Wissen
Eine Kopflaus im vergrößerten Computerbild.
Eine Kopflaus im vergrößerten Computerbild.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hygiene spielt keine Rolle: Kopfläuse sind hartnäckig

Von Jana Zeh

"Schon wieder!", denken viele Eltern, wenn sie in der Kita oder dem Hort ihres Kindes das Hinweisschild auf Kopfläuse sehen. Es scheint, als würde man die unangenehmen Parasiten einfach nicht loswerden. Tatsächlich leben die Plagegeister seit Millionen von Jahren auf Menschenköpfen. Kein Wunder, dass sich um sie bis heute viele Mythen ranken.

1. Heute gibt es wesentlich häufiger Kopfläuse als zu meiner Zeit als Kind. Falsch!

Diese Wahrnehmung ist beruht meist auf persönlichen Erfahrungen, denn bisher gibt es keine statistischen Untersuchungen, die diese Behauptung unterstützen. Es lässt sich vermuten, dass Erwachsene, die noch nie in ihrem Leben von Läusen geplagt wurden, einfach Glück hatten (oder stets große Distanz zu anderen Menschen einhielten). Ein weiterer Aspekt ist, dass heute offener über Kopfläuse gesprochen und geschrieben wird. "Noch vor zwanzig Jahren war das Thema ein Tabu und keiner, vor allem nicht die betroffenen Personen, redete öffentlich darüber", erklärt Michael Forßbohm vom Gesundheitsamt in Wiesbaden. Aus Scham wurden damals viele Kinder nicht einmal einem Arzt vorgestellt, da die Meinung vorherrschte, dass Lausbefall etwas mit Unsauberkeit und fehlender Hygiene zu tun hat. Heute weiß man, dass jeder, der Haare auf dem Kopf hat, egal, wie oft er duscht oder die Haare wäscht, Läuse bekommen kann.

2. Läuse springen von Kopf zu Kopf. Falsch!

Mit dem Läusekamm kann man Jagd auf die Tiere machen.
Mit dem Läusekamm kann man Jagd auf die Tiere machen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Läuse können weder springen noch fliegen. "Ich wundere mich, dass sich der Mythos von der springenden Laus noch immer hält", sagt Forßbohm. Die Laus wird hauptsächlich durch den sogenannten Haar-zu-Haar-Kontakt übertragen. Läuse können relativ schnell von einem Haar zum anderen krabbeln. In Ausnahmefällen kann die Laus auch von einem Gegenstand zum Kopf übertragen werden. "Läuse können sich mit ihren sechs Beinen, an denen sich Krallen befinden, sehr gut am Haar festhalten. Nur auf dem Kopf ernähren und vermehren sie sich", so der Experte. Extrem selten fallen sie vom Haar ab und bleiben zum Beispiel in einer Mütze hängen. In dieser Mütze und ohne menschliches Blut kann die Kopflaus 36 bis 55 Stunden überleben. Setzt also jemand anderes die Mütze innerhalb dieses Zeitraums auf, so rettet sich das Tier auf das nächste Haar. Bleibt die Mütze unbenutzt oder sogar in winterlicher Kälte liegen, dann stirbt die Laus.

3. Läuse bevorzugen Kinderköpfe. Falsch!

Kopfläuse brauchen Menschenblut, um zu leben und sich fortzupflanzen. Den Tieren ist egal, ob ihre Nahrung von Kindern oder Erwachsenen kommt. Kinder gehen einfach unbefangener und distanzloser miteinander um, so dass der Haar-zu-Haar-Kontakt, der nötig für die Verbreitung von Läusen ist, wesentlich häufiger vorkommt als bei Erwachsenen. Aus diesem Grund wird die Laus auch am häufigsten in Kindereinrichtungen, Ferienlagern, an Grundschulen oder in Horten weitergegeben - eben dort, wo viele Kinder auf engem Raum zusammenkommen.

