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Der Übeltäter im Modell: Es sind vor allem Stechmücken, die das Zika-Virus übertragen.
Der Übeltäter im Modell: Es sind vor allem Stechmücken, die das Zika-Virus übertragen.(Foto: picture alliance / dpa)

WHO zieht beunruhigende Bilanz: Zika-Virus ist gefährlicher als gedacht

Vor fünf Wochen ruft die Weltgesundheitsorganisation wegen des Zika-Erregers den globalen Gesundheitsnotstand aus. Nun kommt sie - auch mit Blick auf jüngere Forschungsergebnisse - zu einem ersten Fazit: Es gilt zu handeln. Dringend.

"Die geografische Verbreitung ist weiter, die Risikogruppe größer und zu den Übertragungswegen gehört neben Mückenstichen auch Geschlechtsverkehr", sagt die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chan. Damit umreißt sie in knappen Worten eine neue Erkenntnis der WHO: Das Zika-Virus ist gefährlicher als bisher angenommen.

Zu den neuen Forschungsergebnissen gehört auch, dass der Zika-Erreger möglicherweise nicht nur als Ursache für Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen (Mikrozephalie) gelten müsse, sondern auch eine Rolle bei anderen neurologischen Störungen spiele. "Mikrozephalie ist nur eine von verschiedenen möglichen Anomalien", sagte Chan. Der Erreger könne das Gehirn von Ungeborenen angreifen. Nach Fehl- und Totgeburten sowie Abtreibungen sei das Virus im Blut, Hirngewebe und Hirnwasser nachgewiesen worden, sagte Chan. Zu den Folgen einer Infektion zählten Tod des Fötus, eine Verschlechterung der Plazenta (Mutterkuchen), Wachstumsstörungen des Fötus und Schädigungen des zentralen Nervensystems.

WHO rät zu Kondomen

Im Zentrum der Sorge stehen daher nach wie vor schwangere Frauen. Die WHO empfiehlt ihnen, nicht in betroffene Gebiete einzureisen. Zika ist bereits in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden. Seit 2015 hat sich der Erreger rasant in Lateinamerika ausgebreitet. Er wird vor allem von bestimmten Stechmücken übertragen, manchmal aber auch beim Sex. Werdende Mütter, deren Sexualpartner in betroffenen Gegenden lebten, sollten während der Schwangerschaft daher nur geschützten Geschlechtsverkehr haben, rät die WHO.

Weiterhin erkranken viele Zika-Infizierte gar nicht oder bekommen nur grippeähnliche Symptome. Außerdem fehlt zu Zika als Ursache für Schädelfehlbildungen der letzte wissenschaftliche Beweis. Dennoch gelte es zu handeln, sagt Chan. In Brasilien werden 4222 Verdachtsfälle von Schädelfehlbildungen untersucht. In 82 von 641 eindeutigen Mikrozephalie-Fällen war bei den Müttern eine Ansteckung mit Zika nachgewiesen worden.

Mehr lebensbedrohliche Lähmungen

Das Virus soll auch das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) auslösen können, das lebensbedrohliche Lähmungen verursachen kann. So analysierte ein Team vom Pariser Institut Pasteur Blutproben von Patienten aus Französisch-Polynesien, die vor etwa zwei Jahren während einer Zika-Epidemie die Autoimmun-Erkrankung entwickelt hatten. Bei allen fanden die Forscher Hinweise auf eine vorherige Zika-Infektion. Die von der aktuellen Zika-Epidemie betroffenen Länder sollten sich auf eine Welle von GBS-Patienten in den kommenden Monaten einstellen, mahnten die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Seit 2015 haben nach Angaben der WHO acht Länder eine Zunahme von GBS-Erkrankungen oder Zika-Infektionen bei GBS-Patienten gemeldet.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Chan, dass sich Zika ähnlich ausbreite wie das Dengue-Fieber. An den grippeähnlichen Symptomen von Dengue erkranken jährlich schätzungsweise 50 bis 100 Millionen Menschen. Gegen die Ausbreitung der Zika-übertragenden Moskitos solle "mit besonderer Dringlichkeit" gekämpft werden, so die Expertenkommission. Allerdings stünden von den benötigten 65 Millionen Dollar (59 Millionen Euro) erst 3 Millionen Dollar zur Verfügung.

Quelle: n-tv.de

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