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(Foto: imago/CHROMORANGE)

Rendite in schwierigen Zeiten: Wohin mit dem Geld, Herr Riße?

Auch wenn "das Geld noch keinen reich gemacht hat", suchen Sparer verzweifelt nach rentablen  Geldanlagen. Doch wohin geht die Reise? Inflation, Deflation, Börsencrash? Finanzexperte, Buchautor und Fondsmanager Stefan Riße gibt Antworten.

n-tv.de: Aus aktuellem Anlass: Erwarten Sie größere finanzielle Turbulenzen, wenn Schottland sich tatsächlich von Großbritannien lossagen sollte?

Stefan Riße: Keine systemrelevanten. In Bezug auf Euroland sehe ich zunächst keine Probleme. Allerdings sieht man ja schon jetzt das Beben, welches in Großbritannien wegen der Möglichkeit eines solchen Szenarios ausgelöst wurde. Das britische Pfund ist bereits kräftig auf Talfahrt gegangen. Die Kursgewinne, die aufgrund der zumindest vordergründig gut wirkenden konjunkturellen Lage erzielt wurden, sind innerhalb kürzester Zeit wieder erodiert. Sowohl für Großbritannien als auch für Schottland wäre eine Abspaltung sicherlich nicht gut.

Also keine Gefahr für Europas Wirtschaft?

Wenn das britische Pfund noch stärker fallen sollte, ist das für Exportnationen wie Deutschland immer schlecht. Denn dann werden unsere Exporte nach Großbritannien teurer und die Importe der Briten nach Euroland entsprechend günstiger. Die Wettbewerbsfähigkeit würde gegenüber Großbritannien also sinken.

Wohin geht die Reise mittelfristig im Euroraum und der Weltwirtschaft? Inflation oder doch Deflation?

Stefan Riße ist Buchautor, Finanzexperte und Fondsmanager.
Stefan Riße ist Buchautor, Finanzexperte und Fondsmanager.

Ich bleibe dabei: Dieses einmalige historische Szenario wird irgendwann zu einer inflationären Entladung führen. Auf dem Weg dahin wird es allerdings immer wieder, wie derzeit auch, zu deflationären Tendenzen kommen. Was daran liegt, dass die Nachfrage durch eine entsprechende Produktion immer befriedigt werden kann. Eine etwaige Deflation wird aber durch die Notenbanken weiter bekämpft werden. Dazu wird auch in Zukunft weiterhin konsequent Geld gedruckt werden – solange, bis die Wirtschaft irgendwie läuft. Ist dann ein Aufschwung erreicht und alle Wirtschaftsteilnehmer sind abhängig von den extrem niedrigen Zinsen und entsprechend verschuldet, wird es zu einer Inflation kommen. Diese wird dann nicht adäquat bekämpft werden können, da die tiefen Zinsen eine Notwendigkeit sind, um die gewaltigen Schulden finanzieren zu können. Es kann auch noch einige Jahre dauern, bis es zu einer Inflation kommt. Bei den derzeitigen Verbraucherpreisen kann man natürlich nicht von einer Inflation sprechen. Das Wann ist nach wie vor ganz schwer zu prognostizieren.

Den ganz großen Crash des Finanzsystems erwarten Sie aber nicht?

Nein, ich gehe davon aus, dass die Notenbanken dies mit immer neuem Geld zu verhindern wissen.

Was würde das für den klassischen Sparer bedeuten?

Dass er unbedingt Sachwerte braucht. Anlagen in Geldwerte, die schon heute unattraktiv sind, sollten dann unbedingt vermieden werden. Schon jetzt gibt es für Sparer einen Geldverzehr durch Inflation, da die Zinsen unterhalb der Inflationsrate liegen.

Also vielleicht doch besser alles auf den Kopf hauen?

(lacht) Aufgeben ist auch nicht immer schlecht. Und sein Leben zu leben bestimmt kein so schlechter Rat. Kostolany (verstorbener Börsen- und Finanzexperte, Anm.d.Red.) sagte immer, man sollte alles in die Ausbildung der Kinder investieren, wenn diese das denn auch wahrnehmen wollen. Generell gilt es aber, das Geld mehr in Sachwerte anzulegen, also in ausgesuchte Immobilien, Edelmetalle und Aktien.

Wie sollten Anleger also ihr Kapital investieren beziehungsweise ihr Depot strukturieren?

In der aktuellen Situation würde ich dazu raten, 15 Prozent des Geldes in Gold und Silber anzulegen, 30 Prozent in werthaltige Aktien zu investieren und den Rest als Barreserve zu halten. Nicht weil ich doch auf Geldwerte setze, sondern nur, bis die Aktienmärkte einmal deutlich korrigiert haben, um dann dort entsprechend einzukaufen. Ich halte einen Rücksetzer von gut zehn Prozent noch in diesem Jahr für wahrscheinlich.

Beim Gold hingegen sehe ich deutliches Preissteigerungspotenzial. Die derzeitige Schwäche ist vor allem dem hohen Dollarkurs geschuldet. Gold ist mehr als nur eine Versicherung, aber eben auch ein Inflationsschutz.

Immobilien habe ich aufgrund der nicht zu pauschalierenden Bewertbarkeit und individuellen Bedürfnisse  nicht berücksichtigt. Passt das Objekt, könnte ein Drittel des vorhandenen Geldes als Eigenkapital eingesetzt werden. Zu zwei Dritteln sollte aber unbedingt fremdfinanziert werden. Die niedrigen Zinsen sind ein Geschenk für Immobilienkäufer. Heute ist es oft günstiger, ein Haus oder eine Wohnung voll zu finanzieren, als die entsprechende Miete zu zahlen, so dass kaufen günstiger als mieten ist. Immobilienfonds hingegen sehe ich nicht als geeignete Anlage.

Mit Stefan Riße sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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