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Bald ist es wieder so weit: Am letzten Sonntag im Oktober beginnt die Winterzeit.
Bald ist es wieder so weit: Am letzten Sonntag im Oktober beginnt die Winterzeit.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 11. Oktober 2017

Die Winterzeit naht: Wann wird die Uhr umgestellt?

Von Martin Morcinek

Der Herbst ist da, das Tageslicht schwindet: Die Sommerzeit neigt sich ihrem Ende zu. Doch wann genau müssen Pendler, Planer und alle anderen Frühaufsteher ihre Uhren umstellen? Das entscheidende Signal schickt ein Sender bei Frankfurt.

Die Tage werden wieder kürzer, nur mit Mühe dringt die tieferstehende Sonne durch die Wolkendecke. Das graue Herbstwetter bringt nicht nur trübe Stimmung, Morgennebel und laubglatte Straßen, sondern auch die ersten Vorboten der anstehenden Jahreszeit: Die Winterzeit ist nicht mehr weit entfernt.

Auszug aus deutschen Zeitgesetz

Paragraph 5, Satz 1: "Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird ermächtigt, zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit und zur Angleichung der Zeitzählung (...) für einen Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober die mitteleuropäische Sommerzeit einzuführen."

Paragraph 5, Satz 2: "Die mitteleuropäische Sommerzeit soll jeweils an einem Sonntag beginnen und enden."

Quelle: PTB

In Deutschland endet die gesetzlich festgelegte Sommerzeit (MESZ) in diesem Jahr am 29. Oktober und damit wie üblich am letzten Sonntag im Monat Oktober. An diesem Stichtag werden um 3.00 Uhr in der Nacht die Uhren um eine volle Stunde auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Wer am Samstagabend, 28. Oktober ins Bett geht, kann also 60 Minuten länger schlafen.

Selbst tätig werden müssen die Deutschen bei der Zeitumstellung nur noch in Ausnahmefällen: Viele moderne Zeitmesser wie etwa Funkwecker oder die Zeitsteuerung in Smartphones passen sich automatisch daran an. Lediglich bei rein mechanischen Geräten wie Standuhren, Armbanduhren oder dem klassischen Rasselwecker müssen die Zeiger noch vom Nutzer um eine Stunde zurück auf die sogenannte Normalzeit gestellt werden.

Letzter Sonntag im Oktober

Ziel der Zeitumstellung ist offiziell die "bessere Ausnutzung der Tageshelligkeit", wie es bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig heißt. Dort überwachen Experten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Abläufe rund um Sommer- und Winterzeit. Sie kümmern sich dabei vor allem um das korrekte Zeitsignal, das sie unter anderem mit der hochpräzisen Atomuhr CS2 ermitteln.

Das Signal zur Zeitumstellung erreicht Funkwecker in Nordnorwegen ebenso wie Uhren an der Algarve oder auf Mallorca.
Das Signal zur Zeitumstellung erreicht Funkwecker in Nordnorwegen ebenso wie Uhren an der Algarve oder auf Mallorca.(Foto: © Physikalisch-Technische Bundesanstalt, CC-BY 4.0)

Die offizielle Zeit geht dann an einen Langwellensender, dessen Sendemasten auf einem unscheinbaren Gelände bei Mainflingen südöstlich von Frankfurt am Main stehen. Von hier aus erreichen die kodierten Zeitstempel Empfänger in einem Umkreis von gut 2000 Kilometern.

Aufgenommen werden die Zeitsignale unter anderem von privaten Funkuhren sowie von den meisten Uhren im öffentlichen Raum. Aber auch die Industrie, Dienstleister und die Deutsche Bahn übernehmen von hier ihr Zeitsignal, um Betriebsabläufe sekundengenau zu steuern.

Für die Einstellung von Rechneruhren bietet die Braunschweiger Bundesanstalt zudem zwei eigene "Zeitserver" an, die das gesetzlich gültige Datum samt Uhrzeit im Internet über das "Network Time Protocol" (NTP) verbreiten.

Zeitumstellung noch zeitgemäß?

Der Zeitumstellung von Sommerzeit auf die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) erfolgt in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gleichzeitig. "Innerhalb der EU ist die Zeitumstellung durch europäische Regelungen vorgegeben", heißt es beim Bundeswirtschaftsministerium. Das deutsche Zeitgesetz setzt diese Vorgaben nur um. "Die damit verbundene Angleichung der Zeitzählung aller EU-Mitgliedstaaten trägt wesentlich zum Funktionieren des europäischen Binnenmarktes bei."

Eine Abschaffung der Sommerzeit, wie sie von verschiedenen Seiten seit Jahren gefordert wird, wäre also nur auf europäischer Ebene zu erreichen. Die Debatte, ob die Vorteile der Zeitumstellung - wie etwa Energieeinsparungen - tatsächlich den enormen Aufwand rechtfertigen, lässt die Techniker in Braunschweig und Mainflingen in ihrer Arbeit weitgehend unberührt: In der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober werden sie - wenn alles klappt - wieder zufrieden zuhören, wie das offizielle Zeitsignal das Winterhalbjahr einläutet.

Quelle: n-tv.de

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