Expertin warnt vor Energieschock
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat vor einem neuen Energieschock für Deutschland durch die Eskalation im Nahen Osten gewarnt. "Ein erneuter Energieschock würde eine Wirtschaft belasten, die sich noch immer von den vergangenen Preissprüngen erholt", sagte Grimm dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Analysten hielten einen Ölpreis von über 100 Dollar für möglich, wenn die Straße von Hormus faktisch gesperrt bleibe. Durch diese Meerenge verliefen rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte. Die Gaspreise seien zuletzt auf über 40 Euro gestiegen. Falls die LNG-Produktion in Katar nicht bald wieder aufgenommen werde, drohten weitere empfindliche Anstiege.
Deutschland treffe dies in einer ohnehin fragilen Lage, erklärte die Ökonomin, die seit 2020 dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angehört. Besonders betroffen wären energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Glas oder Papier. "Für Europa bedeutet das: steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit", sagte Grimm. Sie forderte, Europas Energieversorgung widerstandsfähiger zu machen - durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher, koordinierte europäische Beschaffung und einen beschleunigten Ausbau der eigenen Energieversorgung.
Ausbau der Erneuerbaren ist Schlüssel für tiefere Preise
Verbund-Chef Michael Strugl sieht in einer massiven Ausweitung der heimischen Stromerzeugung den zentralen Hebel für dauerhaft niedrigere Preise. "Wenn wir das Angebot erhöhen, wenn mehr Angebot im Markt ist, dann dämpft das die Preise", sagte der Chef von Österreichs größtem und mehrheitlich staatlichem Energiekonzern. Bei einer Veranstaltung des Branchenverbands Oesterreichs Energie verwies Strugl auf die USA: Dort sorge ein riesiges Angebot an heimischem Gas für niedrige Energiekosten. "Das müssen wir mit Strom auch machen", forderte der Manager. Europa müsse diesen Mengeneffekt durch die eigene Produktion aus Wasser, Wind und Sonne erreichen.
Als Beleg für diesen Mechanismus nannte Strugl das Jahr 2024, in dem eine hohe Erzeugung aus Wasserkraft in Österreich zeitweise zu Großhandelspreisen unter dem deutschen Niveau geführt habe. Das Grundproblem bleibe jedoch die Volatilität: Obwohl erneuerbare Energien bilanziell einen Großteil des Bedarfs deckten, sei dies tatsächlich nur in rund einem Fünftel der 8760 Jahresstunden der Fall. In den übrigen Zeiten bestimmten teurere Kraftwerke den Marktpreis.
Aktienkurse in Seoul stürzen ab
Die Furcht vor steigenden Energiepreisen nach US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran schickt die asiatischen Börsen auf Talfahrt. Der breite MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans fällt 1,5 Prozent und setzt damit seine Verluste den zweiten Tag in Folge fort. Die japanische Börse tendiert schwächer: In Tokio gibt der Nikkei-Index zwei Prozent auf 56.910,69 Punkte nach, und der breiter gefasste Topix notiert 2,0 Prozent niedriger bei 3819,91 Zählern. Koreanische Aktien brechen bis zu 4,1 Prozent ein.
"Die wirtschaftspolitische Unsicherheit war bereits erhöht, und jetzt dürfte mit dem Iran-Konflikt auch das geopolitische Risiko steigen", sagt Rupal Agarwal, Asien-Quantstrategin bei Bernstein in Singapur. Das letzte Mal, als beide Faktoren gleichzeitig anstiegen, sei 2022 während des Russland-Ukraine-Konflikts gewesen, was für die asiatischen Märkte nicht gut ausgegangen sei, erklärt sie. Der Shanghai Composite bleibt fast unverändert bei 4179,46 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fällt 0,1 Prozent auf 4722,54 Punkte.
Nivea sorgt für verhaltenen Ausblick bei Beiersdorf
Beiersdorf verliert weiter an Wachstumstempo. Beim Aushängeschild Nivea läuft es nicht mehr so rund wie in den vergangenen Jahren. Im laufenden Jahr rechnet Konzernchef Vincent Warnery nun mit einem weiter volatilen Marktumfeld - und einer leicht sinkenden Gewinnmarge. "2025 war ein anspruchsvolles Jahr für die Hautpflegebranche, geprägt von langsamerem Wachstum und anhaltender Marktvolatilität", sagte Warnery. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Hersteller von Tesa, Nivea und Hansaplast einen Umsatz von 9,9 Milliarden Euro bei einem organischen Umsatzplus von 2,4 Prozent. 2024 hatte Beiersdorf noch ein deutlich höheres Plus von 6,5 Prozent verbucht. Der operative Gewinn ohne Sondereffekte lag 2025 bei 1,4 Milliarden Euro, die Ebit-Marge ohne Sondereffekte legte leicht auf 14 von 13,9 Prozent im Vorjahr zu.
