren auf extrem niedrigem Niveau, weil die EZB dadurch den wirtschaftlichen Erholungsprozess in Europa unterstützen will. Am Donnerstag hatte sie den Leitzins überraschend bis auf null Prozent abgesenkt und außerdem ihr Programm zum Ankauf von Staats- sowie Unternehmensanleihen ausgeweitet.

In der Folge dürften die Guthabenzinsen, die Banken für klassische Sparprodukte sowie Festgeld- und Tagesgeldkonten gewähren, demnächst weiter sinken. Die EZB-Politik trägt auch zu einem Zinsverfall bei ausfallsicheren Staats- und Firmenanleihen bei, in denen Finanzinstitute die Rücklagen für Altersvorsorgeverträge traditionell häufig anlegen oder anlegen müssen. Das drückt die Rendite von Lebens- oder Rentenversicherungen.

Schmidtke betonte zugleich, pauschale Empfehlungen beim Thema Altersvorsorge seien nur begrenzt von Nutzen. Sparer sollten sich in jedem Fall sehr gründlich informieren und vorab unabhängig beraten lassen - etwa bei Verbraucherzentralen. Eine passende Vorsorgestrategie aufzubauen sei kompliziert und müsse immer "maßgeschneidert" werden.

Quelle: n-tv.de

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