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Die Karte zeigt die im vergangenen Jahr gemessenen Temperatur-Anomalien. Gegenüber dem Durchschnittswert im 20. Jahrhundert hat die globale Temperatur 2014 um 0,68 Grad Celsius zugelegt.
Die Karte zeigt die im vergangenen Jahr gemessenen Temperatur-Anomalien. Gegenüber dem Durchschnittswert im 20. Jahrhundert hat die globale Temperatur 2014 um 0,68 Grad Celsius zugelegt.(Foto: NASA's Goddard Space Flight Center)

"Die Erwärmung kommt" : Klimamodelle entsprechen der Wirklichkeit

Seit etwa 15 Jahren legt die Erderwärmung eine Pause ein; das zumindest legen Aufzeichnungen nahe. Was es damit auf sich hat, ist Gegenstand zahlreicher Studien. Eine davon sagt nun: Das dicke Ende ist unausweichlich - wenn die Welt nicht endlich tätig wird.

Gibt es sie oder ist sie eine Illusion? "Die Erwärmungspause kann man zu den Akten legen. Sie hat so nie existiert", sagte Hans Joachim Schellnhuber am Montag vor Journalisten in Berlin. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hatte dabei die globale Temperatur im Jahr 2014 im Blick - dem wärmsten Jahr seit 1880. Über die angebliche Erderwärmungspause wird viel diskutiert. In den vergangenen 15 Jahren scheint sich die Erdoberfläche nicht so stark erwärmt zu haben, wie es Modelle des Weltklimarats IPCC vorhergesagt hatten. Die Temperatur der bodennahen Luft ist im weltweiten Mittel nicht nennenswert gestiegen - sagen Aufzeichnungen.

Doch im November 2013 kamen Kevin Cowtan und Robert Way von den Universitäten in York und Ottawa zu dem Schluss, dass die Erwärmungspause nie stattgefunden hat. Datenlücken und Schätzwerte, so ihr Ergebnis, waren schuld an den Abweichungen von den Prognosen der Klimamodelle. Die beiden Wissenschaftler fanden eine Methode, um die Datenlöcher mit Satellitenmessungen zu füllen. Dabei stellte sich heraus: Die Erderwärmung schreitet voran, und das tat sie auch in den vergangenen 15 Jahren - in einem Maß, das dem vom IPCC genannten Langzeittrend entspricht.

"Erwärmung erreicht gravierende Ausmaße"

Die Formeln und Rechenmethoden, auf denen die Studie von Cowtan und Way basiert, überzeugten nicht jeden. Doch dass der Klimawandel in den IPCC-Modellen keineswegs überschätzt wurde, zeigen nun auch Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Piers Forster von der englischen Universität Leeds. Etwaige Diskrepanzen zwischen Modell und Wirklichkeit erklären sie mit zufälligen Klimaschwankungen. In einer statistischen Analyse kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass simulierte Trends und tatsächliche Beobachtungen im Großen und Ganzen übereinstimmen.

"Die Erderwärmung wird am Ende dieses Jahrhunderts also höchstwahrscheinlich gravierende Ausmaße erreicht haben - wenn die Weltgemeinschaft nicht endlich beherzt dagegen vorgeht", lautet das Resümee zu der im britischen Fachblatt "Nature" veröffentlichten Studie. Die Behauptung, Klimamodelle würden die Erwärmung durch zunehmende Treibhausgase systematisch überschätzen, sei falsch, betont Marotzke. Es gebe keine systematischen Fehler.

Chaos und Zufall erschweren die Arbeit

Die Forscher verglichen in ihrer Arbeit 114 Simulationen mit der Wirklichkeit. Die zentrale Frage war, ob die Simulationen zu empfindlich sind, gewisse Faktoren zu stark gewichten und darum zu starke Erwärmungen vorhersagen. Wäre dies der Fall, müssten die empfindlichsten Modelle die stärkste Erwärmung vorhersagen, erklärt Marotzke. Davon könne aber keine Rede sein. Vor allem reagierten sie nicht prinzipiell zu empfindlich auf eine Erhöhung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre. Vielmehr seien es Chaos und Zufall im Wettergeschehen, die den Klimaforschern die Arbeit erschwerten.

Doch warum kommen die Simulationen zu unterschiedlichen Ergebnissen? Neben dem Zufall kommen Marotzke und Forster zufolge drei physikalische Größen infrage: Da ist zunächst einmal die Menge an Strahlungsenergie, die auf der Erde zurückgehalten wird, zum Beispiel durch höhere CO2-Konzentrationen. Die Modelle gehen hier von unterschiedlichen Intensitäten aus. Außerdem reagierten sie unterschiedlich empfindlich auf solche Veränderungen der Strahlungsenergie. Und drittens haben die Modelle verschiedene Annahmen, wie viel Temperatur die Ozeane - zumindest vorübergehend - speichern.

Fazit: Keiner der physikalischen Gründe erklärt die Streuung der Prognosen und die Abweichung von den Messungen, der Zufall dagegen sehr wohl. "Langfristig können wir uns auf die Klimamodelle verlassen", sagt Marotzke. "Und diese sagen, dass die Erwärmung auf uns zukommt."

Quelle: n-tv.de

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