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"Katastrophale Anomalie": US-Trägerrakete explodiert beim Start

Sechs Sekunden nach dem Abheben kommt es zur Katastrophe: Eine Antares-Rakete mit dem unbemannten Raumfrachter "Cygnus" an Bord gerät außer Kontrolle und stürzt ab. Geschockt und ratlos sucht die Nasa nach Antworten.

Schwerer Rückschlag für die US-amerikanische Weltraumfahrt: Eine Trägerrakete vom Typ "Antares" mit dem privaten Raumfrachter "Cygnus" an Bord ist kurz nach dem Start explodiert. Ersten Angaben der Raumfahrtbehörde Nasa zufolge hob die Rakete zunächst ohne Probleme gegen 18.22 Uhr (Ortszeit, 23.22 MEZ) von der Startrampe am Weltraumbahnhof Wallops im Bundestaat Virginia ab. Doch nur sechs Sekunden nach dem Start traten schwerwiegende Probleme auf. Das tonnenschwere Weltraumvehikel stürzte ab und explodierte.

Kurz nach dem Start sei eine "katastrophale Anomalie" aufgetreten, erklärte ein Nasa-Sprecher im Kontrollzentrum in Houston, von wo aus er den Start der Trägerrakete live im Internet kommentierte. Im Vorfeld habe es keinerlei Hinweise auf Probleme gegeben. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Auf den Live-Bildern der Nasa konnten Zuschauer mitverfolgen, wie die Rakete abhob, dann aber nach wenigen Metern senkrecht zurückfiel und schließlich in einem grell leuchtenden Feuerball explodierte.

Die Aufnahmen von der Unglücksstelle zeigten nach dem fehlgeschlagenen Start Rauch und vereinzelte Flammen. Der Weltraumbahnhof Wallops liegt auf einer Halbinsel an der US-Ostküste rund 100 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Washington, D.C. Lokale Medien hatten dazu aufgerufen, den Start der Trägerrakete am herbstlichen Abendhimmel zu beobachten. Die Nasa hatte dazu eine Karte veröffentlicht, in welchen Regionen der Start bei guten Witterungsbedingungen zu sehen sein dürfte. Die Karte deckt fast die gesamte US-Ostküste ab.

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Der Absturz stellt die US-amerikanische Raumfahrt vor erhebliche Probleme. Bis die Unglücksursache geklärt ist, dürften Wochen oder Monate vergehen. Bis dahin müssen die Versorgungsflüge mit "Antares"-Raketen wohl ausgesetzt werden. Ein Nasa-Sprecher lehnte Spekulationen über die Explosionsursache ab. Im Umfeld der schwer beschädigten Startrampe seien zuständige Techniker im Einsatz, um das Gelände zu sichern, hieß es zunächst. Es gehe darum, so viele Daten wie möglich zu sichern. Experten erhoffen sich von den aufgezeichneten Daten Hinweise auf die Unglücksursache.

"Wir werden hoffentlich bald wissen, was passiert ist", meinte ein hörbar geschockter Nasa-Sprecher im Internet-Livestream. Die Behörde warnte Schaulustige und Sicherheitskräfte vor Gesundheitsgefahren, die von Raketentrümmern ausgehen könnten. Erst am Vortag hatte die Nasa ihren Countdown nur zehn Minuten vor Start abbrechen müssen. Ein Segler war offenbar unbeabsichtigt in die Sicherheitszone rund um die am Meer gelegene Startrampe eingedrungen.

Kein Nachschub für die ISS

Voll gepackt mit Raketentreibstoff und Nutzlast: Die rund 40 Meter hohe Antares-Rakete am Morgen vor dem Start.
Voll gepackt mit Raketentreibstoff und Nutzlast: Die rund 40 Meter hohe Antares-Rakete am Morgen vor dem Start.(Foto: REUTERS)

Die rund 40 Meter lange Trägerrakete des privaten Raumfahrtdienstleisters Orbital Sciences Corporation (Orbital) wurde bei dem Absturz samt seiner wertvollen Fracht an Bord vollkommen zerstört. Der Raumtransporter "Cygnus" sollte rund 2300 Kilogramm Vorräte und wissenschaftliches Material zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Dort warten neben dem Deutschen Alexander Gerst derzeit fünf weitere Raumfahrer auf frische Versorgungsgüter von der Erde.

Gerst und zwei Kollegen sollen in zwei Wochen nach 165 Tagen auf der ISS zur Erde zurückkehren. Ihre Nachfolger, ein russischer Kosmonaut und zwei US-Astronauten, sollen zwei Wochen später auf der Raumstation eintreffen. Dass der katastrophale Fehlschlag in Wallops diesen Zeitplan durcheinanderbringen wird, ist unwahrscheinlich. Der Passagiertransport zur ISS läuft über russische Sojus-Raketen ab Baikonur in der kasachischen Steppe.

Die ISS-Mission selbst sei durch den Absturz nicht gefährdet, teilte die Nasa mit. Der explodierte Raumfrachter habe keine unbedingt notwendigen Versorgungsgüter für die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS an Bord gehabt. "Es handelte sich um keine unbedingt notwendige Fracht", betonte Nasa-Topmanager William Gerstenmaier in einer eilig einberufenen Pressekonferenz knapp drei Stunden nach dem Unglück. Er fügte hinzu: "Die Mannschaft ist in keiner Gefahr."

Wieder abhängig von den Russen?

Mit "Cygnus" wollten sich die USA bei der Versorgung der ISS unabhängig von russischen Flügen machen: Der Frachttransporter ist ein unbemanntes Fluggerät, das im Gegensatz zu den Raumtransportern des "Space Shuttle"-Programms nicht wiederverwendet werden kann. Die Nasa hatte ihr Shuttle-Programm 2011 nach einer Serie von Rückschlägen beendet.

Die ferngesteuerten Transportbehälter nehmen für ihren Rückweg von der Raumstation Müll auf. Anschließend sollen sie beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre restlos verglühen. Das Frachtermodell "Cygnus" wurde von der privaten Firma Orbital Sciences entwickelt. Im Rahmen des knapp zwei Milliarden Dollar schweren Vertrags sollte es bis 2016 mindestens sieben weitere Flüge geben.

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Quelle: n-tv.de

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