Auto

Langstrecke auf dem Nürburgring24 Stunden "grüne Hölle"

17.05.2010, 14:38 Uhr
imageMarkus Mechnich
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Fast Serie: Der Peugeot RCZ im Renntrimm unterwegs auf der Nordschleife. (Foto: Markus Mechnich)

Mehr als 100.000 Zuschauer haben sich bei äußerst mäßigem Wetter zur 38. Auflage des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring eingefunden. Während an der Spitze werksunterstützte Teams um den Sieg kämpfen, haben im Feld zwei Hersteller ganz andere Ambitionen.

Ankommen, heißt die Devise für alle, die sich auf den Ritt durch die „grüne Hölle“ in der Eifel begeben. Dieses oberste Ziel hat sich auch Joey Kelly, der prominenteste Fahrer des deutschen Peugeot-Teams, gesteckt. "Ich bin jetzt vier Jahre nicht mehr Rennen gefahren. Das ist schon eine Herausforderung für mich", sagt der Künstler, der mit der Kelly Family berühmt wurde, aber in den letzten Jahren vor allem durch seine sportlichen Aktivitäten Schlagzeilen gemacht hat.

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Prominenter Pilot: Der rennerfahrene Joey Kelly vor seinem ersten Einsatz beim diesjährigen 24-Stunden-Rennen. (Foto: Andreas Ries)

Zwei Modelle des neuen RCZ, des Mittelklassesportlers des französischen Herstellers, hat man in der Eifel in das harte Langstrecken-Rennen geschickt. Allerdings keine hochgerüsteten Rennboliden mit der Unterstützung eines Werksteams. Die beiden Autos, die sich da an Start begeben sind nur in relativ geringem Umfang modifiziert. Aus den 163 PS, die der normale RCZ mit dem Zwei-Liter-Diesel leistet, wurden mittels technischer Aufrüstung 200 gemacht. Kleinere Abstimmungen gab es am Fahrwerk und natürlich musste ein Schutzkäfig in das Auto.

Schnell durch die Nacht

"Die Fahrzeuge sind fast Serie", betont Peugeot-Pressesprecher Bernhard Voss, der sich um die Fahrer kümmert. Die erfahrenen Nordschleifen-Piloten Jürgen Nett, Henning Klipp und Michael Bohrer komplettieren das Fahrer-Quartett auf deutscher Seite. Im zweiten Auto mit französischer Besatzung wechseln sich Stephane Caillet, Cyrus Ayari, Olivier Perez und Jean-Philippe Peugeot ab. Letzterer ist Teil der Peugeot-Familie, die dem Autokonzern den Namen gab.

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Der n-tv-Autoexperte Klaus Niedzwiedz vor dem Start. (Foto: Andreas Ries)

Die Standfestigkeit des RCZ will Peugeot mit dem Einsatz beim Eifel-Marathon beweisen. Das ist wohl gelungen, denn beide Autos haben auf dem Nürburgring die Zielfahne gesehen. Und das auf den ersten beiden Plätzen ihrer Klasse. Dabei glänzten sie weniger durch schnelle Rundenzeiten als durch Konstanz. "Während die Gegner in der Nacht fast eine Minute langsamer unterwegs waren, konnten wir noch einen drauf legen", erklärt Kelly die Strategie des Teams. Die Ankunft und der Klassensieg sind große Erfolge für Peugeot, wo erst vor einem halben Jahr die Entscheidung fiel, am 24-Stunden-Rennen teilzunehmen. Da blieb nicht viel Zeit für die Vorbereitung.

VW mit Gas zum Ziel

Einen ganz anderen Ansatz wählt das Werksteam von Volkswagen für den Einsatz auf dem mittlerweile legendären Langstreckenrennen. VW schickt drei Erdgas-Autos ins Rennen. Der Scirocco GT24-CNG mit dem n-tv-Logo wird unter anderem gesteuert von unserem Auto-Experten Klaus Niedzwiedz, unserem Auto-Experten aus dem Magazin "PS", das jeden Donnerstag auf n-tv ausgestrahlt wird. Er wechselt sich ab mit der ehemaligen DTM-Pilotin Vanina Ickx, Dieter Depping und dem arabischen Rennfahrer Nasser Al-Attiyah aus Quatar.

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Erdgas-Power: Der Scirocco GT24 CNG konnte sich einen respektablen 16. Platz im Gesamtklassement erkämpfen. (Foto: Markus Mechnich)

Schon im letzten Jahr konnte das Team die Wertung ihrer Klasse gewinnen. Auch heuer lief es gut auf der Nordschleife, die vor allem der Sieger von 1987, Klaus Niedzwiedz bestens kennt. Damals pilotierte er noch einen For Sierra Cosworth. Da ist er jetzt weitaus umweltschonender unterwegs. "Wir haben beim Tanken einen Zeitgewinn, weil die Betankung mit Erdgas weitaus schneller vonstatten geht als bei den Benzinern", stellt Niedzwiedz fest.

Mit 330 PS auf der Nordschleife

Aber das alleine ist es nicht, was das Auto mit der Nummer 117 auf den 16. Platz vorspült. Mit einer Rundenbestzeit von 9,15 Minuten stellt er selbst stärkere Autos, wie einen Porsche 997 GT3 in den Schatten. Die Leistung von 330 PS wird von dem rennerfahrenen Team nahezu perfekt auf der Strecke umgesetzt. Selbst in der Nacht geben sich die vier Fahrer keine Blöße und schreiben konstante Rundenzeiten.

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Formationsflug: Beide Peugeot RCZ haben am Ende die Zielflagge gesehen. (Foto: Markus Mechnich)

Zwei Ansätze, zwei Erfolge: Sowohl Peugeot als auch Volkswagen können zufrieden sein mit dem Einsatz beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Beide sind angekommen und haben ihre Klassen gewonnen. Um den Gesamtsieg ging es bei beiden Teams nicht. Während Peugeot die Standfestigkeit seines RCZ unter Beweis stellen wollte, hat VW erneut gezeigt, wie leistungsfähig ein Erdgasauto sein kann. Das Comeback im nächsten Jahr ist bei beiden Herstellern nicht ausgeschlossen, eher sogar wahrscheinlich.