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Uralte Nutzpflanze mit großer wirtschaftlicher Bedeutung: Nicht nur Olivenbauern sehen sich von dem Bakterium X. fastidiosa bedroht.
Uralte Nutzpflanze mit großer wirtschaftlicher Bedeutung: Nicht nur Olivenbauern sehen sich von dem Bakterium X. fastidiosa bedroht.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Million Ölbäume befallen: Bakterium treibt Preis für Olivenöl

Kahlschlag in Italiens Olivenhainen: Die dramatischen Folgen einer bislang wenig beachtete Pflanzenkrankheit treffen am Markt für Olivenöl auf die Nachwirkungen der schwachen Ernte in Spanien. Die Preise ziehen kräftig an.

Der Preis für Olivenöl in Europas Supermärkten ist im vergangenen Jahr um ein Fünftel gestiegen. Schuld seien die Schäden in den Plantagen durch das Bakterium Xylella fastidiosa in Italien und eine karge Ernte in Spanien, dem größten Herstellerland in Europa, erklärte das Marktforschungsunternehmen IRI.

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Die Einschätzung basiert auf einer breiten Datenbasis: Die IRI-Experten hatten zuvor die Preisentwicklung in den sieben Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, den Niederlanden und Großbritannien näher untersucht.

Besonders stark stiegen die Preise demnach in jenen Absatzmärkten, in denen traditionell viele Speisen mit Olivenöl zubereitet werden. In Spanien zum Beispiel zogen die Olivenölpreise um 27 Prozent an. In Italien maß das IRI einen Anstieg um 21 Prozent. In Griechenland verteuerte sich das Speiseöl um 17 Prozent.

Die Preissprünge bleiben auf der Seite der Verbraucher nicht ohne Folgen: Der Absatz ging parallel zum Preisanstieg zurück. In Deutschland, wo traditionell mit vergleichsweise viel übrigen Pflanzenölen oder Tierfetten gekocht oder gebraten wird, stieg der Preis für Olivenöl laut IRI um 8,2 Prozent. Mit einem weiteren Anstieg - insbesondere bei Olivenöl aus Italien - ist zu rechnen.

Xylella fastidiosa

Auch als Feuerbakterie bezeichnet, ist ein Bakterium, das als Erreger bei mehr als 100 verschiedenen Pflanzenarten Krankheiten auslösen kann. Darunter befinden sich zahlreiche Nutzpflanzen wie Mandel-, Oliven- und Pflaumenbäume, aber auch Zitrusfrüchte und Oleander.

Das Bakterium wird durch Insekten, zum Beispiel Zikaden übertragen. Diese ernähren sich von Pflanzensäften und geben beim Saugen das Bakterium in das sogenannte Xylem, also in den Holzteil der Pflanzen ab. Dort vermehrt es sich und breitet sich aus. So wird der Wasser- und Nährstoffhaushalt in der Pflanze blockiert. Die Pflanze trocknet nach und nach aus und stirbt schließlich ab.

Erstmals wurde die Infektion mit Xylella fastidiosa 1892 von Newton Pierce als Rebstock-Krankheit beschrieben.

Springende und fliegende Insekten

Angeheizt werden die Trends am Markt für Olivenöl vor allem durch den Bakterienbefall, der das verfügbare Angebot auf Jahre hinaus einschränken könnte: In Italien breitete sich das Bakterium Xylella fastidiosa zuletzt weiter aus. Seit 2013 sind dort bereits mehr als eine Million Bäume befallen. Entdeckt wurde die Pflanzkrankheit zuerst in der Region Apulien in Süditalien.

Nach Angaben der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) handelt es sich um den ersten bekannten Ausbruch in Europa. Das Bakterium wird durch Insekten übertragen, die sich von Pflanzensaft ernähren. "Dem Bakterium kann ein sehr breites Spektrum von Pflanzen als Wirt dienen, darunter Mandel-, Pfirsich-, Pflaumen-, Aprikosen-, Zitrus-, Kaffee- und Olivenbäume sowie Weinreben, Eiche, Ulme, Ginkgo und Sonnenblume", teilte die EFSA mit. "Außerdem können Pflanzen das Bakterium ohne erkennbare Krankheitszeichen in sich tragen."

Risiko Nutzpflanzen-Import

Da die einzige natürliche Ausbreitung über Saft saugende Insekten erfolge, die in der Regel nur kurze Strecken von bis zu 100 Meter fliegen können, warnen Experten vor einem Transport infizierter Pflanzen. Die EU ordnete daher im vergangenen Sommer an, die betroffenen Olivenbäume zu fällen und das Holz vor Ort zu vernichten, um eine Ausbreitung der Pflanzenkrankheit zu verhindern.

Mit schnellem Ersatz können notleidende Olivenbauern nicht rechnen: Der uralte Speiseölbaum wächst nur sehr langsam. Bis ein Setzling nennenswerte Erträge bringt, vergehen in der Regel mehrere Jahre bis zu einem Jahrzehnt. Erste Hinweise, das Bakterium könnte den Sprung nach Frankreich geschafft haben, erwiesen sich zunächst als weniger dramatisch als angenommen: Im vergangenen Herbst wurde in der Nähe von Nizza ein Kreuzblumenstrauch positiv auf das Bakterium getestet. Weinreben und Olivenhaine blieben dort zunächst unversehrt.

Einen weiteren wichtigen Faktor für den aktuellen Preisanstieg am Olivenölmarkt sehen die IRI-Experten beim Wetter: In Spanien fiel die Olivenernte 2014 und 2015 wegen Trockenheit so mager aus, dass das Land sogar Olivenöl importieren musste - normalerweise liefert Spanien 45 Prozent der weltweiten Nachfrage.

Quelle: n-tv.de

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