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Sibirische Tiger sollen sich in Kasachstan bald wieder wohl fühlen.
Sibirische Tiger sollen sich in Kasachstan bald wieder wohl fühlen.(Foto: dpa)
Freitag, 08. September 2017

Vor 70 Jahren ausgerottet: Tiger soll in Kasachstan heimisch werden

In Zentralasien wird der letzte Tiger kurz nach dem Zweiten Weltkrieg getötet. Nun wagt Kasachstan einen Neustart: Mit Hilfe eines Schutzgebietes soll die größte Raubkatze wieder angesiedelt werden. Doch es gibt viele Probleme.

Der Tiger soll rund 70 Jahre nach seiner Ausrottung in Zentralasien wieder in Kasachstan angesiedelt werden. Die kasachische Regierung und die Umweltorganisation WWF vereinbarten, ein Schutzgebiet für die gefährdete größte Raubkatzenart einzurichten. Es soll in den kommenden Jahren an der Mündung des Flusses Ili in den Balchasch-See im Südosten Kasachstans entstehen.

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Das Projekt gehört zu dem 2010 begonnenen Vorhaben "Tx2", die Zahl der freilebenden Tiger bis 2022 zu verdoppeln. Damals gab es nur noch 3200 Tiger in freier Wildbahn. Nach WWF-Angaben ist es durch verbesserten Schutz in Indien, Nepal, China und Russland bis 2016 gelungen, den Bestand auf etwa 3900 Tiere zu erhöhen.

"Kasachstan geht einen grünen Entwicklungsweg", sagte Agrarminister Askar Myrsachmetow. Das neue Schutzgebiet solle "nicht nur dem wilden Tiger seine angestammte Heimat zurückgeben, sondern auch das einzigartige Ökosystem Ili-Balchasch erhalten". In Zentralasien wurden die letzten Tiger kurz nach dem Zweiten Weltkrieg getötet.

Es fehlen dichte Wälder

Die Ex-Sowjetrepublik Kasachstan, wirtschaftlich reich an Öl, Gas und Bodenschätzen, besteht vor allem aus Steppe. Es fehlen die dichten Wälder, in denen Tiger sonst leben. Doch an den Ufern der großen Seen im neuntgrößten Land der Erde gibt es ausgedehnte Schilflandschaften mit hohem Gras, die als Lebensraum für die Raubkatze geeignet sind. Wissenschaftler hatten die Region 2010 erkundet. In dem spärlich besiedelten Gebiet am Balchasch-See wird die Land- und Viehwirtschaft eingeschränkt. In einem weiteren Schritt müssen Beutetiere wie Wildesel und Bucharahirsche angesiedelt werden, die durch Wilderei in der Region ebenfalls ausgerottet worden sind. 2022/23 sollen die ersten Tiger ausgewildert werden.

Geplant ist die Ansiedelung von Sibirischen Tigern (Panthera tigris altaica), der größten Unterart, die auch mit Kälte und Schnee zurechtkommt. Für solche Wiederansiedlungen gebe es feste Regeln, sagte Dagmar Andres-Brümmer, Sprecherin der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Die Ursache des früheren Aussterbens müsse beseitigt sein. Räuber bräuchten genügend Beutetiere. "Bei Großkatzen ist es immer ein bisschen schwieriger." Auch Inzucht sei ein Problem bei großen Säugetieren, deren Lebensraum isoliert von anderen Verbreitungsgebieten ist. "Die Population muss groß genug sein, um eigenständig überleben zu können."

In einem Nationalpark im Norden Thailands sei die Zahl der Tiger gestiegen, berichtete der WWF unterdessen in Bangkok. "Thailand ist in Südostasien die größte Hoffnung", sagte eine Sprecherin. In Kambodscha, Vietnam und Laos gebe es keine Tiger mehr.

Quelle: n-tv.de

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