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Nascherei, die glücklich machen kann.
Nascherei, die glücklich machen kann.(Foto: picture alliance / dpa)

Süßigkeit mit hoher Anziehungskraft: Schokolade macht nicht nur glücklich

Von Jana Zeh

Sie gilt als Seelentröster und Stimmungsaufheller, Hüftgold und Herzenssache: Der Schokolade werden viele Wirkungen zugeschrieben. Doch die einzelnen Inhaltsstoffe der köstlichen Nascherei scheinen nicht direkt die gefühlten Effekte im Körper auszulösen. Was Schokolade tatsächlich kann und was nicht, erfahren Sie hier.

Schokolade macht wach.

Das in Schokolade enthaltene Theobromin gilt als Wachmacher. Es ist im Kakao, in Kolanüssen und in Teeblättern zu finden. Der Anteil an Kakao in Schokolade entscheidet also über den Anteil an Theobromin. Das Alkaloid stimuliert das Nervensystem und erweitert die Blutgefäße. Es ist in seiner Wirkung dem Koffein verwandt. Allerdings sind in der Schokolade im Vergleich zu Kaffee und Tee nur geringe Mengen zu finden. Eine Tasse Kakao enthalt höchstens 25 Milligramm Theobromin. In einer Tasse Kaffee dagegen sind zwischen 50 und 175 Milligramm Koffein enthalten, das im Körper wirksam wird. Schokolade ist also eher eine Nascherei als ein Wachmacher.

Schokolade ist gesund.

Schokoladensorten gibt es für jeden Geschmack.
Schokoladensorten gibt es für jeden Geschmack.(Foto: picture alliance / dpa)

Pauschal zu behaupten, dass Schokolade gesund sei, ist nicht richtig. Was in Schokolade positiv auf die Gesundheit wirken kann, sind die sogenannten Flavanole, also sekundäre Pflanzenstoffe, die aus dem Kakao stammen. In dem Pulver sollen 66 verschiedene Stoffe enthalten sein, die potenziell Herz und Blutkreislauf schützen können. "Dass Kakao-Flavanole über die gefäßerweiternde Wirkung zu einem normalen Blutfluss beitragen können, ist wissenschaftlich belegt und von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA - Anm. d. R.) als Health Claim - gesundheitsbezogene Angabe über ein Lebensmittel - bestätigt", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. in Bonn. Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil enthält mehr Flavanole als Milchschokolade. "Für diesen Effekt sollten laut EFSA 200 Milligramm Kakaoflavanole pro Tag aufgenommen werden, die im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung über 2,5 Gramm flavanolreiches Kakaopulver oder 10 Gramm flavanolreiche dunkle Schokolade konsumiert werden können", erklärt Restemeyer. "Dennoch gibt es von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. keine Verzehrempfehlung für die Bevölkerung in Deutschland in Bezug auf Schokolade. Denn den positiven Effekten steht der hohe Energiegehalt der Schokolade entgegen", ergänzt die Expertin. Bisher konnten in Untersuchungen zwar positive Effekte beobachtet werden - wie Schokolade und welche Menge langfristig tatsächlich positiv auf Herz und Kreislauf wirken, muss erst noch genau untersucht werden.

Dunkle Schokolade ist gesünder als weiße.

Auch bei dieser Aussage ist die Bezeichnung "gesünder" ungünstig gewählt. Die Farbe der Schokolade hängt mit dem Anteil an Kakao zusammen, in dem die gefäßstärkenden Flavanole enthalten sind. Weiße Schokolade dagegen enthält nicht nur mehr Fett als dunkle, sondern gar keinen Kakao und dementsprechend auch keine Flavanole. Ihr wird lediglich die Kakaobutter zugefügt. Da jedoch alle Arten von Schokolade eine Menge Zucker und Fett enthalten, kann Schokolade, egal ob weiß, hell- oder dunkelbraun, auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, zum Beispiel die Entstehung von Übergewicht begünstigen oder die Zähne schädigen.

Schokolade macht gar nicht dick.

Schokoladenliebhaber mögen solche Meldungen. Forscher der Universität Granada haben herausgefunden, dass Jugendliche mit einem hohen Schokoladenkonsum einen geringeren Körperfettanteil haben als ihre Altersgenossen, die wesentlich seltener zur süßen Versuchung greifen. Das Forscherteam um Magdalena Cuenca-García vermutet, dass die Flavanole die Zunahme an Gewicht durch Schokolade bei Jugendlichen verhindern. Die Untersuchung wurde an 1458 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren aus neun europäischen Ländern durchgeführt. Ob der Schokoladenkonsum auch bei Erwachsenen oder Kindern eine protektive Wirkung gegen Übergewicht haben kann, bleibt offen. "Wenn Schokolade im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung als hochkalorisches Genussmittel in Maßen gegessen wird, dann macht sie auch nicht dick", sagt Restemeyer. Wenn man allerdings eine ganze Tafel Schokolade auf einmal isst, dann entspricht das von der Kalorienanzahl her fast einer Hauptmahlzeit. "Das ist dann nicht mehr ausgewogen und führt leicht dazu, dass man zunimmt", betont die Ernährungsexpertin.

Schokolade macht Pickel.

