Schwere EntscheidungBenziner oder Diesel?

Wer sich ein Auto kauft, investiert in die Zukunft. Eine Faustregel besagt, ein Diesel rechnet sich bei einer Laufleistung von 15.000 Kilometern im Jahr. Doch ist dieser Grundsatz angesichts steigender Spritpreisen noch gültig? Wie sieht es mit dem Wertverlust und den allgemeinen Fixkosten aus?
Einst war die Frage, ob man lieber einen Diesel oder einen Benziner fährt, eine Glaubensfrage. Niedriger Verbrauch stand gegen Fahrfreude. Heute sind Diesel mindestens genauso spritzig wie Benzinmotoren, knausern aber weiter im Verbrauch. Aufwendige Hochdruck-Einspritzung, ausgeklügelte Aufladung und eine raffinierte Motorsteuerung haben den Diesel zudem leise und schnell wie einen Benziner gemacht.
Aber auch die Benzin-Fraktion hat nicht geschlafen. Eine neue Generation von Ottomotoren wurde entwickelt, die kleine Hubräume mit Direkteinspritzung und Aufladung kombiniert und den Verbrauch weiter minimiert. Beim Kauf eines Neuwagens bleibt die Frage nach dem Antriebskonzept also weiter spannend.
Wer mit einer neuen Karosse liebäugelt, sollte sich einige Fragen stellen. Um diese zu beantworten, sollen zwölf ausgesuchte Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum SUV einander gegenübergestellt werden. Im Vergleich sind je zwei Autos des gleichen Typs, jeweils mit Selbstzünder oder Ottomotor, mit annähernd gleicher Leistung und Hubraum. Bei der Berechnung werden ein durchschnittlicher Benzinpreis von 1,53 Euro und ein Dieselpreis von 1,40 Euro zur Grundlage genommen. Berücksichtigt werden auch die CO2-Emissionswerte, die daraus resultierende Kfz-Steuer, Versicherungen und der absehbare Wertverlust.
Was ist sparsamer?
Hier gewinnt in der Regel der Diesel. Der wird auch angesichts der noch subventionierten Dieselpreise attraktiv. Aber: Der Preisvorteil von Diesel gegenüber Benzin sinkt. Lag er 2010 noch bei 19 Cent pro Liter, sind es mittlerweile im Schnitt noch knapp 10 Cent. Zwischenzeitlich näherten sich die Preise an den Tankstellen aktuell bis auf zwei Cent an. Und die Kosten für Diesel werden mindestens noch fünf Jahre weiter steigen, prognostiziert eine Studie des Center of Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Großzügige Steuervorteile haben in den vergangenen zwanzig Jahren in Deutschland für einen wahren Boom bei Diesel-Pkw gesorgt. Aber auch ohne den Wegfall der Subvention werden sich die Diesel-Preise denen von Benzin dauerhaft annähern. Angesichts der steigenden Nachfrage könnte sein Erfolg so zum Nachteil werden.
Was ist wirtschaftlicher?
Der Anschaffungspreis für einen Diesel liegt fast immer höher. Da der Verbrauch geringer ist, muss errechnet werden, wie viele Kilometer ein Diesel fahren muss, um das Kostenniveau eines Benziners zu erreichen. Lange Zeit galt: Diesel lassen sich als Gebrauchtwagen besser verkaufen als Benziner. Weil die Vorteile beim Spritpreis und beim Verbrauch aber geringer werden, stimmt auch dieses Argument nicht mehr uneingeschränkt. Experten gehen davon aus, dass die Unsicherheiten, die heute im Dieselpreis liegen, auch zu einem Verfall der Wiederverkaufswerte beitragen.
Fazit: Nimmt man den Verbrauch und die Laufleistung von Benzinern und Dieseln zur Grundlage, ergibt sich ein erstaunliches Bild. Trotz höherer Anschaffungskosten liegen die Selbstzünder spätestens ab einer Laufleistung von 20.000 Kilometern im Jahr in der Wirtschaftlichkeit vor den Ottomotoren. In drei Fällen können sich die Diesel sogar bei 10.000 Kilometern vor den Benzinern platzieren.
