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Das Nobelbankett: Wer verstehen will, welche Speisen serviert werden, muss sich mit den französischen Bezeichnungen auskennen.
Das Nobelbankett: Wer verstehen will, welche Speisen serviert werden, muss sich mit den französischen Bezeichnungen auskennen.
Montag, 05. Oktober 2015

Wissen zum Angeben: Der Nobelpreis und seine Kuriositäten

Festlich, altehrwürdig und voller Überraschungen: Wussten Sie, dass die Nobelpreis-Tradition auf ein schlechtes Gewissen zurückgeht? Und dass auch Hitler einst für die Auszeichnung nominiert war? Und wer, glauben Sie, erfuhr beim Zahnarzt von seiner Ehrung?

Sein schlechtes Gewissen hat Alfred Nobel auf die Preis-Idee gebracht. Der reiche Dynamit-Erfinder ist noch sehr lebendig, als die Zeitungen 1888, acht Jahre bevor er stirbt, Nachrufe auf ihn veröffentlichen. Was Nobel da lesen muss, gefällt ihm ganz und gar nicht. Als "Kaufmann des Todes" wird er bezeichnet. Die Journalisten stellen Alfred Nobel als einen Menschen dar, der sein ganzes Geld mit Sprengstoffen verdient hat und über den sich nur schwer Gutes sagen lässt. Dieses Urteil soll Nobel dazu veranlasst haben, in seinem Testament zu verfügen, dass seine Reichtümer in eine Stiftung zur Vergabe der Nobelpreise fließen. Die schonungslosen Nachrufe indes beruhten auf einer Verwechslung: Es war Alfreds Bruder gewesen, Ludvig Nobel, der 1888 verstarb.

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Adolf Hitler war 1939 für den Friedensnobelpreis nominiert. Dahinter steckte E.G.C. Brandt, ein schwedischer Abgeordneter. Allerdings hatte er die Nominierung – ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg begann – satirisch gemeint, wie er später sagte. Er zog sie dann zurück. Hitler hatte ohnehin ein Problem mit dem Nobelpreis: 1937 untersagte er den Reichsdeutschen die Annahme des Preises "für alle Zukunft". Warum? Zwei Jahre zuvor ging der Friedensnobelpreis an den im KZ inhaftierten Pazifisten Carl von Ossietzky. Die Gestapo und Hermann Göring persönlich drängten von Ossietzky, den Preis nicht anzunehmen. Er wurde 1936 schwer krank aus der Haft entlassen, die Ausreise zur Preisverleihung nach Norwegen aber wurde ihm verweigert.

Winston Churchill - der britische Premierminister, der Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg führte - erhielt den Nobelpreis. Allerdings für Literatur. Das war im Jahr 1953. Churchill war nicht nur Politiker (er gilt als der bedeutendste britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts), sondern auch Journalist und Buchautor. Er schrieb ein großes historisches Werk mit dem Titel "Der Zweite Weltkrieg". In diesem Zusammenhang erhielt er "für seine meisterlichen historischen und biografischen Schilderungen sowie für brillante Rhetorik bei der Verteidigung erhabener menschlicher Werte" den Nobelpreis.

Als Günter Grass 1999 von seinem Literaturnobelpreis erfuhr, saß er gerade beim Zahnarzt. Da die Nominierungslisten erst 50 Jahre nach der jeweiligen Preisvergabe einsehbar sind, kommt die Auszeichnung für die Preisträger oft überraschend. Sie werden darüber üblicherweise telefonisch informiert, kurz bevor auch die Öffentlichkeit davon erfährt. Wegen der Zeitverschiebung klingelt das Telefon bei US-amerikanischen Preisträgern meist mitten in der Nacht.

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Die USA führen die Nobelpreis-Statistik in allen Kategorien an – mit einer Ausnahme. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es nur zwei Jahre, in denen kein US-Amerikaner mit dem Nobelpreis geehrt wurde. Das war 1957 und 1991. Die USA betreiben, so heißt es, die beste Lobby-Arbeit. Die größten Universitäten des Landes einigen sich schon lange vor der Nominierung auf nur wenige Kandidaten. Die Juroren hören dann, wenn sie sich telefonisch nach Vorschlägen erkundigen, immer wieder dieselben Namen. Das bleibt offenbar nicht ohne Wirkung. Nur in einer Kategorie scheint die Lobby-Arbeit zu versagen: beim Literaturnobelpreis. Da liegt Frankreich vorne.

Der Friedensnobelpreis ist der einzige, der in Oslo (Norwegen) übergeben wird. Alle anderen Preisverleihungen finden in Stockholm statt. Was den Schweden Alfred Nobel dazu bewogen hat, ein Komitee des norwegischen Parlaments mit der Auswahl und Vergabe des Friedensnobelpreisträgers zu betrauen, ist nicht bekannt. Allerdings waren Norwegen und Schweden zu der Zeit, als die Nobel-Stiftung entstand, noch unter schwedischer Führung miteinander verbunden. 1905 wurde Norwegen ein selbständiges Königreich.

Um zu verstehen, was es beim Nobelbankett zu essen gibt, muss man Französisch können. Das mehrgängige Menü, das den Nobelpreisträgern sowie der schwedischen Königsfamilie, den hohen Repräsentanten der Nobel-Gremien und zahlreichen Ehrengästen serviert wird, bleibt bis zuletzt geheim. Anders als alle anderen offiziellen Dokumente zum Nobelpreis gibt es die Menü-Karte ausschließlich auf Französisch. Vor dem Essen wird ein Toast auf Alfred Nobel ausgesprochen, zwischen den Gängen gibt es Musik, nach dem Speisen halten die Preisträger kurze Dankesreden, und dann wird getanzt. Der krönende Abschluss: Zu fortgeschrittener Stunde übernimmt eine Studentenvereinigung die Ausrichtung des Festes. Dann sind die Preisträger aufgefordert, die Bühne zu betreten. Sie geben ihre Gesangskünste zum Besten.

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Quelle: n-tv.de

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