Wissen
Nach über 500 Bluttests gelang der Wissenschaft ein Durchbruch in der Alzheimer-Forschung.
Nach über 500 Bluttests gelang der Wissenschaft ein Durchbruch in der Alzheimer-Forschung.

Frühzeitige Behandlung möglich: Neuer Bluttest sagt Alzheimer voraus

Alzheimer ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Obwohl sie immer noch unheilbar ist, verbreiten Forscher Hoffnung: Dank eines neuartigen Bluttests lässt sich die Erkrankung vorhersagen. Eine angemessene Therapie kann somit rechtzeitig begonnen werden.

Mit einem neuen Bluttest wollen US-Forscher eine künftige Alzheimer-Erkrankung vorhersagen. Der Prototyp des Tests sage zu 90 Prozent korrekt voraus, ob ein Mensch in den kommenden drei Jahren Alzheimer oder eine sogenannte leichte kognitive Störung entwickeln werde, heißt es in einer im Fachmagazin "Nature Medicine" veröffentlichten Studie. Bei dem Test wird im Blut nach zehn bestimmten Lipid-Strukturen gesucht, die als Biomarker für eine künftige Entwicklung der beiden Krankheitsbilder identifiziert wurden.

Mit Hilfe des Tests könnten Betroffene, ihre Familien und Ärzte schon frühzeitig überlegen, mit welcher Therapie der Krankheitsverlauf beeinflusst werden könne, erklärten die Autoren der Studie. Die Demenz-Erkrankung Alzheimer, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben, ist unheilbar. Bislang gibt es lediglich Medikamente, die ein Voranschreiten der Krankheit bremsen sollen.

Der Bluttest könne die Entwicklung neuer Medikamente ermöglichen, erklärte Studien-Ko-Autor Howard Federoff vom Georgetown University Medical Center in Washington. Bislang seien Medikamente lediglich an Patienten getestet worden, bei denen Alzheimer bereits zu sehr vorangeschritten sei. "Das vorklinische Stadium der Krankheit stellt ein Zeitfenster für ein frühzeitiges krankheitsänderndes Eingreifen dar." Noch seien aber umfassende klinische Versuche notwendig, um den Bluttest auf den Markt bringen zu können.

Geheimnis liegt in zehn Blutfetten

Zur Entwicklung ihres Tests nahmen die Forscher um Federoff zunächst von 525 gesunden, mindestens 70 Jahre alten Freiwilligen Blutproben. Drei Jahre später untersuchten sie 53 der Probanden, die in der Zwischenzeit Alzheimer oder eine leichte kognitive Störung entwickelt hatten. Die leichte kognitive Störung ist eine bei älteren Menschen häufig auftretende Beeinträchtigung von Gedächtnis und Denkvermögen.

Der Vergleich des Blutes der Patienten mit dem von gesunden Menschen brachte die Forscher auf die zehn Lipide, die sie als klares Anzeichen für eine künftige Erkrankung ausmachten. Bei den Fettstrukturen handelt es sich vermutlich um Stoffwechselprodukte, die beim Abbau der Membran von Gehirnzellen entstehen.

Weltweit sind Schätzungen zufolge rund 35 Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt. Laut der Weltgesundheitsorganisation dürfte die Zahl der Patienten in den kommenden Jahrzehnten dramatisch ansteigen - auf rund 115 Millionen im Jahr 2050.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen