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Hyundai ix35 mit frischer OptikAllrad für die City

10.03.2010, 08:31 Uhr
imageAxel F. Busse
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Der Nachfolger des Hyundai Tucson wurde für den europäischen Geschmack gestylt. (Foto: Hyundai)

Gelände- und stadttauglich: Hyundai schickt seinen neuen kompakten Allrader ins Rennen gegen Importautos und einheimische Marken. Optisch macht das Vielzweckauto einiges her.

Ein neuer kompakter Allradler soll der koreanischen Marke Hyundai helfen, ihren Markteinteil in Deutschland zu stabilisieren. Obwohl durchaus geländegängig, nennt der Hersteller das Auto "Cityroader". Eine wichtige Eigenschaft für die Stadt unterscheidet den ix35 von fast allen Konkurrenten. Das flott gezeichnete Vielzweck-Auto kann auf Wunsch sogar selbstständig einparken.

Im Segment der kompakten SUV herrscht drangvolle Enge. Es wird von den Herstellern zwar immer noch als Wachstumsmarkt gesehen, aber die Zahl der Wettbewerbern ist fast unüberschaubar. Raum für neue Mitspieler scheint es nur zu geben, wenn einer einen Platz frei macht. Die Lösung dieses Problems hat Hyundai selbst in die Hand genommen, in dem der ix35 das Modell Tucson ablöst. Das Fahrzeug erfreute seit 2004 mehr als 50.000 Kunden in Deutschland und hat seine Mission somit erfüllt.

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Konkave und konvexe Linien bestimmen die Heckpartie des ix35. (Foto: Hyundai)

Der Nachkomme soll, so verkündet der deutsche Hyundai-Geschäftsführer Werner H. Frey selbstbewusst, nicht nur Importautos wie Toyotas RAV 4, dem Mitsubishi Outlander oder dem Renault Koleos (der ja genau genommen auch ein koreanisches Produkt ist) Kunden abjagen, sondern auch einheimischen Angeboten wie dem Ford Kuga, dem VW Tiguan oder dem BMW X1 Paroli bieten. Nur das Produkt aus dem eigenen Hause, so preist Frey die Vorzüge des am vergangenen Wochenende bei den Händlern vorgestellten Fahrzeugs, vereine "auf so überzeugende Weise die Werte Sportlichkeit, Dynamik und Fahrspaß mit den praktischen Vorzügen dieser Klasse".

Ziel: "Zwei vor dem Komma"

Als Hersteller einer soliden Auswahl an Kleinwagen hat Hyundai natürlich enorm von der Umweltprämie profitiert und laut Kraftfahrtbundesamt im vergangenen Jahr einen Zuwachs an Neuzulassungen von fast 77 Prozent erzielt. Das Jahr schloss der Hersteller mit einem Marktanteil von 2,4 Prozent ab. Und obwohl in der gesamten Branche mit einem deutlichen Rückgang des Volumens in 2010 gerechnet wird, macht Werner Frey in Selbstbewusstsein und Optimismus: "Die zwei vor dem Komma steht". Mit einer Steigerung auf 16 Baureihen, 17 Neuvorstellungen und einem Dutzend Überarbeitungen bis 2015 soll dieser Kraftakt gelingen.

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Wer Helligkeit im Innenraum schätzt, bekommt das Panorama-Glasdach für 1100 Euro extra. (Foto: Hyundai)

Eine elegante und originelle Linienführung, ist dem ix35 nicht abzusprechen, die Optik zeichnet ein gelungenes Spiel aus konkaven und konvexen Flächen aus. In der Designwertung ist er um Längen besser als der Tuscon, dessen Karosserie stets die Aura des Hausbackenen umwehte. Der Nachfolger ist komplett in Europa entworfen und für diesen Markt gebaut. Zunächst wird er mit drei verschiedenen Motorisierungen angeboten, wobei es einen Otto- und zwei Dieselmotoren gibt. Alle Aggregate sind Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum, wobei der Benziner mit 163 PS, die Selbstzünder wahlweise mit 136 oder 184 PS antreten. Alle Motoren erfüllen die EU-5-Norm und sind wahlweise auch mit reinem Frontantrieb kombinierbar.

