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Am Nordpol steckt mehr als 4000 Meter unter der Meeresoberfläche bereits die russische Flagge.
Am Nordpol steckt mehr als 4000 Meter unter der Meeresoberfläche bereits die russische Flagge.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 20. Februar 2014

Begehrte Bodenschätze im Meer: Tiefseebergbau könnte bald beginnen

Die Ozeane dieser Welt sind die reinsten Schatzkisten: Gold, Silber, Kupfer und Zink finden sich auf dem Meeresgrund. Die technischen Herausforderungen für den Abbau sind groß, doch immer mehr Staaten interessieren sich dafür.

Rohstoffgewinnung im Meer? Da denkt man vielleicht zunächst an Bohrinseln, die Rohöl zutage fördern. Doch im Meer sind noch ganz andere Schätze verborgen: Auf dem Boden des Pazifiks werden rund 300 Millionen Tonnen Metall vermutet. Gold und Silber, Kupfer und Zink – bisher werden die seltenen Metalle an Land abgebaut, doch der weltweite Hunger nach Rohstoffen und die daraus resultierenden hohen Preise rücken auch Lagerstätten in der Tiefsee ins Visier von Staaten und Firmen.

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Künftig könnten "Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden", heißt es im Bericht "World Ocean Review III - Rohstoffe aus dem Meer", der jetzt in Hamburg vorgestellt wurde. Darin haben Forscher des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" und internationale Experten Fakten zu Öl- und Gasvorkommen sowie mineralischen Ressourcen zusammengetragen.

Lizenzen für den Abbau von Manganknollen sind bereits verteilt. 2021 darf Deutschland den Abbau des wertvollen Rohstoffs beantragen. Angesichts des Anstiegs der Rohstoffpreise und globaler Verknappungsszenarien rücke die Nutzung mariner mineralischer Rohstoffe immer mehr in den Fokus und könnte mittelfristig größere Bedeutung erlangen, heißt es im "Nationalen Masterplan Maritime Technologien" Deutschlands. Auch Unternehmen zeigen Interesse an den mineralischen Schätzen der Ozeane. Der kommerzielle Tiefseebergbau von Metallen könnte also bald Realität werden. Doch er geht mit Gefahren einher.

Umweltrisiken müssen diskutiert werden

Da die Bewohner der Tiefsee konstante Bedingungen gewohnt sind, ist das ökologische Risiko eines solchen Eingriffs nach Ansicht des WWF kaum abzuschätzen. Der Entzug von Mineralien durch den Menschen würde das biologische Gleichgewicht stören. Um die Bodenschätze abzubauen, müssten unter anderem Planierraupen und riesige Bohrmaschinen zum Einsatz kommen. Der dabei entstehende Lärm und die Vibrationen könnten Delfine und Wale stören.

Außerdem würden im durchpflügten Bereich alle Tiere sterben, die nicht schnell genug fliehen könnten, etwa Würmer, Schnecken und Seegurken. Der Boden würde zerstört werden, die beim Abbau entstehende Trübungswolke würde viele Organismen zudecken. Der Abbau sei mit Umweltrisiken verbunden, darüber müsse diskutiert werden, mahnt daher auch der Sprecher von "Ozeane der Zukunft", Prof. Martin Visbeck.

Auf der anderen Seite – so der "World Ocean"-Bericht – vermeide Meeresbergbau Landnutzungskonflikte. Staaten, die über keine eigenen Rohstoffreserven verfügen, könnten etwas mehr Unabhängigkeit von den Exportnationen erlangen. Eine Empfehlung oder einen Ratschlag für oder gegen den Tiefseebergbau gibt der Bericht nicht. "Wir wollten Hintergründe und Fakten bündeln und auf den Tisch legen", sagte Visbeck. Auf dieser Grundlage könnten alle Beteiligten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sachlich diskutieren, ob und in welcher Form der Tiefseebergbau gewünscht sei.

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Quelle: n-tv.de

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