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Lepra gilt als heilbar, aber die notwendigen Medikamente stehen nicht in allen Ländern ausreichend zur Verfügung.
Lepra gilt als heilbar, aber die notwendigen Medikamente stehen nicht in allen Ländern ausreichend zur Verfügung.(Foto: AP)

Eine Milliarde Menschen betroffen : Die 17 vernachlässigten Krankheiten

Es gibt Krankheiten, die sind gar nicht selten, und trotzdem beschäftigt sich die Forschung kaum mit den Heilungsmöglichkeiten. Der Grund? Es rechnet sich nicht. Die Betroffenen könnten die Medikamente nicht zahlen.

17 vernachlässigte Krankheiten listet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf. Diese Krankheiten sind keineswegs selten; rund eine Milliarde Menschen sind betroffen. Es sind Krankheiten, die für die Pharmaindustrie kaum von Interesse sind. Sie treten vorwiegend in den Tropen auf und die Menschen, die daran leiden, sind arm. Mit Medikamenten lassen sich hier folglich keine großen Summen verdienen.

Vernachlässigte Krankheiten sollen eines der Weltgesundheits-Themen beim G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau nahe Garmisch-Partenkirchen sein. Es geht um Investitionen in die entsprechende Forschung und um die Veröffentlichung bisheriger wissenschaftlicher Ergebnisse. Doch welche Krankheiten genau zählen zu den vernachlässigten? Hier ein Überblick:

Die Tigermücke ist einer der Überträger des Dengue-Fiebers. Gegen sie hilft nur Gift.
Die Tigermücke ist einer der Überträger des Dengue-Fiebers. Gegen sie hilft nur Gift.(Foto: james gathany, CDC/Wikipedia/gemeinfrei)

Dengue-Fieber: Es wird durch verschiedene Stechmücken übertragen. Von 1960 bis 2010 haben sich die Fallzahlen weltweit verdreißigfacht. Die Symptome des Dengue-Fiebers ähneln denen einer schweren Grippe, es kann aber zu inneren Blutungen kommen. Nach Schätzungen der WHO erkranken jedes Jahr mindestens 100 Millionen Menschen an Dengue-Fieber, 500.000 durchleiden einen schweren Verlauf, 22.000 sterben schließlich an der Krankheit. Die meisten Todesopfer sind Kinder. Vorbeugend versucht man, die das Virus übertragenden Mücken zu bekämpfen.

Tollwut: wird fast immer durch den Biss infizierter Hunde übertragen, aber auch Füchse, Dachse, Waschbären et cetera können das Virus weiterreichen. Sobald sich beim Menschen die ersten Symptome zeigen, führt die Krankheit unweigerlich zum Tod. Eine Impfung ist möglich, auch nach dem Biss, sofern sie innerhalb von 24 Stunden erfolgt. Von der Infektion bis zu den ersten Symptomen können drei Monate vergehen. Das Virus verursacht Gehirnentzündung, es kommt zu Lähmungen, Delirium, Halluzinationen. Impfkampagnen und die Kontrolle der Hundepopulation sind die einzige Möglichkeit, Tollwut wirksam zu bekämpfen.

Von Frambösie, der Himbeer-Krankheit, sind meist Kinder betroffen.
Von Frambösie, der Himbeer-Krankheit, sind meist Kinder betroffen.(Foto: CDC, wikipedia, gemeinfrei)

Trachom: Dieses ist in tropischen Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen die häufigste Augenerkrankung. Etwa 500 Millionen Menschen leiden daran, rund 6 Millionen sind durch ein Trachom erblindet. Auslöser sind Bakterien der Art Chlamydia trachomatis. Sie werden durch gemeinsam benutzte Waschlappen und Handtücher oder durch Fliegen weitergereicht.

Buruli-Ulkus: ist eine bakterielle Infektion der Haut, bei der großflächige Geschwüre entstehen können. Verbreitet ist die Krankheit in West-, Zentral- und Ostafrika, sie kommt aber auch in Südasien, Südamerika und Australien vor.

Frambösie: ist eine bakterielle Infektion, die vor allem Haut und Knochen befällt. Sie ruft himbeerähnliche Pusteln hervor, weshalb sie auch Himbeerkrankheit genannt wird. Meist sind Kinder betroffen, die sich durch Haut-zu-Haut-Kontakt anstecken. Die Krankheit verformt die Knochen und führt so zum Beispiel zu Gehbehinderungen.

Lepra an sich ist nicht schmerzhaft, doch über die Wunden kann es zu weiteren lebensgefährlichen Infektionen kommen.
Lepra an sich ist nicht schmerzhaft, doch über die Wunden kann es zu weiteren lebensgefährlichen Infektionen kommen.(Foto: b.jehle/Wikipedia/CC BY-SA 3.0)

Lepra: ist eine neurologische Erkrankung, die sich zunächst über die Haut bemerkbar macht. Nerven sterben ab, Arterien und Venen verstopfen durch eine Verdickung des Blutes. Die Betroffenen spüren keine Schmerzen. Über die Wunden können sie sich mit lebensgefährlichen Krankheiten wie etwa Tetanus infizieren. Lepra gilt grundsätzlich als heilbar, jedoch stehen die Medikamente nicht in allen Ländern ausreichend zur Verfügung.

