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Man muss sich nur trauen ...
Man muss sich nur trauen ...(Foto: imago/Moritz Müller)

Sechs Lehren des 21. Spieltags: Aubameyang macht sich zum Bibo

Von Tobias Nordmann & Stefan Giannakoulis

Borussia Dortmund murkst sich zu einem faden 1:0-Erfolg gegen Hannover und dennoch bestimmt Schwarzgelb die Schlagzeilen. Die Bayern kicken sich aus der Krise und der HSV hat doch keine Lust auf Relegation.

1. Aubameyang ist der König des Swag

Ähnlichkeiten mit Aubameyang?Nicht gänzlich von der Hand zu weisen ...
Ähnlichkeiten mit Aubameyang?Nicht gänzlich von der Hand zu weisen ...(Foto: dpa)

Die ganze Fußball-Bundesliga fragte sich an diesem 21. Spieltag: Was zur Hölle war eigentlich los bei Ihnen, Pierre-Emerick Aubameyang? Wir sagen: Stopp und Kompliment, ähm … nein das geht dann doch ein wenig zu weit. Respekt. Ja, das scheint schon eher das richtige Wort. Also: Respekt, Herr Aubameyang! Respekt für Ihren Mut. Für Ihren Mut, der mainstreamigen Modewelt den Mittelfinger zu zeigen, sich zum Albino-Bibo zu machen und einfach mal das anzuziehen, was das heimische Ankleidezimmer so hergibt. Hauptsache, bequem und warm. Sch… auf Trends. Mach sie selbst. Und während das Internet über den am Samstag verletzten BVB-Torjäger lacht, den von den "Ruhr Nachrichten" zum neuen König des Swags (jugendsprachlich für eine Person mit lässig-cooler Ausstrahlung) ausgerufenen Gabuners in seinem weißpelzigen Outfit mit himmelblauer Basecap gar mit einem Pinguin vergleicht oder die Optik der Jacke als "toten Vogel" verspottet (Mitspieler Neven Subotic), sagen wir: Alles richtig gemacht, Herr Aubameyang!

Möglicherweise fragen Sie sich, liebe User, warum wir an dieser Stelle bisher ausschließlich über die modischen Extravaganzen des Gabuners fabulieren und uns nicht dem Sportlichen widmen. Nun, weil es da kaum etwas zu berichten gibt. Fassen wir trotzdem kurz zusammen, was sich 90 Minuten lang auf dem Rasen des Westfalenstadions abspielte. Der BVB gewinnt 1:0 gegen Hannover. Damit ist der Nachrichtenwert der Partie erschöpft. Ein bisschen Hintergrundwissen liefern wir aber gerne noch mit: Für die Dortmunder notieren wir sechs Torchancen (nicht viel für ein Heimspiel), für Hannover lediglich eine (sehr wenig, selbst für ein Auswärtsspiel). Kommen wir also noch einmal kurz zu Aubameyang zurück. Der hat an diesem Wochenende nämlich auch einen Grund, knatschig zu sein, …

2. ... was vor allem an Robert Lewandowski liegt, …

… denn der führt nun die Torjägerliste der Bundesliga an. Beim 3:1-Erfolg seines FC Bayern in Augsburg knipste der Pole einmal wieder doppelt. Es waren seine Treffer 5 und 6 in der seit vier Spielen laufenden Rückrunde und 20 und 21 in der gesamten Saison. Und noch viel wichtiger: An der Treffsicherheit ihrer offensiven Lebensversicherung richtete sich die gesamte Münchener Mannschaft wieder auf. Krise? Wer sprach denn da bitte von Krise? Erstmals nach der Winterpause wirbelten die Bayern ihren Gegner wieder annähernd so durcheinander, wie in den meisten Spielen der Hinrunde. Douglas Costa auf links und Arjen Robben, der nun 180 Minuten permanentes Auspfeifen - sowohl in Bochum als auch in Augsburg wird der Niederländer offenkundig nicht besonders gemocht - hinter sich hat, auf rechts sorgten für jede Menge Tempo und ansehnlichen Offensivfußball.

Ach, wie schön ist Valentinstag ...
Ach, wie schön ist Valentinstag ...(Foto: imago/DeFodi)

Sehr zur Freude von Trainer Josep Guardiola, über den in den vergangenen Wochen gefühlt mehr geredet wurde als in seinen zweieinhalb Jahren bei den Münchnern bislang. Für Lewandowski hatte der Katalane nach dem Schlusspfiff einen angedeuteten Aufwärtshaken parat und für Robben gab's Valentingstag-like ein Küsschen auf die rechte Wange. Bei den Jubelbildern hätte man fast vergessen können, dass der Rekordmeister an diesem Wochenende eine erneute Hiobsbotschaft hatte hinnehmen müssen (siehe Punkt 3).

3. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß

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Wie bitter war diese Nachricht? Nicht nur für die Bayern, sondern für alle empathischen Fußballfans im Land. Holger Badstuber hatte im Abschlusstraining vor dem Spiel des Rekordmeisters in Augsburg eine Sprunggelenkfraktur zugezogen – drei Monate Pause. Mal wieder. Badstuber ist der Seuchenvogel der Münchener oder um es mit den Worten von Weltmeister Andreas Brehme zu beschreiben: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." Erst im November war er nach siebenmonatiger Pause wegen eines Oberschenkelmuskelrisses zurückgekehrt. Zuvor hatte der 26-Jährige bereits zweimal wegen Kreuzbandrissen lange aussetzen müssen. Ein Blick auf seine Liga-Statistik belegt das ungeheure Pech des Innenverteidigers. Seit 2009 steht Badstuber im Profikader der Bayern, hat aber erst 118 Mal Bundesliga gespielt. Ein Vergleich: Ähnlich lange ist Thomas Müller in der ersten Mannschaft des FCB, hat aber bereits exakt 100 Ligaspiele mehr absolviert. Das sind fast drei komplette Spielzeiten. Andere Sportler hätten vielleicht schon längst aufgegeben, nicht so Badstuber. Der twitterte noch am Abend:

Die Bayern trifft die Verletzung des 26-Jährigen zur absoluten Unzeit. Mit Jerome Boateng und Javi Martinez fallen zwei gesetzte Innenverteidiger lange aus. Der Marokkaner Mehdi Benatia kämpft sich nach Verletzung langsam zurück. Alternativen? Rar bis nicht vorhanden. Gegen Augsburg rückte Außenverteidiger David Alaba (1,80 Meter) ins Zentrum, an die Seite von Mittelfeld-Talent Joshua Kimmich (1,76 Meter), auf den Außenbahnen verteidigten Philipp Lahm (1,70 Meter) und Juan Bernat (1,70 Meter) - Zugang Serdar Tasci schmorte dagegen weiter auf der Bank. Das klappte ganz gut, was aber auch daran lag, dass die Schwaben nicht allzu viel Druck auf die Bayern-Defensive aufbauen konnte. Auch am nächsten Spieltag, beim Testkick gegen Darmstadts B-Elf, ist kaum Gefahr für die vermutlich kleinste Viererkette Europas zu erwarten, dann aber geht's nach Turin zu Juventus – und die haben mit Paul Pogba (1,91 Meter) und Álvaro Morata (1,90 Meter) deutlich größere Kaliber zur Verfügung, um die bayrische "Zwergenreihe" in Verlegenheit zu bringen.

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4. Der VfB mischt die Liga auf

Fünf Siege hintereinander, beste Mannschaft der Rückrunde, sieben Partien ohne Niederlage - wo soll das enden? Stuttgarts Trainer Jürgen Kramny hatte damit nach dem 2:0 gegen die Hertha wenig überraschend kein Problem: "Das muss ja nicht enden, das kann auch weitergehen, wir werden fleißig dranbleiben und gehen weiter unseren Weg." Mittlerweile darf der VfB von sich behaupten, mit dem Abstieg nichts mehr zu tun zu haben. Zwölf Punkte Vorsprung haben die Schwaben auf Abstiegsrang 17, sieben auf den Relegationsrang 16.

"Nach so einem Sieg darf man sich auch mal was gönnen": Kevin Großkreutz.
"Nach so einem Sieg darf man sich auch mal was gönnen": Kevin Großkreutz.