Beiersdorf hatte im vergangenen Jahr mehrfach die Umsatzprognose senken müssen. Vor allem die Kernmarke Nivea war unter Druck geraten - sie verzeichnete 2025 ein organisches Umsatzwachstum von 0,9 Prozent. Mit Produktinnovationen will Warnery das Wachstum aber wieder ankurbeln. "Wir haben eine gezielte Neujustierung des Nivea-Portfolios eingeleitet, um wieder mehr Dynamik zu entwickeln", unterstrich der Chef des Dax-Konzerns. Er will dabei einen zusätzlichen Fokus auf "erschwingliche Gesichtspflegeangebote" legen. Besser lief es im kleineren Unternehmensbereich Derma mit den Marken Eucerin und Aquaphor - hier wies Beiersdorf ein organisches Umsatzwachstum von 11,7 Prozent aus. Auch Hansaplast und Elastoplast wuchsen zweistellig. Federn lassen musste erneut die Luxusmarke La Prairie mit einem Umsatzminus von 4,5 Prozent. Dort zeichnet sich aber nach langer Schwäche eine Trendwende ab - im vierten Quartal verbuchte Beiersdorf hier ein organisches Wachstum von 3,8 Prozent. Das Klebstoffgeschäft rund um Tesa verzeichnete ein Umsatzplus von 1,8 Prozent. Die Aktionäre sollen nun eine stabile Dividende von einem Euro pro Aktie erhalten. Die Hamburger wollen zudem eigene Aktien im Wert von bis zu 750 Millionen Euro zurückkaufen.
Trump-Niederlage beim Thema Zoll-Rückzahlungen
Die US-Regierung von Donald Trump ist vor einem Berufungsgericht damit gescheitert, die Rückzahlung milliardenschwerer Zolleinnahmen vorläufig aufzuschieben. Das Bundesberufungsgericht (United States Court of Appeals for the Federal Circuit) wies einen Antrag zurück, den Beginn des Verfahrens zur Rückerstattung um mehrere Monate zu verzögern.
Hintergrund ist ein Urteil des Obersten US-Gerichts, das bestimmte von der Regierung verhängte Zölle für rechtswidrig erklärt hatte. In der Folge könnten Importeure Anspruch auf Rückzahlungen in Milliardenhöhe haben. Die Regierung argumentierte in einem am Freitag eingereichten Antrag, es bestünden noch offene Rechtsfragen, die zunächst geklärt werden müssten.
Mit der Entscheidung bleibt es jedoch dabei, dass das Verfahren vor dem Handelsgericht, dem U.S. Court of International Trade, fortgesetzt wird. Dies soll nun festlegen, wie und in welchem Zeitrahmen die Rückzahlungen abgewickelt werden.
Dollar ist gefragt
Im asiatischen Devisenhandel gewinnt der Dollar geringfügig auf 157,23 Yen und legt leicht auf 6,8825 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notirte er 0,1 Prozent höher bei 0,7799 Franken. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1693 Dollar und zieht 0,1 Prozent auf 0,9119 Franken an. Der Dollar-Index hält sich nahe einem Sechswochenhoch bei 98,499 Punkten, da die US-Währung als sicherer Hafen wieder an Attraktivität gewann.
Ein herber Schlag ins Kontor
Am Freitag hat sich der Dax noch mit 25.854 Punkten ins Wochenende verabschiedet, zwischenzeitlich lag er sogar nur etwa 100 Zähler von seinem Allzeithoch entfernt. Das war am Freitag. In die neue Handelswoche ist er dann mit einem Minus von 2,6 Prozent und einem gestrigen Schlusskurs von 24.638 Stellen gestartet. Der Grund für den Rücksetzer ist die Eskalation der Lage im Nahen Osten. Erst griffen die USA und Israel mit Luftschlägen an, dann reagierte das Regime in Teheran und attackierte US-Stützpunkte in den Nachbarstaaten. Der Ölpreis schoss zeitweise rund 15 Prozent in die Höhe, pegelte sich dann um die Marke von 80 Dollar je Barrel ein. Vorerst. DieAktiennotierungen in Asien gaben nach, es folgten Abschläge in Europa und schließlich auch an der Wall Street. Dort schlossen die Indizes aber wiederum nahezu unverändert, nachdem Marktteilnehmer die niedrigeren Kurse für einen Wiedereinstieg genutzt hatten.
Die Eskalation im Iran dürfte auch ein Thema beim US-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus sein. Bei dem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office und einem anschließenden Mittagessen wird es dabei nun vor allem um den Iran-Krieg gehen. Merz will aber auch die Zolldifferenzen und den Ukraine-Krieg ansprechen.
Vom Nahost-Krieg wird auch die heute startende weltweit führenden Tourismusmesse ITB überschattet. Auf der Messe präsentieren bis Donnerstag fast 6000 Aussteller aus mehr als 160 Ländern Destinationen, Reisen sowie Dienstleistungen und Produkte. Ein zentrales Thema auf dem zeitgleich stattfindenden Kongress ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Reisegeschäft. Die ITB ist nur für Fachbesucher geöffnet.
Und wie ist es um den Euro-Preisauftrieb bestellt? Er dürfte sich im Februar stabilisiert haben. Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate wie bereits im Januar bei 1,7 Prozent liegen wird. Die Inflation dürfte somit weiter unter dem Zielwert von 2,0 Prozent bleiben, den die Europäische Zentralbank als ideal für die Wirtschaft im Euroraum ansieht.
Die komplette Wirtschaftsterminübersicht für diese Woche finden Sie hier.