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Die Gesichter der bayrischen "Krise": Sportvorstand Matthias Sammer (l.) und Trainer Josep Guardiola.
Die Gesichter der bayrischen "Krise": Sportvorstand Matthias Sammer (l.) und Trainer Josep Guardiola.(Foto: AP)

So läuft der 21. Spieltag: So schlimm ist die Krise des FC Bayern

Von Stefan Giannakoulis & Tobias Nordmann

Während das malade Defensiv-Patchwork des FC Bayern den Gegner einlädt, will Dortmunds Trainer Thomas Tuchel aus Marco Reus ein "Monster" machen. Derweil wird es für Wolfsburgs Dieter Hecking langsam eng.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Tja, die Bayern. Was sollen wir da noch sagen? Sie kriseln sich so in das Jahr 2016 hinein. Ein Brandherd nach dem anderen entsteht, den Zugführer Matthias Sammer löschen muss. Trainer Josep Guardioa, angeblich in Gedanken schon bei Manchester City; Arturo Vidal angeblich im Trainingslager auf Abwegen; und überhaupt soll sich die Mannschaft in einer veritablen fußballerischen Krise befinden. Das jedenfalls berichten viele Sportjournalisten im Land, auch die Herren von n-tv.de. Aber schauen wir genauer hin, was es bedeutet, wenn dem FC Bayern München auf dem grünen Rasen eine Misere attestiert wird.

Gelernt ist gelernt: Holger Badstuber.
Gelernt ist gelernt: Holger Badstuber.(Foto: imago/osnapix)

Punkt eins, die Ergebnisse: Die lesen sich in der Rückrunde wahrlich fürchterlich: 2:1 beim Hamburger SV, 2:0 gegen Schlusslicht Hoffenheim, 0:0 in Leverkusen und ein 3:0 beim Pokalspiel in Bochum. Klingt verdammt nochmal nach Krise. Punkt zwei, das Abwehrproblem: Jérôme Boateng, Javier Martínez und Mehdi Benatia sind verletzt. Zugang Serdar Tasci hängt mit Hirnwippen in der Warteschleife. Bleibt mit Holger Badstuber nur ein gelernter Innenverteidiger. Assistiert wird er seit drei Spielen von Mittelfeldtalent Joshua Kimmich. Dieses malade Defensiv-Patchwork ist ja quasi eine Einladung zum Toreschießen. Aber die Gegner verweigern sich. Die so geschundene Seele des Rekordmeisters soll offenbar nicht noch mehr belastet werden - schließlich werden die Bayern ja noch gebraucht, um den deutschen Fußball in der Europapokalplatzverteilungswertung oben zu halten.