Akne auf der Stirn eines 14-Jährigen.
Akne auf der Stirn eines 14-Jährigen.(Foto: von Henryart, wikipedia)

Viele Jahre haben Forscher keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Schokoladenkonsum und der Entstehung von Akne feststellen können. Sie machten die Warnung "Schokolade macht Pickel" damit zum Mythos. Forscher der Universität Radboud in Nimwegen stellten 2013 jedoch fest, dass es tatsächlich einen Zusammenhang gibt. Sie konnten zeigen, dass sich die Nascherei indirekt auf die Bildung von Akne auswirkt. Sie fanden heraus, dass sich durch die Schokolade die Reaktionen von Immunzellen verändern. Dadurch werden Infektionen begünstigt beziehungsweise erleichtert. Das kann das Ausmaß von Akne-Symptomen verschlimmern und die Heilung verzögern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachblatt "Cytokine".

Schokolade kann süchtig machen.

Experten haben dazu verschiedene Meinungen. Aus Sicht der Psychologen gibt es die Schokoladensucht nicht, da die süße Versuchung zu den Lebensmitteln gehört und nicht zu den chemischen Drogen. Diejenigen, die dennoch exzessiv die kalorienreiche Kost in sich hineinstopfen, Verhaltensweisen eines Süchtigen zeigen oder sich selbst als Schokoholics bezeichnen, könnten eher zu den Verhaltenssüchtigen als zu den Drogenabhängigen gezählt werden. In Untersuchungen konnten Forscher zeigen, dass Menschen, die täglich Schokolade im Übermaß aßen, psychisch und nicht körperlich abhängig waren. Das oft in diesem Zusammenhang erwähnte Anandamid, das als Vorstufe in der Schokolade enthalten und von seiner Wirkung mit Cannabis vergleichbar ist, reicht von der Konzentration her eigentlich nicht aus, um biologisch wirksam zu werden. Es könnte jedoch sein, dass im Wechselspiel mit anderen Stoffen es doch zu einer aufputschenden Wirkung im menschlichen Organismus kommt. Nicht umsonst bestätigen einer Umfrage zufolge 40 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer, regelmäßig suchtähnlichen Heißhunger auf Schokolade zu verspüren. Jede Naschkatze sollte also ruhig ein paar schokoladenfreie Tage in der Woche einlegen, um das Risiko einer psychischen Abhängigkeit zu minimieren.

Vanille dämpft den Schokoladenhunger.

Ob Vanilleeis die Lust auf Schokolade lindert, bleibt offen.
Ob Vanilleeis die Lust auf Schokolade lindert, bleibt offen.(Foto: picture alliance / dpa)

Wer seinem Heißhunger auf Schokolade nicht nachgeben will, sollte auf Vanille zurückgreifen. Ein Forscherteam aus London untersuchte die Wirkung verschiedener Düfte bei 200 Menschen mit Übergewicht. Sie klebten ihren Probanden Duftpflaster mit Vanille- oder Zitronenduft oder einem Placebo auf die Haut und untersuchten deren Appetit auf Schokolade und andere Süßigkeiten. Tatsächlich aßen die Studienteilnehmer, die Vanilleduft in der Nase hatten, nur noch halb so viel Schokolade wie die Probanden mit Placebopflastern oder Zitronenduft. Auch der Limonadenkonsum konnte durch Vanilleduft reduziert werden.

Schokolade macht glücklich.

"Das kann für Schokoladenliebhaber durchaus stimmen", sagt Silke Restemeyer. "Die Hauptbestandteile der Schokolade sind ja Zucker und Fett. Beides aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn des Menschen, Dopamin wird ausgeschüttet und man bekommt gute Laune", erklärt die Expertin weiter. Allerdings gibt es auch andere Lebens- oder Genussmittel, die reichlich Zucker und Fett enthalten und trotzdem nicht die gleichen stimmungsaufhellenden Effekte zeigen wie nach einem Stück Schokolade. Aus diesem Grund wird immer wieder auf die anderen Bestandteile von Schokolade wie Phenethylamin, Theobromin oder Tryptophan verwiesen und diese als Gute-Laune-Macher verantwortlich gemacht. Fakt ist allerdings, dass alle diese psychoaktiven Stoffe in viel zu geringen Dosen in Schokolade auftreten, um wirklich biologisch wirksam zu sein. "Es ist eher die orosensorisch angenehme Wahrnehmung, wenn Schokolade im Mund zerschmilzt und die Erwartungshaltung, die Schokolade als Glücklichmacher dastehen lässt", betont Restemeyer. Auch die Erinnerungen aus der Kindheit scheinen bei der Wirkung von Schokolade eine Rolle zu spielen. Bei echten Schokoliebhabern wird das Belohnungszentrum im Gehirn bereits beim Anblick der süßen Köstlichkeit aktiviert. Bei Menschen, denen Schokolade nicht besonders wichtig ist, funktioniert das jedoch nicht.

Also alles nur Einbildung?

"Eher nicht", sagt Professor Stefan Schuster, von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, in dessen Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Forschern in Norwegen ein Computermodell für die Wirkung der Aminosäure Tryptophan entwickelt wurde. "Wir sind überzeugt, dass es die Mischung verschiedener Stoffe ist, die die Wirkung von Schokolade ausmacht. Das Ganze ist dabei mehr als die Summer seiner Teile", betont der Bioinformatiker. Schon nach ein bis zwei Stücken Schokolade werden im Gehirn richtige Signal-Kaskaden in Gang gesetzt. Bestimmte Hormone bewirken die Freisetzung anderer Hormone und so weiter. Das ist ein äußerst komplexes Geschehen, das mit Hilfe von Computermodellen besser verstanden werden kann. Allerdings stehen die Experten noch am Anfang ihrer Erkenntnisse und die Modelle müssen erweitert und verbessert werden.

Quelle: n-tv.de