Chagas-Krankheit: Sie ist in Mittel- und Südamerika verbreitet und wird durch blutsaugende Raubwanzen übertragen. Insgesamt soll es mehr als 18 Millionen Infizierte geben, jedes Jahr sterben rund 15.000 Menschen an der Krankheit. Sie geht in der akuten Phase mit Fieber, Luftnot, Durchfall, Herzvergrößerung und auch Krampfanfällen einher. Mehrere Jahre später kommt es zur chronischen Form. Zur Vorbeugung werden die übertragenden Raubwanzen bekämpft. Die gefährdetsten Schlafplätze liegen in offenen, einfachen Häusern mit Wänden und Dächern aus Flechtwerk.

Afrikanische Schlafkrankheit: Sie wird von der Tsetse-Fliege übertragen. Unbehandelt führt die Krankheit zum Tode.

Überträger der Leishmaniose ist die Sandmücke.
Überträger der Leishmaniose ist die Sandmücke.(Foto: CDC/Frank Collins/Wikipedia/gemeinfrei)

Leishmaniose: Diese Krankheit gibt es in Indien und China, aber auch im Mittelmeerraum von Portugal bis zur Türkei sowie in Südamerika, dort besonders in Brasilien. Überträger ist die Sandmücke, die es durch den Klimawandel neuerdings auch nach Deutschland lockt. Die Leishmaniose kann in vielen unterschiedlichen Formen ausbrechen, so etwa in der Variante, die auf die Haut beschränkt bleibt, oder als innere Leishmaniose, die auch die inneren Organe befällt.

Taeniasis: ist eine parasitäre Infektion, die durch Schweine- oder Rinderbandwurm hervorgerufen wird. Die Zahl der weltweit Infizierten liegt im zweistelligen Millionenbereich. Vorbeugende Maßnahme: Fleisch vor dem Verzehr erhitzen.

Hier wird versucht, einen Medinawurm mithilfe eines Streichholzes zu entfernen.
Hier wird versucht, einen Medinawurm mithilfe eines Streichholzes zu entfernen.(Foto: CDC/Wikipedia/gemeinfrei)

Dracontiasis: ist ein Befall mit dem Medinawurm. Der kann über das Trinkwasser aufgenommen werden. Er siedelt sich meist im Bindegewebe oder der Unterhaut der Waden oder Füße an, was zu starken Schmerzen führt. Das Kopfende des Wurms verursacht Geschwüre. Ohne Behandlung sind tödliche Komplikationen möglich. Seit 2011 ist der Parasit hauptsächlich auf den Südsudan zurückgedrängt, seit 2013 liegt die Zahl der gemeldeten Infektionen jährlich unter 150.

Echinokokkose: Das sind Erkrankungen, die durch die Infektion mit einem Bandwurm hervorgerufen werden. Aus Europa kennt man etwa den Fuchsbandwurm, doch auch Hunde oder große Nagetiere – so in Südamerika – können Bandwurm-Infektionen hervorrufen. Eine Ansteckung ist über den Kot der Tiere möglich.

Trematodiasis: Das sind Erkrankungen, die durch Saugwürmer hervorgerufen werden. Diese können über das Essen (Fisch, Gemüse, Krustentiere) in den menschlichen Körper gelangen. Die Krankheiten sind vor allem in Südostasien verbreitet.

Elephantiasis ist die abnorme Vergrößerung eines Körperteils durch einen Lymphstau.
Elephantiasis ist die abnorme Vergrößerung eines Körperteils durch einen Lymphstau.(Foto: CDC/Wikipedia/gemeinfrei)

Elephantiasis: ist oft Folge verschiedener Infektionskrankheiten, die unter anderem durch Fadenwürmer ausgelöst werden. Die gelangen durch bestimmte Mücken ins lymphatische System des Menschen und verursachen dort Lymphstau. Mit Moskitonetzen lässt sich vorbeugen.

Onchozerkose: wird ebenfalls von einem Parasit aus der Gruppe der Fadenwürmer verursacht und kann bei 10 Prozent der Erkrankten zur Erblindung führen. Überträger sind bestimmte Kriebelmücken. Da diese meist in der Nähe von Fließgewässern leben, kommt die Krankheit meist an Flüssen vor. Man spricht von Flussblindheit.

Schistosomiasis: ist eine Wurmerkrankung, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken übertragen wird. Die von den Schnecken freigesetzten Larven dringen durch die Haut des Menschen ein und wandern über Lymph- und Blutgefäße in die Leber, wo sie sich weiterentwickeln. Dann verbreiten sie sich über die Venen vor allem in Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn.

Weitere Wurmerkrankungen: Auch Erde, die mit Fäkalien verunreinigt ist, kann zu von Fadenwürmern verursachten Infektionen führen. Anämie, Vitamin-A-Mangel, Darmverschluss und Entwicklungsverzögerungen können die Folge sein.

Quelle: n-tv.de

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