Abschließend noch zu Punkt drei, der Spielfreude: Die ist tatsächlich ein wenig abhanden gekommen. So jedenfalls wirkt es auf jene Beobachter, die die Münchner in der Hinrunde sehen, ja bestaunen durften. Statt des munteren Offensivwirbels gibt's ausufernden Ballbesitz- und humorlosen Abschlussfußball. Warum das so ist? Das wissen wir leider nicht. Was wir aber wissen: Es funktioniert! Die nächste Kostprobe der bayrischen Abgezocktheit, pardon, Krise, bekommt nun der FC Augsburg zu spüren, bei dem die Münchner zum Abschluss dieses 21. Spieltags der Bundesliga gastieren. Die Augsburger haben ihren Schwung, der sie zum Ende der Hinrunde beflügelte, verloren. Und auch sie haben - wie die Bayern - mit externen Zündeleien zu kämpfen. Der Leipziger Brauseklub hat diese Woche erneut großes Interesse an FCA-Trainer Markus Weinzierl als neuem Käpt'n Ahoi angemeldet. Wie der Krisengipfel ausgeht? Wir erfahren es am Sonntag, ab 17.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Beim BVB läuft's prima. Was vor allem an Marco Reus liegt. Der hat eine neue Freundin. Eine besonders hübsche. Scarlett Gartmann, ein Model aus Hagen... ah, Moment. Falsche Rubrik. Also nochmal. Beim BVB läuft's prima. Was vor allem an Marco Reus liegt. Der hat beim 3:1 im Pokal-Viertelfinale beim VfB Stuttgart eine richtig gute Partie hingelegt. Ein Tor erzielt, eines perfekt vorbereitet. Der 26-Jährige liegt voll im Plan. In welchem Plan? Nun, in dem seines Trainers. Thomas Tuchel will Reus, so erklärte er der "Bild"-Zeitung, zum "Monster" machen. Der erste Schritt ist gemacht, der nächste soll folgen - schon im Heimspiel am Samstagnachmittag gegen Hannover 96. Das allerdings wäre ein kleines bisschen unfair. Denn die Niedersachsen haben ohnehin schon ordentlich Angst - vor eigenem Ballbesitz und noch mehr vor dem Abstiegsgespenst. Da braucht es nicht noch ein Monster.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Amtlich bescheinigter Pokalheld: Vedad Ibisevic.
Amtlich bescheinigter Pokalheld: Vedad Ibisevic.(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Wenn der VfB am Samstagnachmittag gegen die Hertha spielt, trifft ein Pokalverlierer auf einen Pokalgewinner. Während die Stuttgarter im Viertelfinale mit 1:3 der Dortmunder Borussia unterlagen, stehen die Berliner nach dem 3:2 in Heidenheim erstmals seit 1981 im Halbfinale. Dort geht es am 26. oder 27. April im Olympiastadion - gegen den BVB. Zum Sieg beim Zweitligisten steuerte übrigens Herthas Vedad Ibisevic zwei Tore bei. Der Mann, den sie im Sommer in Stuttgart nicht mehr haben wollten, gilt nun in der Hauptstadt als Pokalheld. Prompt zog die Hertha die Vertragsoption für die kommende Saison. "Ich habe mich von Anfang an in Berlin wohlgefühlt und freue mich, dass wir weiter bis 2017 zusammenbleiben", sagte Ibisevic. Und: "Das Spiel gegen den Ex-Klub ist natürlich sehr interessant für mich. Ich werde alles tun, um Tore zu machen und zu gewinnen."

Auch auf Schalke hat einer seinen Vertrag verlängert, allerdings mit etwas mehr Bohei: Kapitän Benedikt Höwedes bleibt bis 2020 in Gelsenkirchen. "Mit pochendem Herzen" habe er unterzeichnet, Schalke sei für ihn "ein einzigartiger Verein mit einzigartigen Menschen". Hach, wie romantisch. Dessen Manager Christian Heidel arbeitet seit 24 Jahren dort, wahrscheinlich wegen der einzigartigen Menschen. Doch nach dieser Saison nun soll er auf Schalke Horst Heldt beerben, dessen Vertrag nicht noch einmal verlängert wird. Und was sagt Heidel dazu? "Ich kann es nicht in Tagen beziffern. Aber es ist klar, dass dort in Kürze Klarheit 'reinmuss." Ansonsten aber gelte: "Ich habe nur ein Herz. Ich wünsche mir wie bei jedem Spiel einen Sieg von Mainz 05". Hach.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Die Partie der Bremer, die es in dieser Woche mit dem Sieg in Leverkusen ins Halbfinale des DFB-Pokals geschafft hatten und dort nun beim FC Bayern antreten, gegen die noch ärger vom Abstieg bedrohten Hoffenheimer ist eine besondere, vor allem für Julian Nagelsmann. Er trainiert nun mit seinen 28 Jahren als jüngster Chef der Erstligageschichte die TSG, nachdem Huub Stevens wegen seiner Herzrhythmusstörungen am Mittwoch überraschend seine Karriere beendet hatte. Eigentlich hätte Nagelsmann erst im Sommer übernehmen sollen, nun startet das Experiment bereits am Samstagnachmittag. Er wisse "um die große Herausforderung, die durch die aktuelle Tabellensituation natürlich noch einmal schwerer wird". Dennoch sei ihm davor nicht bange. "Ich freue mich darauf, mit der Mannschaft zu arbeiten und durch meine Art noch einmal neue Reize setzen zu können."

