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Schon Vierjährige wollen dazugehören.
Schon Vierjährige wollen dazugehören.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Donnerstag, 27. Oktober 2011

Gruppendruck im Kindergarten: Kleine Kinder passen sich an

Schon Kinder im Alter von vier Jahren passen sich an die Meinung der Mehrheit ihrer Kindergartengruppe an. Forscher, die die Meinungsäußerung von Vierjährigen aus verschiedenen Kindergärten untersuchen, nehmen an, dass es dabei vor allem um Akzeptanz in der Gruppe geht.

Schon Vierjährige passen ihre Meinungsäußerung im Kreis von Gleichaltrigen wider besseres Wissen an die Mehrheit an. Wie Wissenschaftler der Max-Planck-Institute (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen herausfanden, unterstützen auch Kinder mitunter öffentlich selbst dann eine Mehrheitsmeinung, wenn sie diese eigentlich für falsch halten. Die Ursache dafür vermuten die Forscher in grundlegenden sozialen Erwägungen, etwa zur eigenen Akzeptanz in der Gruppe. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Child Development" veröffentlicht.

Bei ihrem Versuch mit 96 Vierjährigen aus 24 Kindergartengruppen teilten die Wissenschaftler Bilderbücher aus, von denen ein Viertel eine abweichende Abbildung enthielt. Anschließend konfrontierten sie die Kinder, die das abgeänderte Buch betrachtet hatten, bei einer Kleingruppenbefragung mit den Einschätzungen von je drei Altersgenossen, die das reguläre Buch mit dem regulären Bild gesehen hatten. Laut MPI war das Ergebnis eindeutig: 18 von 24 Betroffenen schlossen sich der Mehrheitsauffassung über das Motiv an, obwohl deren Aussagen aus ihrer Sicht eigentlich völlig falsch sein musste.

Streben nach Anpassung

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sobald die Kinder in einem zweiten Schritt allerdings gebeten wurden, im Anschluss an die Gruppenrunde nur für den erwachsenen Studienleiter sichtbar stumm auf das ihrer Meinung nach richtige Bild zu zeigen, rangen sich viele Teilnehmer doch zum Festhalten an ihrer eigenen Beobachtung durch. Nur 8 von 18 Vierjährigen hielten dann weiterhin an der Mehrheitsmeinung fest.

Dass die Kinder sich an Mehrheitsmeinungen orientieren, die im Gegensatz zur eigenen Erfahrung stehen, ist nach Ansicht der Forscher durch das Streben nach Anpassung begründet. "Bereits vierjährige Kinder unterliegen einem gewissen Gruppenzwang und beugen sich diesem zum Teil aus sozialen Beweggründen", erklärte Daniel Haun, einer der beteiligten MPI-Forscher. Den Studienverfassern zufolge könnte die Bereitschaft zum Anpassen entwicklungspsychologisch auch eine wichtige Rolle bei der Übernahme kulturspezifischer Verhaltensweisen durch Kinder spielen.

Quelle: n-tv.de

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