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Romantik pur: Ein Vollmond zur Weihnachtszeit erwärmt die Herzen - wenn der Himmel klar ist.
Romantik pur: Ein Vollmond zur Weihnachtszeit erwärmt die Herzen - wenn der Himmel klar ist.(Foto: imago/blickwinkel)

"Den Unterschied bemerkt keiner": Weihnachtsvollmond mit Schönheitsfehler

Von Kai Stoppel

Eine Nachricht macht derzeit die Runde: Eine astronomische Seltenheit erwartet uns, ein Vollmond zur Weihnachtszeit. Doch etwas stimmt nicht mit dem Weihnachtsvollmond - er ist nämlich eigentlich keiner. Dennoch macht eine Expertin Hoffnung.

Es ist ein Ereignis mit Seltenheitswert: Am ersten Weihnachtsfeiertag wird ein Vollmond über Deutschland erstrahlen. Es ist das erste Mal seit 38 Jahren, dass so etwas an genau diesem Datum geschieht. Und die US-Weltraumbehörde Nasa schickt die frohe Botschaft in die Welt vom "seltenen Weihnachtsvollmond". Auch in Deutschland wird das Thema in den Medien aufgegriffen.

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Ja, aber so ganz stimmt da etwas nicht. Denn seien wir ehrlich: Weihnachten ist für uns vor allem Heiligabend, also der 24. Dezember. Im englischsprachigen Raum hingegen wird Weihnachten einen Tag später, am 25. Dezember gefeiert. Für US-Amerikaner ist es daher ein echter Weihnachtsvollmond. Für uns leider nur ein Erster-Weihnachtsfeiertag-Vollmond.

Und es kommt noch schlimmer: Seinen Höhepunkt wird der weihnachtliche Vollmond - also jener am 25. Dezember - um fast genau 12.12 Uhr mittags (MEZ) erreichen. Das Dumme daran: Um diese Zeit ist er parallel zwar in New York hoch und prächtig am Firmament zu sehen, nur bei uns ist er leider noch gar nicht aufgegangen. Erst viereinhalb Stunden - bei uns ist es etwa halb fünf nachmittags-  können wir dann einen Blick erhaschen. Und dann hat der Vollmond bereits wieder leicht abgenommen.

Am höchsten stehender Mond des Jahres

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Doch alles halb so wild, sagt Monika Staesche vom Planetarium am Insulaner in Berlin: "Für die meisten Menschen macht das vom Anblick her keinen Unterschied." So sei der Vollmond am 25. Dezember zwar nicht mehr ganze 100 Prozent voll - aber was bereits fehle, sei für das ungeübte Auge gar nicht zu erkennen. Genau so wie an Heiligabend zuvor. "Der Mond ist an beiden Terminen ziemlich die ganze Nacht über gut zu sehen", so Staesche. Und sie verweist auf eine andere Besonderheit: Am 1. Weihnachtsfeiertag gibt es den am längsten sichtbaren und am höchsten stehenden Mond des Jahres.

Den letzten echten Vollmond zu Weihnachten nach unserem Verständnis gab es am 24. Dezember 2007. Bis zum nächsten "echten" Weihnachtsvollmond werden wir uns noch bis zum Jahr 2026 gedulden müssen. Allerdings: Auch dann gibt es einen Schönheitsfehler, denn der Vollmond erreicht seine ganze Pracht bereits in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember, also schon vor Heiligabend. Acht Jahre später, also im Jahr 2034, gibt es wieder einen Vollmond am ersten Weihnachtsfeiertag. Aber auch dann erreicht er seinen Höhepunkt, wenn er bei uns noch gar nicht aufgegangen ist. So wie in diesem Jahr.

Wenigstens ein "Kalter Vollmond"?

So richtig will das mit dem Weihnachtsmond über Deutschland nicht klappen. Können wir uns wenigstens daran freuen, dass dieser Dezember-Vollmond auch als "Kalter Vollmond" (Englisch: "Full Cold Moon") bezeichnet wird, wie uns die Nasa in ihrer Mitteilung verkündet? Das hört sich nämlich toll an und erinnert ein bisschen an den "Blutmond" aus dem September, der weltweit für Aufsehen sorgte.

Aber es gibt auch dabei einen Haken: Eigentlich ist die Bezeichnung "Kalter Vollmond" bei uns nicht gebräuchlich. Sie stammt nämlich vermutlich von den Ureinwohnern Nordamerikas und fand über diese Einzug in den englischen Sprachraum. Dort wird der Dezember-Vollmond auch als "Eichenmond" und "Mond der langen Nächte" bezeichnet.

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Quelle: n-tv.de

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