Sachsen-AnhaltSechsjährige Grundschulzeit? - Grünen-Parteitag zur Bildung

Magdeburg (dpa/sa) - Längeres gemeinsames Lernen in einer sechsjährigen Grundschulzeit, Kinder und Jugendliche stärker auf die digitale Welt vorbereiten und Seiteneinsteiger-Lehrkräfte besser begleiten: Die Grünen wollen bei ihrem Landesparteitag an diesem Samstag über die Zukunft des Bildungssystems debattieren. "Wir werden Dinge radikal anders machen müssen. Einfach angesichts der demografischen Lage wird sich Schule verändern müssen, rein organisatorisch, aber auch um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein", erklärte die bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Susan Sziborra-Seidlitz, am Donnerstag in Magdeburg.
Sie will einen umfangreichen Antrag des Landesvorstands und der zuständigen Landesarbeitsgemeinschaft mit dem Titel "Bildung in Sachsen-Anhalt neu aufstellen - unsere Schulen für morgen gestalten" einbringen. Sziborra-Seidlitz betonte, Bildungsstudien hätten gezeigt, dass längeres gemeinsames Lernen erfolgreichere Bildungsbiografien hervorbringe. In Sachsen-Anhalt gebe es deutlich zu viele Schülerinnen und Schüler, die die Schule ohne Abschluss verließen. Deshalb sehe der Antrag, über den der Parteitag beraten und abstimmen soll, einen Wechsel zu einer Grundschulzeit von sechs statt vier Jahren vor.
Zudem müssten die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen gestärkt werden. Grundschulen und Gemeinschaftsschulen sollen sich zu Schulcampi zusammenschließen können. So könnten Kinder ihre gesamte Schulzeit an einem Standort verbringen, erklärte Sziborra-Seidlitz. In dem Antrag stecke zudem die Forderung nach einem Landesprogramm für Schulsozialarbeit, das zu 80 Prozent vom Land und zu 20 Prozent von den Schulträgern finanziert werde. Jede Schule brauche mindestens einen Schulsozialarbeiter, Brennpunktschulen mehr.
Beraten werden soll laut der Bildungspolitikerin zudem über einen Änderungsantrag, der informatorische Bildung an den Schulen zur Pflicht machen soll. Es müsse nicht unbedingt Informatikunterricht sein, sagte Sziborra-Seidlitz, es gehe um die Stärkung der digitalen Kompetenzen der Schüler.
Weitere Themen auf dem Parteitag werden etwa die Energieversorgung in Sachsen-Anhalt sein, aber auch der Blick auf die Vorbereitung der Kommunalwahlen 2024. Die Landesvorsitzende Madeleine Linke betonte, die Grünen wollten möglichst überall antreten. "Wir haben viele Ortschaftsräte, wo wir nicht antreten, das wollen wir ändern." Zudem wolle man möglichst oft Fraktionsstärke erreichen.
Auf landespolitischer Ebene sind die Grünen derzeit in der Opposition in Sachsen-Anhalt. Bildungspolitikerin Sziborra-Seidlitz sagte, die Positionen, die der Parteitag am Samstag beschließe, sollten Bestandteil der Koalitionsverhandlungen nach der nächsten Landtagswahl 2026 sein.