4. Mädchen haben öfter Läuse als Jungen. Richtig!

Läuse sind sehr klein und können sich im Haar schnell fortbewegen.
Läuse sind sehr klein und können sich im Haar schnell fortbewegen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Tatsächlich haben mehr Mädchen als Jungen Läuse. Das liegt aber nicht daran, dass die Tiere das Blut von Mädchen bevorzugen, sondern an der Haarlänge. Lange, offene Haare begünstigen Haar-zu-Haar-Kontakte unter Menschen. Da Mädchen öfter lange Haare haben als Jungen, haben sie auch öfter Läuse als Jungen. "Wenn langes Kinderhaar während der Zeit des Läusealarms als Zopf zusammengebunden wird, wird die Übertragung erschwert", erklärt Forßbohm.

5. Die dunkle Jahreszeit ist Hochzeit für Läuse. Falsch!

Prinzipiell kann keine Jahreszeit als besonders günstig für die Verbreitung von Läusen ausgemacht werden. "Das Ungeziefer kann sich zu jeder Jahreszeit bis hin zur Epidemie ausbreiten, wenn Erwachsene nichts dagegen tun", betont der Experte. Allerdings werden im Winter häufiger Läuse festgestellt. Das könnte damit zusammenhängen, dass Kinder in dieser Jahreszeit häufiger auf engem Raum zusammen spielen und so die Übertragung vereinfacht wird.

6. Läuse treten nur bei Kindern auf, die selten ihre Haare waschen. Falsch!

"Der Mythos von der fehlenden Hygiene bei Läusebefall sollte längst überholt sein", betont Forßbohm. Läuse können bei jedem Menschen mit Kopfhaar leben. Die Tiere benötigen menschliches Blut als Nahrung, eine Temperatur von 28 bis 30 Grad Celsius und eine relativ feuchte Umgebung. Diese Lebensverhältnisse finden sie in der Nähe der Kopfhaut des Menschen. Dort werden auch die Eier mit den Nachkommen an die Haarwurzel angeklebt. Mit Hygiene hat ein Lausbefall nur insofern zu tun, als die Tiere bleiben und sich schnell verbreiten, wenn nichts gegen sie unternommen wird.

7. Der Mensch kann eine Immunität gegen Läuse entwickeln. Falsch!

Das richtige Mittel gegen Läuse

Die Palette der Angebote an Anti-Läusemitteln ist breit, genauso wie der Argwohn von Eltern gegen sie. Kein Wunder! Viele Kopflausmittel gehören zu den Insektiziden, töten also durch Chemikalien.

Wer ein Naturmittel sucht, sollte auf Pyrethrum setzen. Das Extrakt aus Chrysanthemen gilt als gut wirksam und verträglich. Es ist ebenfalls ein Insektizid, darf aber sogar im ökologischen Landbau eingesetzt werden. Allerdings besteht auch hier Gefahr für Allergiker.

Andere Läuse-Vernichtungsmittel machen auf physikalischem Weg den Tieren den Garaus. Sie enthalten Silikone oder Öle, die sich in den Atemöffnungen der Tiere festsetzen und diese so ersticken. Die Gefahr der Nebenwirkungen ist bei diesen Mitteln geringer.

Wichtig ist bei allen Angeboten die Anwendung gemäß dem Beipackzettel. Zudem sollten regelmäßig die abgestorbenen Tiere und deren Eier mit einem speziellen Kamm ausgekämmt werden.

Prinzipiell sind alle in der Apotheke erhältlichen Anti-Läusemittel verwendbar und dringend den Hausmitteln wie Mayonnaise, heißes Föhnen oder Saunagänge vorzuziehen. Nur Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kleinkinder und Allergiker sollten vor einer Anwendung einen Arzt konsultieren.

Menschen können gegen Parasiten prinzipiell keine Immunität entwickeln, im Gegenteil. Menschen reagieren sogar leicht allergisch auf die Stiche der Läuse. Beim Saugen wird der Rüssel einfach in die Kopfhaut gestochen. Dabei gibt die Laus Speichel ab. Dieser enthält Proteine, die zu einer allergischen Reaktion und dem bekannten Juckreiz führen. Hat man das erste Mal Läuse, dann können bis zu zwei Wochen vergehen, bevor der Juckreiz spürbar wird. So könnte bei beginnendem Juckreiz schon die zweite Generation der Parasiten auf dem Kopf leben.

