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Frage & Antwort, Nr. 164 Was bewirkt die Achsenverschiebung?

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Verschiebt sich die Erdachse, verändert sich die Erdrotation. Und dann?

(Foto: Wikipedia / AlterVista)

Was für Auswirkungen hat die Verschiebung der Erdachse nach dem Japan-Beben? (fragt B. Groß)

Das Erdbeben, das Japan am 11. März 2011 mit einer Stärke von 9,0 auf der Richterskala erschütterte, hat mit seiner Wucht große Landmassen verlagert. Nach Angaben von US-Geologen wurde die japanische Hauptinsel dabei um 2,4 Meter verrückt. Und nicht nur das. Gleichzeitig verschob sich auch die Erdachse, und zwar, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie ermittelte, um rund 10 Zentimeter. Ungewöhnlich ist das nicht, denn bei Erdbeben werden Gesteinsmassen ins Erdinnere gedrückt. Die Erdachse bleibt davon nur unberührt, wenn das Beben in Achsenmitte stattfindet, also am Äquator. Auch 2010 hatte sich die Rotationsachse unseres Planeten Berechnungen zufolge schon mal um 8,8 Zentimeter verschoben. Damals war das Chile-Beben schuld. Und die Erschütterungen, die 2004 zu den zerstörerischen Wellen im Indischen Ozean führten, wirkten sich ebenfalls auf die Erdachse aus. Sie veränderten deren Position um rund sieben Zentimeter - sagte seinerzeit die NASA.

Zentimeter um Zentimeter

Die Verschiebungen der Erdachse scheinen sich aufzusummieren. Da drängt sich die Frage auf, ob wir davon nicht allmählich mal etwas merken müssten. Irgendwelche Folgen muss es doch haben, wenn die Erdachse nicht mehr dort ist, wo sie früher einmal war. Oder?

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Hier an einem Satelliten-Modell: Franz Ossing, Pressesprecher des Deutschen GeoForschungsZentrums in Potsdam.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Franz Ossing, Pressesprecher des Deutschen GeoForschungsZentrums Potsdam, kann uns darauf eine Antwort geben."Die Verschiebung der Erdachse nach dem jüngsten Beben ist eine rein theoretisch errechnete", sagt er. "Und sie hat keine praktischen Auswirkungen für uns." Wie Ossing betont, waren die Massenumlagerungen bei dem Erdbeben in Japan sicherlich gewaltig. "Aber verglichen mit den atmosphärischen Massen oder den Wassermassen, die täglich auf dem Globus in Bewegung sind, ist das eine kleine Menge", so der Experte. "Die Rotationsschwankungen und ähnliches, was daraus folgt, sind nicht nachweisbar."

Beschleunigung hier, Bremse dort

Grundsätzlich ändert sich mit der Verschiebung der Erdachse die Drehbewegung der Erde um sich selbst. Das wiederum hat dann Auswirkungen auf die Tageslänge. Die ist aber ohnehin nicht recht konstant. Massenverlagerungen im flüssigen äußeren Erdkern machen sich hier ebenso bemerkbar wie zum Beispiel längerfristige Verschiebungen der Eisverteilung auf der Erdoberfläche. Auch Winde, die auf Gebirgsketten treffen, können sich auf die Erdrotation und damit auf die Tageslänge auswirken. Doch spürbar sind diese Einflüsse für uns nicht. Das Seebeben von 2004 hat die Erdrotation so beschleunigt, dass sich die Tageslänge um acht Millionstel Sekunden verkürzte. Das Chile-Beben verringerte die Dauer eines Tages abermals um 1,26 Millionstel Sekunden. Die Auswirkungen der durch Beben verschobenen Erdachse sind damit so gering, dass wir sie nicht merken. Sie lassen sich nicht einmal messen. Aber berechnen.

Wenn man so will, wirken Erdbeben mit einer Beschleunigung der Erdrotation einer anderen Entwicklung geringfügig entgegen: Durch die Gezeiten wird die Erdrotation nämlich permanent gebremst. Ebbe, Flut und Mond sorgen dafür, dass die Tage langsam, aber stetig länger werden. Fossilien verraten es: Heute dauert ein Tag vier Stunden länger als noch vor 310 Millionen Jahren.

Quelle: n-tv.de