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Rund zwei Drittel aller Deutschen färbt zu Ostern Eier.
Rund zwei Drittel aller Deutschen färbt zu Ostern Eier.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 05. April 2015

Hartnäckige Irrtümer rund ums Ei: Wer bringt denn nun die Ostereier?

Von Jana Zeh

Was wäre Ostern ohne Ostereier? Die Symbole der Fruchtbarkeit werden ausgeblasen, bemalt, gekocht und gefärbt, bevor sie zu Ostern versteckt, verschenkt und gesucht werden. Rund ums Ei gibt es jede Menge Geschichten. Welche davon wahr sind, verraten wir Ihnen hier.

Warum färbt und versteckt man Eier zu Ostern?

Der Ursprung des Ostereies ist nicht eindeutig geklärt. Die christliche Tradition, die heute weit verbreitet ist, wurde in Deutschland erstmals im frühen 13. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Das Ei, das schon in vorchristlicher Zeit ein Symbol der Fruchtbarkeit war, steht bei den Christen für die Auferstehung Jesu. Obwohl ein Ei von außen unscheinbar und tot aussieht, trägt es doch potenzielles Leben in sich.

Es ist wahrscheinlich, dass das Osterei auch aus praktischen Gründen populär geworden ist. Da seit dem Mittelalter während der Fastenzeit der Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern von der Kirche verboten war, aber gleichzeitig die Hennen im Frühling mehr Eier als sonst legten, kam es zu einem Eierüberschuss. Um das beliebte Lebensmittel nicht verderben lassen zu müssen, wurden die Eier abgekocht und so länger haltbar gemacht. Der um Ostern fällige Pachtzins wurde in vielen Regionen mit Eiern beglichen. Die übriggebliebenen Eier färbte man traditionell am Karsamstag ein und nahm sie mit zur Kirche, um sie weihen zu lassen. Die geweihten Eier wurden dann als Geschenke verteilt und später auch versteckt. Bis heute hält man an dieser Tradition fest. Besonders Kindern macht das Suchen der bunten Eier am Ostersonntag Freude.

Warum bringt eigentlich der Hase und nicht die Henne die Ostereier?

(Foto: dpa)

Nicht nur Eier, sondern auch Hasen werden als Fruchtbarkeitssymbole benutzt. Schon bei den alten Griechen galt der Hase als Zeichen für Erneuerung. Auch die Germanen sollen ihrer Frühlingsgöttin Ostara oder Eostre einen Hasen als Begleitung an die Seite gestellt haben. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird der Osterhase 1682 vom Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau in seiner medizinischen Abhandlung "Von Oster-Eyern", in der er vor zu üppigem Eierverzehr warnt. Je nach Region brachten auch andere Tiere, wie Fuchs, Kuckuck, Storch oder auch die Kirchturmglocken die Ostereier. Der Hase als Ostereierlieferant konnte sich allerdings erst in den letzten Jahrzehnten durchsetzen. Sein niedliches Aussehen wurde in Schokoladen- und Spielzeugform gebracht und damit wurde er mehr und mehr zum fleißigen, schnellen und quasi unsichtbaren Eierbringer. Es lässt sich vermuten, dass im Fall von Osterei und Osterhase zwei verschiedene Konzepte zusammenkamen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten.

Schmecken frische Eier tatsächlich besser als alte?

Jeder, der schon mal an einem verdorbenem Ei gerochen hat, wird peinlich genau auf die Mindesthaltbarkeit von Eiern achten. Trotzdem ist es ein Trugschluss zu glauben, ein Ei aus dem Nest sei schmackhafter als ein Ei, das ein paar Tage alt ist. Hühnerhalter wissen, dass Eier drei bis acht Tage nach dem Legen reifen sollten. Vorher sind sie nämlich "grieselig". Das bedeutet allerdings nicht, dass frisch gelegte Eier besonders warm oder hell gelagert werden sollten. Eier sind leicht verderblich und sollten deshalb eher kühl als warm, eher dunkel als hell gelagert werden. Ab dem zehnten Tag sollten rohe Eier im Kühlschrank aufbewahrt werden. Eier können bei Zimmertemperatur bis zu drei Wochen und im Kühlschrank bis zu vier Wochen gelagert werden. Abwaschen sollte man Eier vor der Lagerung allerdings nie, denn das Wasser zerstört die natürliche Schutzschicht.

Gibt es zu Ostern eigentlich genug weiße Eier?

Mehr als elf Monate im Jahr bevorzugt die Mehrzahl der Verbraucher in Deutschland braune Eier. Nur um Ostern sind weiße Eier der Renner, weil sie die Farben einfach besser annehmen. Das führt zu logistischen Herausforderungen bei den Produzenten, denn die Eierfarbe ist nicht auf Knopfdruck zu ändern. Mit einigen Tricks sorgen die Produzenten dafür, dass jeder, der weiße Eier bevorzugt, auch weiße Eier bekommt. Die sonst verschmähten weißen Eier, mit denen hauptsächlich Bäckereien, Eierlikör-Hersteller, Großküchen und die Lebensmittelindustrie beliefert werden, werden deshalb in der Osterzeit durch braune ersetzt. Zudem legen die Hühner im Frühling insgesamt mehr Eier als sonst, so stehen in der Osterzeit auch mehr weiße Eier zur Verfügung. Allerdings sollte man nicht bis zum letzten Tag vor Ostern warten, um weiße Eier einzukaufen.

Werden braune Eier industriell wirklich erst weiß und dann bunt gefärbt?

(Foto: dapd)

Tatsächlich gibt es einige Eierfärbereien, die in der Osterzeit aus Mangel an weißen Eiern braune zunächst weiß und dann bunt färben, denn vor allem helle Farben kommen so viel besser zur Geltung. Die Regel ist das jedoch nicht, denn von Rot bis Violett funktionieren die Eierfarben auch auf braunen Eiern gut. Industriell gefärbte Eier gibt es seit einigen Jahren nicht nur zu Ostern, sondern das ganze Jahr über. Die Eier werden erst gekocht, dann gefärbt und danach mit einem speziellen Lack überzogen. Der lässt die Farben glänzen und schließt die Poren in der Schale der Eier. Solche Eier sind dann mindestens 28 Tage haltbar.

Legen braune Hühner tatsächlich auch braune Eier?

Bis heute ist diese Weisheit weit verbreitet. Sie stimmt allerdings nicht. Die Farbe der  Eierschale hängt nicht mit der Farbe von Hühnerfedern, sondern mit der Rasse der Tiere und dementsprechend ihren Genen zusammen. Braune Eier entstehen durch den roten Blut- und einem gelben Gallenfarbstoff. Beide Stoffe scheidet der Organismus der Tiere in speziellen Schalendrüsen aus. Rot und Gelb vermischen sich und es entsteht Braun, das sich schließlich auf der Kalkschale der Eier ablagert. Dennoch kann man am Aussehen eines Huhnes erkennen, welche Farbe die Eier des Tieres haben. Die Färbung der Ohrscheibe, das sind die Ohrläppchen beim Huhn, gibt Auskunft über die Farbe der Eierschale. Ist die Ohrscheibe weiß, legt das Huhn weiße Eier. Ist die Ohrscheibe rot gefärbt, legt das Huhn braune Eier. Diese Faustregel gilt jedoch nur für reinrassige Hühner.

Schmecken braune Eier besser und sind sie gesünder als weiße?

Tatsächlich gibt es heute ganz wenig weiße Eier in Bio-Qualität, da sich viele Rassen der sogenannten Braunleger im Bio-Bereich bewährt haben. Die Weißleger dagegen waren vorwiegend in Käfighaltung zu finden. Das hat beim Verbraucher schnell dazu geführt, dass braune Eier mit positiven und weiße Eier mit negativen Eigenschaften besetzt wurden. Diese Meinung ist zwar weit verbreitet, allerdings gehört sie in das Reich der Mythen. Die Farbe der Eierschale eines Eies hat keinen Einfluss auf dessen Geschmack, Nährstoffe oder Vitamine. Dagegen wirken sich Haltung, Futterqualität und -zusammensetzung direkt auf die Qualität der Eier aus. So kann beispielsweise die Farbe der Dotter direkt über Zusätze im Futter beeinflusst werden. Paprikapulver machen Dotter dunkelorange, Tagetes-Samen orange und Mais tiefgelb. Ob es tatsächlich geschmackliche Unterschiede zwischen Eiern von glücklichen Hühnern vom Bauernhof oder von Hühnern in Massentierhaltung gibt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Muss man Ostereier wirklich nicht abschrecken?

Richtig! Nach dem Kochen der Eier, die man färben will, soll man diese auf keinen Fall abschrecken. Durch das Überspülen mit kaltem Wasser könnten nämlich Bakterien durch die Schale in das innere des Ei eindringen - und schälbarer werden die meist hartgekochten Eier durch das Abschrecken auch nicht. Das hängt eher mit dem Alter der Eier zusammen. Abschrecken dient lediglich der Unterbrechung des Kochvorgangs, wenn man das perfekte wachsweiche Früchstücksei bevorzugt.

