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Normalgewichtige und adipöse Maus.
Normalgewichtige und adipöse Maus.(Foto: picture alliance / dpa)

Mäuse im keimfreien Labor: Diäten schwächen das Immunsystem

Diäten sind anstrengend. Insgesamt soll das Abnehmen aber lebensverlängernd wirken. Doch nicht nur Jo-Jo-Effekt, faltige Haut oder schlechte Laune können Nebenwirkungen der Kalorienreduzierung sein.

Weniger Kalorien haben in Untersuchungen bei Fadenwürmern, bei Fruchtfliegen und bei Ratten zu einer maßgeblichen Lebensverlängerung geführt. Die Erkenntnis führte zu der Hoffnung, dass ein einfaches Mittel zur Lebensverlängerung beim Menschen gefunden war. Doch die Untersuchung der Wirkungen von kalorienreduzierten Diäten auf Primaten brachte keinen eindeutigen Zusammenhang. Zudem haben Forscher vom Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena festgestellt, dass die Kalorienreduktion bei Mäusen zwar die Alterung der Stammzellen verlangsamt, gleichzeitig jedoch das Immunsystem stark schwächt. Diese Tatsache hat außerhalb von keimfreien Laboren einen eher lebensverkürzenden Effekt.

Für die Untersuchung unter Leitung von Professor Karl Lenhard Rudolph, wissenschaftlicher Leiter am FLI, erhielten Mäuse über verschieden lange Zeiträume 30 Prozent weniger Nahrung. Die Blutstammzellen der Tiere, die für die Bildung von roten Blutkörperchen oder Abwehrzellen, sogenannten Lymphozyten, zuständig sind, wurden dabei genau untersucht. Diese Zellen, die auch als hämatopoetische Stammzellen (HSZ) bezeichnet werden, verlieren bei jeder Zellteilung einen Teil ihrer Funktionalität – sie altern. Aus diesem Grund befinden sie sich die meiste Zeit in einem Ruhezustand und werden nur aktiv, wenn massive Zellneubildungsprozesse im Körper nötig sind.

Stammzellen springen nicht an

Die Forscher konnten feststellen, dass bei allen Diät-Mäusen unabhängig von der Dauer der Diät die HSZ länger im Ruhezustand verharrten als bei den Mäusen, die nicht auf Diät gesetzt waren. Die Stammzellen sprangen auch nicht an, wenn Zellteilungsprozesse durch simulierten Stress normalerweise ausgelöst werden. Sie alterten in den Diät-Mäusen praktisch nicht. HSZ zeigten sogar nach einem Jahr Diät eine deutlich verbesserte Funktion im Hinblick auf die Neubildung von Blutzellen.

Allerdings mussten die Forscher auch feststellen, dass das Immunsystem der Tiere durch die Kalorienreduktion deutlich geschwächt wurde. Die Bildung der Lymphozyten, die für die körpereigene Abwehr nötig sind, war bis zu 75 Prozent bei gleicher Anzahl von Blutzellen vermindert. Dadurch hatten die Diät-Mäuse ein deutlich höheres Risiko, an einer bakteriellen Infektion zu erkranken, als die Mäuse, die normal gefüttert wurden. Nur die sterilen Lebensbedingungen im Labor boten den Diät-Tieren Schutz.  

Die Forscher schließen daraus, dass die Erkenntnisse nicht einfach auf den Menschen übertragen werden können. Die Wirkungen einer Kalorienreduktion auf das Immunsystem könnten zudem im wahren Leben fatale Folgen haben und müssen deshalb noch mehr untersucht werden. "Bei einer Sepsis beispielsweise haben Patienten mit einer stärkeren Physis tatsächlich höhere Überlebenschancen als sehr schlanke", pflichtet Professor Michael Bauer, Leiter des Zentrums für Sepsis am Universitätsklinikum Jena (CSCC), bei.

Quelle: n-tv.de

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