Trägt die Hoffnung: Josip Drmic.
Trägt die Hoffnung: Josip Drmic.(Foto: imago/Claus Bergmann)

Die neue Hoffnung des Hamburger SV heißt Josip Drmic. Den haben sie sich vor zwei Wochen von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen, er soll nun die Tore schießen - am besten schon am Sonntagnachmittag gegen Borussia Mönchengladbach. "Ich muss aufpassen, dass ich das gut einordne und nicht übermotiviert ins Spiel gehe. Klar ist es für mich ein spezielles Spiel. Das muss ich ausblenden", sagte Drmic der "Sport Bild". Seine Hoffnung heißt Bruno Labbadia, der schon die eigentlich beim HSV aussortierten Ivo Ilicevic und Gojko Kacar wieder in die Mannschaft nahm. Der Trainer hält sich noch etwas zurück: "Er ist ein sehr ruhiger Vertreter, kein Lautsprecher. Er kann noch mehr aus sich herausholen."

Sehr gedämpft ist die Stimmung bei Bayer Leverkusen. "Wir hatten große Ziele, wollten über den Pokal ins Rampenlicht und nach Berlin", hatte Klubchef Michael Schade nach der Pleite gegen eben jene Bremer gesagt. Und nun? Geht's am Samstagnachmittag zum Aufsteiger nach Darmstadt und das ohne Javier Hernández, dem mit 22 Toren in 26 Partien besten Angreifer. Er zog sich gegen Bremen einen kleinen Faserriss im linken Gesäßmuskel zu und fällt aus. Die Darmstädter spekulieren darauf, den zweiten Heimsieg in dieser Saison zu landen. Trainer Dirk Schuster schlägt deshalb vor: "Wir müssen Leverkusen kämpferisch beeindrucken und darüber hinaus die spielerische Komponente verwirklichen."

Für welchen Trainer wird's eng?

Wenn sich der Manager hinter den Trainer stellt, ist das eine gute Sache, vor allem für den Trainer - und doch ein Indiz dafür, dass es nicht so läuft, wie sich der Klub das vorstellt. Beim VfL Wolfsburg, Tabellenzweiter und Pokalsieger in der vergangenen Saison, läuft es nicht. Auf Platz acht ist ein Platz, der zum Start in der europäischen Königsklasse berechtigt, bereits acht Punkte entfernt. Und so sagte Klaus Allofs vor der Partie gegen den FC Ingolstadt über Dieter Hecking: "Er hat sehr gute Arbeit geleistet und leistet diese auch weiterhin. Von daher gibt es überhaupt keine Veranlassung, ihn jetzt, wo man im Achtelfinale der Champions League steht, infrage zu stellen." Dort geht es am 17. Februar und 8. März gegen KAA Gent.

Allofs Plan: "Wir müssen sehen, dass wir in den Kampf um die Champions-League-Plätze eingreifen. Zurzeit hat Borussia Dortmund Rang zwei sicher. Aber dahinter, gegen Mannschaften wie Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und den FC Schalke 04 müssen wir uns beweisen." Und für Trainer Hecking wäre es trotz allem sicherlich nicht schlecht, gewönnen seine Wolfsburger am Samstagnachmittag gegen Ingolstadt. Ganz andere Sorgen haben sie in Frankfurt. Die Eintracht und ihr Übungsleiter Armin Veh stehen als Viertletzter der Tabelle nur zwei Punkte vor dem Platz, der am Ende der Saison zwei Relegationsspiele gegen den Zweiten der zweiten Liga nach sich ziehen würde. Nun steht am frühen Samstagabend die Begegnung beim 1. FC Köln auf dem Programm. Veh weiß, dass seine Eintracht punkten sollte. Und zog nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart im Training die Zügel an, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. "Wir können nicht lächelnd absteigen", begründete er sein ambitioniertes Programm – und bleibt ruhig: "Aus Erfahrung weiß ich, dass es nicht hilfreich ist, zu viel Druck aufzubauen und immer davon zu reden, im nächsten Spiel unbedingt gewinnen zu müssen."

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich bin sehr leidensfähig. Das beste Mittel ist: nächstes Spiel gewinnen, dann hat man wieder seine Ruhe." Leverkusens Trainer Roger Schmidt nach der Pokal-Niederlage gegen Bremen.

"Ich habe ein paar verrückte Hosen, aber die sind eher etwas für das Schwimmbad." Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann auf die Frage, ob er wie andere Trainer ein Kleidungsstück als Glücksbringer habe.

Quelle: n-tv.de

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