Wie hoch ist die Kfz-Steuer?
Angesichts der CO2-Abgabe, die seit dem 01. Januar 2012 greift, sollte ein Neuwagenkäufer auch die Emissionswerte im Blick haben. Der steuerfreie Teil des Kohlendioxid-Ausstoßes sank seit Anfang des Jahres von 120 auf 110 g/km. Jedes Gramm mehr kostet pro Jahr zwei Euro. Die Regelung betrifft aber nur Autos, die nach dem Jahreswechsel erstmals zugelassen wurden. Alle anderen Fahrzeuge bleiben im bisher gültigen Tarif. So musste der Käufer eines VW Passat 2.0 TDI mit einem CO2-Ausstoß von 120g/km bisher keine Strafsteuer bezahlen. Meldet er den Wagen jedoch in diesem Jahr erstmals an, werden alle zwölf Monate 20 Euro mehr Kfz-Steuer fällig. Hinzu kommt, dass für alle neu zugelassenen Benzin- und Dieselmodelle 2014 die nächste Runde bei der Besteuerung beginnt. Dann sinkt der CO2-Grenzwert auf 95 g/km.
Neben der CO2-Steuer wird auch noch ein Sockelbetrag fällig. Dieser orientiert sich am Hubraum des Fahrzeuges. Bei Benzinern müssen Besitzer zwei Euro je angefangene 100 ccm² zahlen, bei Dieseln werden 9,50 Euro fällig.
Welche Versicherungskosten fallen an?
Ein Neuwagen sollte unbedingt mit einer Vollkaskoversicherung abgesichert werden. Die Beträge schwanken hier und sind abhängig von der Höhe der Selbstbeteiligung, der Regionalklasse und der jeweiligen Typklasse oder etwaigen Rabatten. In der Tabelle wird eine Vollkaskoversicherung mit 500 Euro Selbstbeteiligung inklusive einer Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung und einem Beitragssatz von 50 Prozent vorausgesetzt.
Wie hoch ist der Wertverlust?
Der größte Posten der monatlichen Autokosten ist der Wertverlust eines Fahrzeuges. Wer sich innerhalb von vier Jahren ohne Fremdfinanzierung ein neues Auto kaufen will, der muss den monatlichen Wertverlust mit einer eben so hohen Spareinlage puffern. Gemeinsam mit dem Verkauf des alten Wagens wäre dann die Summe für den Neuwagen erreicht. Wer sein Auto finanziert, sollte auch die Höhe der Zinsen in die Rücklagen einfließen lassen. Wertmindernd für ein Fahrzeug wirken auch Modellwechsel oder ein sogenanntes Facelifting. Zusatzausstattungen eines Fahrzeuges können den Wiederverkaufswert aber auch positiv beeinflussen. Dazu gehören in der Regel Extras, die die klassenübliche Ausstattung eines Fahrzeuges übersteigen: Klimaanlage, Metallic-Lackierung, Fahrdynamikregelung, Panoramadach und vieles mehr.
Fazit: Auch im Gesamtkostenvergleich gibt es keinen eindeutigen Sieger. Die Kontrahenten Benziner und Diesel trennen sich unentschieden. Wer als Autokäufer also genau rechnet, kann auch in Zukunft seine individuellen Vorlieben bezüglich der Motorisierung ausleben. Nach wie vor rechnen sich Dieselfahrzeuge bei hohen Laufleistungen. Angesichts spritsparender Motoren haben die inzwischen sogar bei wenigen Kilometern im Jahr die Nase vorn. Sollte irgendwann aber die Subvention für den Diesel wegfallen und die Abgasgrenzwerte weiter verschärft werden, muss die Frage Benziner oder Diesel neu gestellt werden.