8. Hausmittel helfen genauso gut gegen Läuse wie die Mittel aus der Apotheke. Falsch!

"Alle Hausmittel, die gegen Läuse helfen sollen, sind in einer Zeit entstanden, in der keine anderen Mittel zur Verfügung standen. Sie sind nur bedingt wirkungsvoll gegen Kopfläuse", erklärt Forßbohm. Heute haben wir eine breite Palette an Wirkstoffen, die in jeder Apotheke rezeptfrei erhältlich sind und bei Anwendung nach Vorschrift hervorragend wirken. Ganz wichtig ist jedoch die Zweitbehandlung nach acht bis zehn Tagen, "denn nur so können auch die geschlüpften Larven der Kopflaus vor der nächsten Eiablage vernichtet werden", so der Experte weiter. Für Kinder bis 12 Jahre können diese Mittel auch vom Kinderarzt verordnet werden. In diesem Fall zahlt die Krankenkasse.

9. Haustiere können Läuse übertragen. Falsch!

Haustiere können eine Reihe von Schädlingen übertragen. Die Kopflaus allerdings gehört nicht dazu, denn sie ernährt sich ausschließlich von Menschenblut.

10. Wenn sich Nissen auf dem Kopf befinden, muss man unbedingt behandeln. Falsch!

Wenn nach einer Woche die einen Millimeter großen Läuse aus den an der Haarwurzel abgelegten Eiern schlüpfen, brauchen sie eine weitere Woche, bis sie ausgewachsen, mobil und geschlechtsreif sind. Die leere Ei-Hülle, die Nisse, bleibt am Haar kleben und wächst mit diesem jeden Monat einen Zentimeter weiter nach außen. Sie sind immer leer, wenn sie weiter als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt sind. Läusemittel vernichten bei korrekter Anwendung alle Larven und ausgewachsenen Läuse, aber nicht die Eier. Deshalb ist eine zweite Behandlung eine Woche nach der ersten notwendig, um die inzwischen geschlüpften Larven zu vernichten, bevor sie auf andere Köpfe wandern oder Eier legen können.

Bei unbehandelten Personen können Nissen anzeigen, dass ein Kopflausbefall besteht. Ansonsten erinnern sie lediglich daran, dass vor Wochen oder Monaten ein Kopflausbefall bestanden hat. Um Kinder vor Hänseleien oder falschen Diagnosen zu schützen, tun Eltern jedoch gut daran, Nissen zu entfernen.

11. Bei Läusebefall müssen alle Familienmitglieder behandelt werden. Falsch!

Die eindeutige Diagnose vor einer Behandlung mit Anti-Läuse-Mitteln ist wichtig.  Dafür sollten sich die Familienmitglieder gegenseitig untersuchen. Eine Selbstuntersuchung mit Hilfe eines Spiegels reicht nicht aus. "Ein alleinerziehender Elternteil, bei dessen Kind Läuse festgestellt worden sind, sollte zur Untersuchung der Haare einen Arzt oder eine andere kompetente Vertrauensperson konsultieren", rät der Experte.

12. Sämtliche Bettwäsche und Kuscheltiere müssen entlaust werden. Falsch!

Das ist nicht unbedingt nötig, da sich Läuse tatsächlich von Kopf zu Kopf verbreiten. Will man ganz auf Nummer sicher gehen, sollen Bettwäsche und Handtücher der betroffenen Person sowie die gesamten Kleider nach der Behandlung vollständig gewechselt werden. Kuscheltiere oder andere nichtwaschbare Dinge aus dem direkten Umfeld können für drei Tage luftdicht in einen Plastikbeutel gepackt werden. Darin haben die Plagegeister keine Überlebenschance. Kämme, Bürsten und Haarschmuck können mit einer Seifenlauge und einer Bürste gereinigt werden. Die meisten dieser Reinigungsmaßnahmen dienen jedoch nicht dem Ziel, die Läuse zu vertreiben, sondern eher einem guten Gewissen, alles getan zu haben, um die Parasiten loszuwerden. Viel wichtiger als die Reinigungen von Wäsche und Umgebung ist die richtige Anwendung der Präparate.

Quelle: n-tv.de