Der enorme Leistungsunterschied der beiden Diesel wird allein durch das elektronische Motormanagement erreicht. Beide haben nur einen Abgaslader, der mit variabler Turbinengeometrie ab 1800 Umdrehungen schon 320 Newtonmeter Drehmoment bereit stellt. In der Spitze erreicht der stärkere Motor sogar 392 Nm. Für die Kraftübertragung werden je nach Motorisierung 5- oder 6-gängige Handschaltungen genutzt, für 1450 Euro extra kann man auch eine sechsstufige Wandlerautomatik bekommen. Im Herbst dieses Jahres soll das Motorenangebot mit einem 1,6 Liter großen Benziner und einen 1,7-Liter-Einstiegsdiesel ergänzt werden. Auf Start-Stopp-Automatik und Schaltpunktanzeige muss im "Cityroader" nicht verzichtet werden.

Temperament durch Drehzahl

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Längs- und Höhenverstellung fürs das Lenkrad sind serienmäßig. (Foto: Textfabrik/Busse)

Auf den ersten Testkilometern in urbaner Umgebung erwies sich der Zweiliter-Benziner als sehr laufruhig und kultiviert. Der 16-Ventil-Motor will aber durch Drehzahl bei Laune gehalten werden, fällt sie – zum Beispiel bei frühem Schalten – unter ein gewisses Maß ab, gerät der Vortrieb ein wenig ins Stocken. Ein manuelles Sechsganggetriebe wäre auch für diesen Benziner wünschenswert, denn bei längeren Fahrten kann so die Drehzahl gedrosselt, das Geräuschniveau minimiert und der Verbrauch positiv beeinflusst werden. Nach EU-Norm soll der Zweiliter-Benziner acht Liter je 100 Kilometer verbrauchen (in der Frontantriebs-Variante), 8,4 wurden für die 4x4-Version gemessen. Der etwas robust klingende Dieselmotor (mit Automatik) erlaubte sich im Kurztest keine Schwächen, brachte sein Drehmoment beherzt auf die Straße und ist auch mit einem Normverbrauch von 7,2 Litern leidlich genügsam.

Die vor Jahrzehnten eingeleitete Eroberung des europäischen Marktes durch asiatische Autohersteller baute von Beginn an auf ein hohes Ausstattungsniveau ab Werk auf. Diese Tradition setzt auch der ix35 fort, in dem die für 20.990 Euro ausgepreiste Grundausstattung (mit Frontantrieb) bereits Leichtmetallfelgen, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Zentralverriegelung. Bordcomputer sowie eine Audioanlage beinhaltet, die auch über Anschlüsse für MP3-Geräte verfügt. Für den günstigsten VW Tiguan muss man 5060 Euro mehr bezahlen. Den ix35 mit Allradantrieb gibt es ab 22.690 Euro.

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Die Beinfreieheit hinten ist ordentlich, über dem Kopf kann es eng werden. (Foto: Hyundai)

Der Innenraum ist freundlich gestaltet, kommt aber nicht ohne großflächige Kunststoff-Oberflächen aus, die ein wenig zu schlicht wirken, um mit Premium-Anbietern konkurrieren zu können. Die Beinfreiheit auf der Rückbank ist ausreichend, doch die nach hinten abfallende Dachlinie bringt für groß Gewachsene Einschränkungen in der Kopffreiheit mit sich. Die Polster sind bequem und sind schon in der mittleren Ausstattungslinie beheizbar und mit einer Stoff-/Leder-Kombination bezogen.

Der scheinbare Frontalangriff auf den VW-Konkurrenten, der mit seiner Einparkvorrichtung bisher ein Alleinstellungsmerkmal im Segment besaß, relativiert sich jedoch etwas, wenn man sich die Ausstattungsoptionen genau ansieht. 27.210 kostet der Hyundai mindestens, wenn er mit dem automatischen Lenksystem ausgestattet sein soll. Der Preisvorteil gegenüber dem Wolfsburger Wettbewerber ist dann auf 2165 Euro geschmolzen.