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Bekanntester Anwendungsbereich von Teflon: Antihaft-Beschichtungen für Pfannen und Töpfe.
Bekanntester Anwendungsbereich von Teflon: Antihaft-Beschichtungen für Pfannen und Töpfe.

Ein milliardenschwerer Markt: Teflon revolutionierte mehr als Pfannen

Leicht, hitzebeständig, reaktionsträge: Teflon scheint wie geschaffen für die Raumfahrt. Entwickelt wurde es aber in ganz anderem Zusammenhang, lange vor dem ersten Satellitenstart. Seit 75 Jahren gibt es das wundersame Material. Es hat einiges auf der Pfanne.

Eigentlich wollte Roy Plunkett einen besseren Kühlschrank erfinden. Der junge US-amerikanische Chemiker experimentierte mit dem Gas Tetrafluorethylen, setzte einen Kanister damit unter Druck und fror ihn ein. Am nächsten Morgen wollte er weiterforschen, doch das Gas war weg. Anstelle dessen befand sich in dem Kanister nach einer chemischen Reaktion plötzlich ein weißliches Pulver: Polytetrafluorethylen, kurz PTFE, inzwischen besser bekannt unter dem Handelsnamen Teflon. Darunter vertreibt Plunketts früherer Arbeitgeber, die Chemiefirma DuPont, das Material noch heute, inzwischen mit der ausgelagerten Firma Chemours.

Roy Plunkett hatte ursprünglich anderes vor, als Teflon zu erfinden. Heute ist der Markt für den Kunststoff milliardenschwer.
Roy Plunkett hatte ursprünglich anderes vor, als Teflon zu erfinden. Heute ist der Markt für den Kunststoff milliardenschwer.(Foto: AP)

Vor genau 75 Jahren, am 4. Februar 1941, erhielt Plunkett das Patent mit der Nummer "US2230654 A" auf den Kunststoff, der weit mehr als nur Bratpfannen revolutionieren sollte. Um solche ging es nach der Entdeckung zunächst überhaupt nicht. Der neue Kunststoff hatte viele ungewöhnliche Eigenschaften: Er ist nicht brennbar, und - wie Chemiker sagen - sehr reaktionsträge, äußerst beständig und mit einem sehr geringen Reibungskoeffizienten. Das bedeutet: An ihm perlt alles ab. Die Forscher wussten nicht so richtig, was sie mit diesem merkwürdigen Kunststoff machen sollten, außerdem war seine Herstellung anfangs sehr teuer.

Einsatz rund um die erste Atombombe

Eine erste Anfrage kam dann von ganz oben. Der Zweite Weltkrieg tobte in Europa und die USA entwickelten unter höchster Geheimhaltungsstufe in der tiefsten Wüste des Bundesstaates New Mexiko die Atombombe. Die dafür benötigten Uran-Materialien sind extrem aggressiv und bei ihrer Suche nach schützenden Hüllen stießen die Wissenschaftler auf das neue Teflon.

In den 1950er-Jahren beschichtete der französische Ingenieur Marc Grégoire dann der Legende nach seine Angelschnur mit Teflon, um sie besser entwirren zu können. Seine Frau hatte noch eine bessere Idee: Sie fand teflonbeschichtete Töpfe und Pfannen sinnvoll. Die beiden bekamen das entsprechende Patent und sorgten dafür, dass die Küche bis heute der bekannteste Anwendungsplatz von Teflon ist.

Nicht leer erhitzen!

"Kein Anbacken, leichtes Säubern, fettarme Zubereitung", listet das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) die Vorteile von Teflon auf. "Allerdings kann die Beschichtung leicht zerkratzen. Speisen in beschichteten Pfannen und Kochtöpfen sollten deshalb nur mit Holz- oder Plastiklöffeln oder -hebern bewegt werden." Es sei jedoch gesundheitlich unbedenklich, wenn sich von einer zerkratzten Beschichtung kleinste Teilchen lösen und verschluckt werden.

Kratzer in der Pfanne sind gesundheitlich unbedenklich, sagt das BfR. Wichtig ist, dass die Pfanne nicht überhitzt wird.
Kratzer in der Pfanne sind gesundheitlich unbedenklich, sagt das BfR. Wichtig ist, dass die Pfanne nicht überhitzt wird.(Foto: picture alliance / dpa)

Wichtig aber ist, dass beschichtete Pfannen und Töpfe nie länger als drei Minuten leer erhitzt werden. "Sonst können auf dem heißen Herd Temperaturen um 360 Grad Celsius erreicht werden, bei denen PTFE beginnt, sich zu zersetzen und ohne Rauchentwicklung giftige Substanzen freizusetzen", heißt es beim BfR. Besondere Vorsicht sei bei Induktionsherden geboten. Konkret geht es um schädliche Fluor-Verbindungen, die beim Menschen das Polymerfieber auslösen können. Dann kommt es zu grippeähnlichen Symptomen und einer Reizung der Atemwege mit Atembeschwerden. In schweren Fällen kann ein Lungenödem entstehen.

Auch Merkel kann Teflon sein

Teflon ist in erster Linie als Antihaft-Beschichtung auf Kochutensil bekannt. Es steckt aber ebenso in Dichtungen und Brillengläsern, in Gitarrensaiten und Mikrochips, findet in der Medizintechnik in Implantaten Anwendung und beschert uns atmungsaktive wasserdichte Kleidung: Gore-Tex basiert auf PTFE. Der Markt für den Kunststoff ist längst milliardenschwer, ständig werden neue Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten entdeckt.

Chemiker Plunkett ist 1994 gestorben, aber seine Erfindung hat es bis in den politischen Wortschatz geschafft: Ein Teflon-Politiker ist einer, an dem Kritik oder Skandale einfach abgleiten. Mitarbeiter der US-Botschaft in Berlin fanden da 2010 jemanden: Sie sprachen von "Angela Teflon Merkel".

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Quelle: n-tv.de

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