Kann man durchs Eierausblasen und -bemalen wirklich krank werden?

Zwei Drittel aller Deutschen bemalen oder färben jedes Jahr Ostereier. Viele blasen ihre Eier aus, bevor sie sie bemalen oder anders kreativ gestalten, um sie dann an Zweige zu hängen. Das Eierausblasen ist nicht nur ziemlich schwer, sondern birgt auch eine echte Gesundheitsgefahr, denn auf der Schale der Eier können sich Salmonellen und andere Keime befinden, die zu Infektionen mit unangenehmen Folgen führen können. Damit das Osterfest gesund begangen werden kann, ist es ratsam, die Eier vor dem Ausblasen mit warmem Seifenwasser abzuwaschen.

Vor allem Kinder sollten nicht direkt mit dem Mund die Eier ausblasen, sondern einen Strohhalm, eine Einwegspritze mit Kanüle oder einen speziellen Blasebalg benutzen. Wenn die Eier ausgeblasen sind, müssen diese und die Hände mit warmem Seifenwasser gründlich gereinigt werden. Zwischendurch sollte man dringend darauf achten, dass man die Hände nicht ins Gesicht nimmt. Der Inhalt der Eier lässt sich hervorragend zu Rührei oder Omelette verarbeiten, aber auch als Zutat für den Kuchen verwenden, denn durch das Erhitzen werden die Keime abgetötet.

Ist wirklich im Eigelb mehr Eiweiß enthalten als im Eiklar?

(Foto: picture alliance / dpa)

Eier sind beliebt. In Deutschland werden pro Kopf mehr als 200 Stück jährlich vertilgt. Eier bestehen zu 74 Prozent aus Wasser. Trotzdem sind sie wertvolle Nährstoffträger. Ein Ei besteht durchschnittlich aus 13 Prozent Eiweiß, 12 Prozent Fett und nur einem Prozent Kohlenhydraten. Zudem sind Mineralstoffe wie Phosphor, Kalium, Calcium und Eisen enthalten. Auch die Vitamine A und B sind im Ei zu finden. Die meisten Nähr- und Mineralstoffe sowie Vitamine befinden sich im Eigelb und auch der Gehalt an Eiweiß ist im Eigelb (16 Gramm je 100 Gramm) größer als im Eiklar (11 Gramm je 100 Gramm), das umgangssprachlich auch als Eiweiß bezeichnet wird.

Kann man ein gekochtes Ei von einem rohen unterscheiden, ohne die Schale zu beschädigen?

Das geht mit einem relativ einfachen Test, bei dem das Ei auf die Seite gelegt und gedreht wird. Ein zweites rohes Ei wird mit gleicher Kraft auf gleicher Unterlage auf gleiche Weise gedreht. Die Drehgeschwindigkeit von gekochten Eiern ist wesentlich höher als die von rohen Eiern. Zudem dreht sich ein gekochtes Ei wesentlich länger und gleichmäßiger als ein rohes. Das rohe Ei dreht sich nicht öfter als zwei Mal um die eigene Achse und ist ganz ungleichmäßig. Grund dafür sind das flüssige Innenleben in zwei verschiedenen Konsistenzen und die Fliehkräfte, die zum buchstäblichen Eiern führen.

Stimmt es, dass Hühner gar nicht das ganze Jahr über Eier legen?

Eier können wir das ganze Jahr über im Handel kaufen. Aus diesem Grund ist es eher undenkbar, dass Hühner eine Legepause machen. Wenn man allerdings bedenkt, dass Hennen ihre Eier legen, um für Nachwuchs zu sorgen und nicht, um die Eier an den Menschen weiterzugeben, dann wird eine Legepause denkbar.

Konkret machen Hühner, die in beheizten und beleuchteten Ställen gehalten werden, keine Legepause. Die meisten von ihnen werden aber auch gar nicht älter als ein Jahr, da dann die Legeleistung nachlässt. In natürlicher Umgebung allerdings ist das anders. Die Hühner leben im Rhythmus mit den Jahreszeiten. Werden die Tage kürzer, dann sinken die Temperaturen und das Futterangebot. Der Rückgang von Licht, Nahrung und Wärme führt zu einer hormonellen Veränderung bei den Tieren. Diese löst im Herbst die sogenannte Mauser aus. Alte Federn werden abgeworfen, damit neue entstehen können. In dieser Zeit legen die Hennen nur wenige oder gar keine Eier mehr. Die widrigen Bedingungen würden es einfach nicht zulassen, Nachwuchs aufzuziehen.

Quelle: n-tv.de

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