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Autobauer Opel hat sich mit seinem Werbeversprechen einer "lebenslangen" Garantie massiven Ärger eingehandelt. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat den Hersteller abgemahnt.
Autobauer Opel hat sich mit seinem Werbeversprechen einer "lebenslangen" Garantie massiven Ärger eingehandelt. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat den Hersteller abgemahnt.
Dienstag, 17. August 2010

"Lebenslange Garantie": Abmahnung für Opel

Was genau bedeutet "lebenslange Garantie"? Mit diesem Versprechen hat Opel eine Werbekampagne gestartet. Das Unternehmen hat sich damit aber Ärger eingehandelt, denn die Wettbewerbszentrale hat die Rüsselsheimer abgemahnt. Außerdem soll die Kampagne zügig eingestellt werden.

Opel verspricht eine "lebenslange Garantie" für Neuwagen. Damit will die Marke Kunden gewinnen. Doch die PR-Aktion droht zum Eigentor zu werden. Die Wettbewerbszentrale moniert: Die Garantie gilt mitnichten lebenslang, die Werbung führt in die Irre.

Schlechte Schlagzeilen hatte der Autobauer Opel in den letzten Monaten genug: Rote Zahlen, Ruf nach Staatshilfen, Stellenabbau. Diese Spirale will Opel-Chef Nick Reilly mit einer neuen Strategie durchbrechen. Mit einer als "lebenslang" gepriesenen Garantie auf alle neuen Opels will er den ramponierten Ruf der Marke reparieren und Kunden im hartumkämpften europäischen Automarkt zurückgewinnen.

Irreführende Blickfangwerbung

Doch nicht alle Experten glauben, dass eine Garantie, wie sie Kia oder Hyundai schon länger geben, die Käufer wirklich überzeugen kann. Und damit nicht genug: Jetzt droht die Wettbewerbszentrale mit einer Klage, wenn der Hersteller die Kampagne "Die lebenslange Garantie auf Ihren Opel" nicht zügig einstellt: "Wir beanstanden eine irreführende Blickfangwerbung, weil entgegen der vollmundigen Ankündigung eine 'lebenslange' Garantie tatsächlich nicht von Opel gewährt wird", sagt Reiner Münker, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale.

Bei einer "lebenslangen" Garantie erwarte der Verbraucher, dass die Garantie greift, solange er den Wagen fährt. "Und zwar unabhängig von der Laufleistung des Wagens - eben eine Garantie für die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs", betont Münker.

Sternchen reicht nicht

Tatsächlich ist die Laufleistung aber auf 160.000 Kilometer begrenzt, Materialkosten müssen bereits ab 50.000 Kilometern anteilig vom Autobesitzer getragen werden. Das sei in den Augen der Verbraucher definitiv keine "lebenslange" Garantie. Die "Lüge" im Blickfang der Werbung könne nicht durch einen Sternchenhinweis aufs Kleingedruckte "aufgeklärt oder relativiert werden".

Der Präsident des Gesamtverbands Autoteile-Handel, Hartmut Röhl, schimpft: "In dem marktschreierischen Angebot liegt eine gehörige Portion Verdummung des Verbrauchers." Röhl ist überzeugt: "Der mit dem Wort "lebenslang" genährten positiven Verbrauchererwartung - keine Kosten bei Defekten im Laufe des Autolebens - wird Ernüchterung folgen, wenn im Reparaturfall die Abzüge bei den Materialkosten erfolgen oder Defekte überhaupt nicht abgedeckte Baugruppen betreffen."

Unterstützung von Verbraucherschützern

Keine Frage: Reilly tut gut daran, die Qualität der neuen Modelle wie Insignia und Astra herauszustellen. Denn das Image der Marke hatte in den vergangenen Jahren stark gelitten. Reilly betonte Anfang August öffentlichkeitswirksam: "Mit der lebenslangen Garantie unterstreichen wir unser Vertrauen in die Qualität und Werthaltigkeit unserer Produkte."

Verbraucherschützer haben jedenfalls großes Verständnis für die Abmahnung. "Werbung darf übertreiben, aber kein Etikettenschwindel sein", sagt die Juristin Helke Heidemann-Peuser vom Bundesverband Verbraucherzentrale. Zwar würde die irreführende Werbung möglicherweise Interessenten in die Opel-Häuser locken. Dass sich tatsächlich jemand in der Annahme einen Wagen kauft, Opel übernehme bis zum Sankt Nimmerleinstag sämtliche Reparaturkosten, sei aber unwahrscheinlich.

"Übertriebenes" Versprechen

Auch beim Automobilclub von Deutschland (AvD) glaubt man, dass sich die Verbraucher von der Opel-Aussage nicht in die Irre führen lassen. Ein informierter Konsument gehe davon aus, dass Garantien stets eingeschränkt würden, meint AvD-Sprecher Albrecht Trautzburg.

Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach hält das "lebenslange" Versprechen zwar für "etwas übertrieben". In der Summe sei die Garantie aber nicht schlecht. Im Prinzip handele es sich ohnehin vor allem um ein Qualitätsversprechen. "Geht diese Rechnung auf, wird das Image gestärkt. Sollte Opel sein Versprechen aber nicht einhalten können, wäre das der Super-Gau."

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Quelle: n-tv.de