Da ließ es sich Kevin Großkreutz nicht nehmen, sich in der Kabine ein Bier zu genehmigen - und das der Welt auch mitzuteilen. "Nach so einem Sieg darf man sich auch mal was gönnen", schrieb er bei Instagram. Das Foto zeigt ihn mit herausgestreckter Zunge. Ach, der Kevin. Aber auch Kramny war sichtbar stolz auf die starke Zwischenbilanz seiner noch jungen Ära, die mit einem 1:4 beim BVB am 14. Spieltag als eigentlich nur interimistischer Nachfolger des erfolglosen Alexander Zorniger begann. "Wir haben uns befreit, aber wir brauchen jetzt nicht über andere Ziele zu reden." Sportvorstand Robin Dutt ließ sich ebenfalls nicht locken. "Wir sollten die Gegenwart genießen", sagte er und verabschiedete sich: "Seit ich hier in Stuttgart bin, war ich noch nie auf Rang neun mit der Mannschaft. Jetzt werde ich zum ersten Mal, seit ich hier bin, einen Kurzurlaub beim Skifahren einlegen und die Tage genießen." Einzig, dass Daniel Ginczek sich am Tag nach dem Spiel bei einem Zweikampf einen Kreuzbandriss im linken Knie zuzog, trübt die Freude. Für den Angreifer ist die Saison beendet. Dabei war er nach einem Bandscheibenvorfall erst vor wenigen Tagen ins Training zurückgekehrt.

5. Kampf um die Champions League wird heiß

Nun ist es nicht so, dass der VfB direkt in die Champions League stürmt. Andererseits: Wenn sie so weitermachen, holen die Stuttgarter die acht Punkte auch noch auf. Es ist ja so: Platz eins und zwei sind zementiert, der FC Bayern und die Dortmunder planen längst für die europäische Königsklasse. Bleiben Rang drei, der ebenfalls mit einem Direktticket belohnt wird, und Rang vier, der dazu berechtigt, sich über zwei Playoffpartien ebenfalls für die Gruppenphase zu qualifizieren. Zurzeit kämen, in dieser Reihenfolge, der TSV Bayer 04 Leverkusen und die Berliner Hertha in den Genuss. Aber noch stehen 13 Spieltage an und der FC Schalke 04 sowie der FSV Mainz, der die Gelsenkirchener an diesem Spieltag mit 2:1 besiegte, haben nur zwei Zähler weniger auf dem Konto. Aber auch die Mönchengladbacher nach ihrer Niederlage beim Hamburger SV und sogar der VfL Wolfsburg, Sieger gegen den FC Ingolstadt, sind noch ernsthaft im Rennen. Das heißt: Sechs Mannschaften streiten sich um zwei Plätze in der Champions League und zwei Startberechtigungen für die Europalliga. Und wer weiß? Vielleicht mischen ja auch noch die Kölner und die Stuttgarter mit.

6. Der HSV mag die Relegation nicht mehr

Nach zwei Spielzeiten, in denen der Hamburger SV sich als Drittletzter der Tabelle zweimal erst in zwei Partien gegen den Tabellendritten der zweiten Liga vor dem Abstieg rettete, beginnt die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia dieses Mal erstaunlich früh damit, sich ernsthaft darum zu bemühen, dem Relegations-Hattrick aus dem Weg zu gehen. Nach dem 3:2-Sieg über Mönchengladbach gab sich Labbadia beeindruckt: "Es war beeindruckend, wie wir uns über Kampf und Leidenschaft in das Spiel reingefuchst haben." Der Lohn: Platz elf und immerhin sechs Punkte Vorsprung auf den drittletzten Rang. "Wir haben drei Punkte geholt, nicht mehr und nicht weniger. Aber es war ein sehr, sehr wichtiger Sieg." Da konnte der Trainer sogar über den Torjubel des Matchwinners Ivo Ilicevic lachen. "Ich find's gut, wenn man sich selber auf den Arm nehmen kann."

Ilicevic, nach seinem Kopfstoß im Training gegen den Kollegen Michael Gregoritsch vor zehn Tagen zwischenzeitlich suspendiert, erzielte zehn Minuten vor dem Ende der Partie das 3:1. Lewis Holtby animierte den Kroaten danach in der Jubeltraube, seine Aktion noch einmal zu wiederholen und ließ sich theatralisch fallen. "Ich hab' ihm gesagt: Gib mir eine Kopfnuss, du kennst dich ja damit aus", sagte Holtby - und fand sich offensichtlich selbst ziemlich witzig. Die Gladbacher hingegen haderten mit sich und dem Spiel, das sie eigentlich dominiert hatten. "Wir waren zu nachlässig und haben die Spannung verloren", sagte Trainer André Schubert nach der dritten Niederlage in diesem Jahr. Und Sportdirektor Max Eberl befand: "Wir haben das Spiel leider hergeschenkt. Das große Zauberwort ist Konsequenz und das hat der HSV uns heute vorgemacht. Das ist extrem ärgerlich. Große Mannschaften spielen das konsequent zu Ende, davon sind wir  noch ein ganzes Stück entfernt."

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Quelle: n-tv.de

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