Wirtschaft

Hedgefonds fordert KursänderungWarum ein Toilettenhersteller die heißeste KI-Aktie sein soll

17.02.2026, 14:16 Uhr
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Aus - allerdings sehr spezieller - Keramik werden nicht nur Badmöbel, sondern auch "elektrostatische Chucks" für die Chip-Produktion hergestellt. (Foto: REUTERS)

Für seine Hightech-Toiletten ist der japanische Hersteller Toto weltbekannt. Hochentwickelte Keramik wird jedoch nicht nur für futuristische WCs benötigt, sondern auch für die Chip-Herstellung.

Toilettenhersteller in Japan sind schon lange keine einfachen Keramik- oder Sanitärunternehmen mehr. Firmen wie der Marktführer Toto setzen mit programmierbaren und mit dem "Internet der Dinge" verbundenen Hygiene- und Wellnessmaschinen Milliarden von Dollar um. Nicht nur in Japan wächst die Branche, sondern zunehmend auch weltweit. Doch es sind nicht die guten Aussichten der Toilettenindustrie, die den britischen Hedgefonds Palliser Capital veranlasst haben, als Aktionär bei Toto einzusteigen. Das Unternehmen sei "der am stärksten unterbewertete und übersehene Profiteur" des aktuellen Booms für KI-Speicherchips, schrieb Palliser Medienberichten zufolge in einem Brief an den Vorstand von Toto.

Neben seinen weltbekannten Hightech-Toiletten produziert Toto auch Keramikbauteile, die für die Produktion moderner Speicherchips benötigt werden. Das Unternehmen habe sich "von einem Marktführer traditioneller häuslicher Sanitäreinrichtung still zu einem aufstrebenden Kraftzentrum für hochentwickelte Keramik für die Chipherstellung entwickelt", zitiert die "Financial Times" aus dem Brief des Hedgefonds. Die Nachfrage nach ihnen und die Preise solcher Chips sind in den vergangenen Monaten im Zuge des Booms Künstlicher Intelligenz und damit zusammenhängender Technologien stark gestiegen. Das hat sich auch in den Aktienkursen vieler an Chip-Produktion beteiligten Unternehmen niedergeschlagen.

Auch die Toto-Aktie hat im Laufe der vergangenen Monate kräftig zugelegt - allerdings nicht annähernd so stark, wie die Hegdefondsmanager von Palliser das für angemessen halten. Palliser ist als aktivistischer Investor bekannt. Solche Investoren steigen gezielt bei Unternehmen ein, bei denen sie glauben, auf die Geschäftsführung Einfluss nehmen zu können, um den Aktienkurs zu steigern. In ihrem Brief an den Toto-Vorstand beklagt sich der Fonds, dass Toto die Bedeutung dieser Keramikbauteile für die Chip-Produktion als Geschäftszweig gegenüber Aktionären nicht ausreichend herausstelle. Zudem solle in diesen Bereich noch mehr investiert werden.

Wenn Toto seinen Kurs entsprechend ändere, könnte der Aktienkurs des Unternehmens noch einmal gut um die Hälfte steigen, behauptet Palliser. Nach Einschätzung des Hedgefonds hat der Hersteller bei der Spezialkeramik einen großen technologischen Vorsprung. Die Wettbewerber liegen demnach mit ihren Entwicklungen in dem Bereich rund fünf Jahre zurück.

Toto hat bislang nicht öffentlich auf die Forderungen des Hedgefonds reagiert. Der Brief reichte allerdings schon aus, um die Aufmerksamkeit anderer Investoren auf die Aktien des Unternehmens zu lenken. Nachdem das Schreiben bekannt wurde, legte der Aktienkurs von Toto an der Börse in Tokio heute um rund 4,5 Prozent zu.

Quelle: ntv.de, mbo

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