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Von Blüte zu Blüte: Eine Hummel nascht am Rhododendron.
Von Blüte zu Blüte: Eine Hummel nascht am Rhododendron.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frage & Antwort, Nr. 41: Warum können Hummeln fliegen?

Warum können Hummeln fliegen, wenn doch die Aeronautik das Gegenteil berechnet hat? (fragt Petra Gregory aus München)

Dass der Flug der Hummel den Gesetzen der Aerodynamik widerspricht, ist ein moderner Mythos, der sich hartnäckig hält. Als Begründung heißt es, die Flügel der Hummel seien im Verhältnis zu ihrem Körper nicht groß genug. Die Pointe lautet: Die Hummel fliegt, weil sie die Gesetze der Aerodynamik nicht kennt.

Der Witz hat jedoch keine Grundlage; ob Hummeln die Gesetze der Aerodynamik kennen, ist zwar noch nicht bewiesen. Klar ist jedoch mittlerweile, dass ihr Flug durchaus diesen Gesetzen entspricht.

Der Mythos geht auf den französischen Insektenforscher Antoine Magnan zurück. In seinem Buch "Le vol des insects" (Der Flug der Insekten) zitierte er 1934 den Mathematiker Andr Sainte-Lagu, der berechnet habe, dass Hummeln eigentlich nicht fliegen können, da ihre Flügel nicht genug Auftrieb erzeugen. Sainte-Lagu hatte Hummeln mit Flugzeugen verglichen - und genau hier lag der Fehler.

Auch dieser Mini-Hubschrauber dürfte "eigentlich" nicht fliegen - er ist den Gesetzen der Hummel abgeschaut.
Auch dieser Mini-Hubschrauber dürfte "eigentlich" nicht fliegen - er ist den Gesetzen der Hummel abgeschaut.

Die Geschichte der flugunfähigen Hummeln stieß auf allgemeine Begeisterung. An deutschen Hochschulen war sie schon in den 1930er Jahren bekannt. Gelegentlich wird kolportiert, der deutsche Physiker Ludwig Prandtl, der an der Universität Göttingen lehrte, habe die Geschichte als Scherz in Umlauf gebracht. In Göttingen, wo Prandtl lehrte, kursierte sie offenbar im Stil einer Witzes: "Ein Biologe trifft einen Aerodynamiker ...".

Der Boeing-Ingenieur John McMasters veröffentlichte 1989 einen Artikel, in dem er dem Hummelflug-Mythos auf den Grund ging. Als erste Quelle für die Geschichte nannte er darin den Schweizer Jacob Ackeret, der in den 1920er Jahren Mitarbeiter von Prandtl gewesen war. Auf den Artikel hin bekam McMasters Post - "Junge, habe ich Post bekommen", schreibt er in einem Forum, darunter ein halbes Dutzend Fotokopien des Buches "Der Flug der Insekten". Mittlerweile ist McMasters überzeugt, den Urheber gefunden zu haben: Andr Sainte-Lagu, damals Magnans Laborassistent.

Aber warum können Hummeln nun fliegen? Dass Hummeln im Gegensatz zu Flugzeugen ihre Flügel bewegen, liegt auf der Hand. Die endgültige Lösung für das Hummel-Paradox kam jedoch erst 1996 mit einem Aufsatz in der Zeitschrift "Nature". Charlie Ellington, Professor für "Animal Mechanics" in Cambridge, zeigte, dass der Hummelschlag Wirbel erzeugt, die dem Tier den nötigen Auftrieb verschaffen.


Um der Hummel auf die Spur zu kommen, untersuchten Ellington und seine Kollegen das Flugverhalten des Tabakschwärmers im Windkanal. Dabei entdeckten sie einen "intensiven Wirbel" an der Vorderseite der Flügel beim Schlag nach unten, der stark genug ist, den Auftrieb zu erklären.

Quelle: n-tv.de

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