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Sport soll auch Krebs vorbeugende Wirkungen haben.
Sport soll auch Krebs vorbeugende Wirkungen haben.(Foto: picture alliance / dpa)

Bewegung in die Therapie einbeziehen: Sport wirkt gegen Krebszellen

Wer schwer krank ist, sollte sich schonen. Dieser Grundsatz scheint nun nicht für Krebspatienten zu gelten, denn Bewegung kann den Tumorwachstum bremsen und Immunzellen stärken. Zumindest bei Mäusen.

Bewegung kann bei einer Krebserkrankung helfen – das bestätigt eine neue Studie an Mäusen eindrücklich. Liefen die Tiere regelmäßig im Hamsterrad, schrumpften ihre Tumore verglichen mit denen untätiger Artgenossen um etwa die Hälfte, berichten dänische Forscher im Fachmagazin "Cell Metabolism". Das bei intensiver Bewegung freigesetzte Adrenalin mobilisiert demnach krebsbekämpfende Immunzellen und lässt sie über den Blutstrom an jene Stelle im Körper gelangen, an der der Tumor wächst. Deutsche Forscher gehen davon aus, dass es vergleichbare Effekte auch beim Menschen gibt.

"Dieses Ergebnis bringt das Feld ein ganzes Stück voran", sagt Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln als Einschätzung. Die einzelnen Puzzlesteine gebe es schon länger, nun aber seien sie ein Stück weit zusammengesetzt. Ein direkter Bezug zwischen Sport und Antitumorwirkung werde gezeigt. "Das ist eine spannende Studie", sagt auch Adelheid Cerwenka vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Das Ergebnis sei wahrscheinlich auf den Menschen übertragbar. Darauf wiesen bisherige Erkenntnisse in dem Bereich hin.

Regelmäßiger Sport, weniger Neuerkrankungen

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gehört Sporttherapie für krebskranke Kinder dazu.
An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gehört Sporttherapie für krebskranke Kinder dazu.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Tumor entsteht, wenn sich – etwa wegen angehäufter Erbgutschäden – Zellen unkontrolliert zu vermehren beginnen und umliegendes Gewebe verdrängen. Dass regelmäßiger Sport das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen vermindern und die Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr eines Tumors reduzieren kann, haben bereits mehrere Analysen gezeigt. Auch während einer Krebserkrankung kann sich Bewegung positiv auswirken. Veränderungen von körperlicher Verfassung, Hormonausschüttung, Entzündungsprozessen und Immunsystem werden als Vermittler dieses Effekts vermutet.

"Dass es Zusammenhänge gibt, ist bekannt, die mechanistischen Prozesse dahinter aber sind meist noch nicht gut verstanden", erklärt DKFZ-Forscherin Cerwenka. Das Team um Line Pedersen und Pernille Hojman von der Universität Kopenhagen untersuchte die zugrundeliegenden Abläufe nun bei Mäusen verschiedener Tumorlinien. Unter anderem ließen sie Mäuse mit Haut-, Lungen- und Leberkrebs im Hamsterrad laufen und verglichen ihr Tumorwachstum mit dem untrainierter Artgenossen. Im Mittel legten die Tiere gut vier Kilometer täglich in dem Rad zurück. Auf ihr Gewicht habe dies überwiegend kaum Einfluss gehabt, erklären die Forscher.

Bewegung setzt Gene in Gang

Doch Analysen zeigten, dass bei den trainierten Mäusen bestimmte Gene aktiver waren, die für das Immunsystem und Entzündungsprozesse bedeutsam sind. Im nächsten Schritt prüften die Forscher, wie stark der jeweilige Tumor von Immunzellen durchsetzt war. Bei den Tieren, die über Wochen das Hamsterrad genutzt hatten, hatten deutlich mehr natürliche Killerzellen – kurz NK-Zellen genannt – den Tumor infiltriert.

Diese im Knochenmark entstehende Gruppe weißer Blutkörperchen gehört zum angeborenen Immunsystem. Ihre Aufgabe ist es, Tumor- und Virus-infizierte Zellen zu erkennen und abzutöten. Die NK-Zellen liefern eine Art ersten Zündfunken: Sie setzen Signalstoffe frei, über die weitere Zelltypen des Immunsystems aktiviert werden.

Adrenalin spielt eine Rolle

Indem die Forscher Mäusen Adrenalin spritzten, erzielten sie einen ähnlichen Effekt auf die Menge natürlicher Killerzellen in den Tumoren wie bei regelmäßiger Bewegung. Keine Minderung des Tumorwachstums trotz Bewegung gab es dagegen, wenn die Funktion des Adrenalins blockiert wurde. An Mäusen ohne NK-Zellen zeigten die Wissenschaftler, dass mit der gezielten Zugabe solcher Zellen ein Tumor bei diesen Tieren schrumpfte. Geprüft wurde auch, ob Mäusen ohne NK-Zellen Bewegung nutzt – was nicht der Fall war.

Zusammengenommen belegten die Daten eine führende Rolle natürlicher Killerzellen bei der bewegungsabhängigen Regulation des Tumorwachstums, schreiben die Forscher. "Es war bekannt, dass das Eindringen von NK-Zellen die Größe von Tumoren kontrollieren und regulieren kann, aber niemand hat bisher geprüft, wie Bewegung dieses System beeinflusst", wird Hojman in einer Mitteilung des Magazins "Cell Metabolism" zitiert.

Krebspatienten stellten häufig die Frage, ob und wie umfassend sie Sport machen dürften, erklärt Studienautorin Hojman. Das neue Ergebnis weise darauf hin, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, sich intensiv zu bewegen. Bisher sei allerdings unklar, ob sich die bei Mäusen gefundenen Ergebnisse tatsächlich auf den Menschen übertragen lassen. Zudem fehlten Analysen zum Einfluss von Bewegung auf die Bildung von Metastasen und das langfristige Überleben bei Krebs.

Quelle: n-tv.de

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