Technik
Der 3D-Drucker Form 1+ kann mit hoher Auflsöung sehr feine Details ausbilden.
Der 3D-Drucker Form 1+ kann mit hoher Auflsöung sehr feine Details ausbilden.(Foto: kwe)

Form 1+ ist so gut wie ein Großer: Filmreifer 3D-Druck für wenig Geld

Von Klaus Wedekind

Der Form 1+ ist wahrscheinlich der erste 3D-Drucker, der kompakt und erschwinglich ist, aber Resultate in sehr hoher Qualität liefert. Bei n-tv.de zeigt er was er kann, im Filmgeschäft ist er auch bereits tätig.

Hochwertiger 3D-Druck war lange Zeit nur für größere Unternehmen rentabel. Kleine, erschwingliche Geräte liefern meist nur Ausdrucke in minderer Qualität, die kaum professionell zu nutzen sind oder noch viel Nacharbeit benötigen. Der Form 1+ ist da ganz anders. Er ist so groß wie ein Kaffee-Vollautomat, druckt aber auf Industrieniveau.

Der Drucker kann kleine Schmuckmodelle oder größere Flächen für Lautsprecherboxen ausdrucken.
Der Drucker kann kleine Schmuckmodelle oder größere Flächen für Lautsprecherboxen ausdrucken.(Foto: kwe)

Der Formlabs-Drucker ist ein erfolgreiches Kickstarter-Projekt, das im Herbst 2012 schon nach 2,5 Stunden das Finanzierungsziel von 100.000 Dollar erreicht hatte und schließlich fast 3 Millionen Dollar einsammelte. Der Form 1+ ist bereits das zweite, überarbeitete Modell, das Formlabs im vergangenen Juni vorstellte. Er ist schneller und noch etwas exakter als sein Vorgänger, die grundsätzliche Technik ist aber unverändert.

Der Form 1+ verwendet die sogenannte Stereolithografie, bei der ein blauer Laser Objekte schichtweise aus lichtaushärtendem Kunstharz aufbaut. FDM-Geräte (Fused Deposition Modeling, zu deutsch: Schmelzschichtung) drucken Schichten aus geschmolzenem Kunststoff, was zur Treppchenbildung führt und gewöhnlich viel Korrekturarbeit verlangt. Objekte, die der Form 1+ ausgibt, sind dagegen nach dem Aushärten sofort einsetzbar.

Sogar die feinen Treppenstufen sind nahezu perfekt.
Sogar die feinen Treppenstufen sind nahezu perfekt.(Foto: jwa)

Feinarbeit dauert

Die Bedienung des 3D-Druckers ist einfach. Das Kunstharz wird eingefüllt, ein Druckobjekt über eine unkomplizierte Software an das Gerät geschickt und es geht los. Jedes Mal, wenn der Laser durch das Kunstharz blitzt, härtet eine Schicht aus. Sie ist in der feinsten Einstellung nur 25 Mikrometer beziehungsweise 0,001 Zoll dick. Auch wenn der Form 1+ schon deutlich schneller als sein Vorgänger ist, benötigt so eine Feinarbeit natürlich ihre Zeit.

Für eine Demo bei n-tv.de druckten Formlabs-Mitarbeiter eine Schachfigur aus, einen etwa 4 Zentimeter hohen Turm inklusive fein strukturierter Wendeltreppe im Innern der Figur. Dafür benötigte der Form 1+ fast eine Stunde, bei der die Figur kopfüber Schicht für Schicht langsam aus dem Harz gehoben wurde. Da das Material auf ultraviolettes Licht reagiert, findet der Prozess geschützt unter einer orangefarbenen Plexiglasabdeckung statt. Ist ein Druck beendet, wird das Objekt von der Plattform, an der es haftet, gelöst und in einen Abtropfbehälter gelegt. Danach muss es noch für rund eine Viertelstunde in ein Alkoholbad, bevor es an der Luft durchhärten kann - am besten in Sonnenlicht.

Das Ergebnis ist beeindruckend gut, eine Nachbearbeitung unnötig. Die Druckkosten für die Schachfigur halten sich dabei mit 1,90 Euro in Grenzen. Ein Liter Kunstharz kostet zwischen 100 und 150 Euro, wobei die Flüssigkeit im Drucker aufbewahrt werden kann, klebrige Wartungsarbeiten sind nicht nötig. Der Drucker selbst ist mit rund 3300 Euro zwar nicht wirklich billig, liefert aber eine in dieser Preisklasse außerordentlich hohe Qualität. Damit ist er vor allem für kleine Unternehmen interessant, die für ihre Arbeit genaue Modelle benötigen, beispielsweise Architekten oder Produktdesigner - oder für Animationsfilmer.

2500 Ausdrucke für einen Kurzfilm

Im Juni stellt Gilles-Alexandre Deschaud den Kurzfilm "Chase Me" vor, an dem er zwei Jahre lang gearbeitet hat. Charaktere und Kulissen druckte der Filmemacher mit dem Form 1+ aus, insgesamt rund 2500 Objekte. Der Film handelt von einem Mädchen mit einer Ukulele, das von einem Monster gejagt wird, das ihrem eigenen Schatten entspringt. Da der Drucker höchstens ein Volumen von 12,5 x 12,5 x 16,5 Zentimeter erlaubt, hat Deschaud für größere Kulissen mehrere Ausdrucke zusammengefügt. Ein großer Baum besteht beispielsweise aus 22 Einzelteilen. Sein Film beweist: 3D-Druck kann wunderschön sein.

Quelle: n-tv.de

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