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Ein geräumter und für eine Palmöl-Plantage vorbereiteter Landstrich bei Rokan Hulu (Indonesien).
Ein geräumter und für eine Palmöl-Plantage vorbereiteter Landstrich bei Rokan Hulu (Indonesien).(Foto: dpa)
Dienstag, 01. August 2017

Ressourcen für 2017 verbraucht: Menschheit lebt ab jetzt auf Pump

"Earth Overshoot Day": Die Menschheit hat ihre für dieses Jahr verfügbaren Ressourcen bereits verbraucht. Der Welterschöpfungstag rückt stetig weiter nach vorn und ist sechs Tage eher erreicht als im Vorjahr. Deutschland für sich genommen war schon im April so weit.

Ab dem 2. August hat die Menschheit alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Das teilte die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) in Berlin mit. Damit ist der "Welterschöpfungstag" (Englisch: Earth Overshoot Day) um sechs Tage nach vorn gerutscht, denn 2016 reichten die Ressourcen noch bis zum 8. August; im Jahr 2015 war dieser Tag "erst" am 13. August erreicht. Für den Rest des Jahres lebt die Menschheit somit von den stillen Reserven der Erde.

Deutschland allein hatte seine Natur-Ressourcen rechnerisch sogar schon am 24. April aufgebraucht. Dass der Überlastungstag weltweit erst Monate später erreicht wird, liegt am niedrigeren Verbrauch der Entwicklungs- und Schwellenländer; das drückt den Durchschnittswert.

Mehrere Planeten nötig

Erdüberlastungs- oder Welterschöpfungstag

Grundlage für die Berechnungen ist der ökologische Fußabdruck. Darin spiegelt sich wider, wie stark der Mensch das Ökosystem beansprucht, um etwa Energie, Nahrung und Holz zu gewinnen. Die Analysen des "Global Footprint Networks" messen den Verbrauch an natürlichen Ressourcen und die Ressourcenkapazität von Nationen über Jahre hinweg. Anhand der Daten - etwa 15.000 Datenpunkte pro Jahr und Land - wird seit 1961 bereits der "Fußabdruck" von mittlerweile mehr als 200 Nationen ermittelt.

Er wird berechnet, indem gegenübergestellt wird, was genau verbraucht und wie viel CO2 von einer Nation ausgestoßen wird. Verbrauch und Ausstoß erfordern produktive Bereiche wie etwa Ackerland für Nahrung und etwa Waldflächen, um CO2 aufzunehmen und wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Diese Werte werden in "globale Hektar" übertragen. Die Summe an Fläche, die benötigt wird, um dem Ressourcenverbrauch und dem CO2-Ausstoß zu entsprechen, ergibt den ökologischen Fußabdruck.

Die Berechnungen der Forschungsorganisation Global Footprint Network zum "Overshoot Day" gehen auf das Konzept des "Ökologischen Fußabdrucks" zurück, der ausweist, wie viel Fläche benötigt wird, um alle Ressourcenbedürfnisse inklusive der Energieversorgung zu gewährleisten. Lebte die Menschheit unverändert weiter wie bisher, benötigen wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Bis zum Jahr 2050 wären es knapp drei. 1961 benötigte die Menschheit hingegen nur zwei Drittel der weltweit zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Allein die CO2-Emissionen haben sich seit 1970 mehr als verdoppelt. Auch der Rückgang der Artenvielfalt ist deutlich. So zeigt der "Living Planet Index" für die vergangenen vier Jahrzehnte einen Rückgang der biologischen Vielfalt um 52 Prozent. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische damit halbiert.

"Wir können den Trend umkehren"

Laut Global Footprint Network fällt der Tag diesmal auf das früheste Datum seit Beginn der Überlastung der Erde in den 1970er-Jahren. Aber es sei noch nicht zu spät: "Wir können den Trend umkehren", meint das Netzwerk.

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Für WWF-Vorstand Eberhard Brandes ist das "die größte Herausforderung unserer Zeit." Denn, so führt er aus: "Seit über 30 Jahren nehmen wir der Erde mehr weg, als sie uns bereitstellen kann. Diese dauerhafte Übernutzung hat unseren Planeten auf die Intensivstation gebracht. Die Ökosysteme, die uns mit Wasser, Nahrung oder Energie versorgen, kollabieren. Wir müssen endlich einen Weg finden, in den natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leben und zu wirtschaften."

Kritik an Autoindustrie

Besonders kritisiert Brandes in diesem Zusammenhang die aktuell in die Schlagzeilen geratene deutsche Autoindustrie - diese arbeite "nicht konsequent auf eine nachhaltige Mobilität hin. Zusätzlich stellt sie mit Absprachen und Softwaremanipulationen den kurzfristigen Profit über die Gesundheit von Mensch und Natur. Sie setzt damit nicht nur Deutschlands Zukunft als Automobilstandort aufs Spiel, sondern gefährdet auch die Gesundheit der Erde und ihrer Bewohner."

Die Auswirkungen des Raubbaus sind laut WWF bereits spürbar: Dürre und extreme Wetterereignisse, Hungersnöte oder Artensterben nehmen immer dramatischere Ausmaße an. Ganze Ökosystem wie Korallenriffe, Regenwälder oder Flusssysteme drohen zu verschwinden. Insgesamt sind vier von neun ökologischen Belastungsgrenzen, die die Stabilität der planetaren Lebensräume definieren, überschritten: beim Klimawandel, dem Verlust der Biodiversität, der Landnutzung sowie den biogeochemischen Kreisläufen von Stickstoff und Phosphor.

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Quelle: n-tv.de

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