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Das Higgs-Teilchen zerfällt im Bruchteil einer Sekunde.
Das Higgs-Teilchen zerfällt im Bruchteil einer Sekunde.(Foto: dapd)

Stephen Hawking verliert Wette: Ist es wirklich das Higgs-Boson?

Jahrzehntelang suchen Physiker nach dem Higgs-Teilchen, das als letzter unbekannter Baustein der Materie gilt. Nun haben sie passende Daten dazu gewonnen. Ganz sicher ist aber noch nicht, ob es sich wirklich um das sogenannte Gottesteilchen handelt.

Europäische Physiker haben höchstwahrscheinlich das jahrzehntelang gesuchte Higgs-Teilchen gefunden. Dies gilt als letzter unbekannter Baustein der Materie und soll erklären, warum sie überhaupt eine Masse hat. Die Daten zeigten mit sehr hoher Signifikanz ein Teilchen bei 125 GeV (Giga-Elektronenvolt), berichteten Physiker am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf. Es sei mehr Forschung nötig, um die Eigenschaften des Teilchens zu ermitteln, sagten die vortragenden Forscher unisono.

Stephen Hawking hatte nicht damit gerechnet, dass sich das Higgs-Boson nachweisen lässt.
Stephen Hawking hatte nicht damit gerechnet, dass sich das Higgs-Boson nachweisen lässt.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der Bekanntgabe der Ergebnisse verlor Stephen Hawking eine Wette. Der britische Astrophysiker hatte um einhundert Dollar gewettet, dass das Teilchen nie entdeckt werde, sagte er der BBC. Das Finden der Higgs-Teilchen ist auch für Hawking eine Sensation, die er nicht erwartet hatte: "..., weil die großen Fortschritte in der Physik immer von Experimenten kommen, die unerwartete  Ergebnisse hervorgebracht haben. Deshalb habe ich mit Gordon Kane  von der Universität Michigan gewettet, dass das Higgs-Teilchen nie entdeckt wird. Es scheint so, als habe ich gerade hundert Dollar  verloren", scherzte Hawking, der seit Jahrzehnten unter einer Erkrankung  des motorischen Nervensystems leidet. Der bekannte Wissenschaftler sprach sich dafür aus, dass der Namensgeber des Teilchens, Peter Higgs, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Vorsicht ist geboten

Doch die Physiker bleiben vorsichtig: "Jetzt müssen wir herausfinden, ob es sich bei dem neuen Teilchen tatsächlich um den noch fehlenden Baustein des Standardmodells handelt", sagte Achim Stahl von der RWTH Aachen. Er ist deutscher Sprecher des CMS-Experiments am Cern. "Es könnte auch ein Higgs-Teilchen sein, das nicht ins Standardmodell passt, oder etwas gänzlich Unerwartetes. Alles wären große Entdeckungen, nicht nur für die Teilchenphysik."

Vor 50 Jahren sei das Higgs-Teilchen nicht als sehr bedeutend erschienen, "aber nun wurde es zum letzten fehlenden Puzzle-Teil des Standardmodells", sagte Tom Kibble, Emeritus der Imperial University, der das Teilchen damals mitpostulierte. "Seine Entdeckung wird ein Kapitel beenden, aber nicht die ganze Geschichte." Nicht ein zitierter Physiker sprach von einem Gottesteilchen, es bleibt noch viel zu forschen. Die mit dem Higgs-Teilchen erklärbare Materie macht nur 4 Prozent des Universums aus, daneben gibt es die mysteriöse Dunkle Materie (23 Prozent) und die postulierte Dunkle Energie (73 Prozent).

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Quelle: n-tv.de

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