Auto

Für jeden das passende Rad Cargo-Bikes - die Lust an der Last

221707754.jpg

Cargo-Bikes sind in ihrer Ausführung inzwischen so verschieden wie ihr Einsatzgebiet.

(Foto: dpa)

Wer auf der Suche nach einem Lastenrad ist, hat inzwischen die Qual der Wahl. Klein oder groß? Zwei oder drei Räder? Flink oder stark belastbar? Die angebotenen Varianten sind inzwischen so verschieden wie die Interessen der Kundschaft. Hier ein Überblick.

Wer mit einem Lastenrad liebäugelt, steht vor der Frage, welche Art er wählen soll. Cargo-Bikes werden zumeist in vier Grundtypen unterteilt, die ihre Vor- und Nachteile in Hinblick auf Einsatzzweck, Kosten und Fahreigenschaften haben. Darüber hinaus gibt es noch einen neuen Typus, der das klassische Schema verlässt.

Ca Go Bike_ABC2020-3725_Application_1 Kopie.jpg

Das innovative Ca Go von Cagobike ist mit knapp 6600 Euro nicht billig.

(Foto: Ca Go Bike)

Wer Wert darauf legt, mit einem Fahrrad möglichst schwere Lasten transportieren zu können, sollte sich bei den Trikes umschauen. Ein Klassiker ist etwa das aus Dänemark stammende Christiana, welches hinten wie ein klassisches Fahrrad aussieht, vorne jedoch eine breite Achse mit zwei Rädern und eine Ladebox hat. Letztere kann sehr geräumig ausfallen. Der Vorteil der Dreiräder ist die hohe Belastbarkeit sowie ihre Stabilität, da die zweispurige Achse für einen sicheren Stand sorgt. Ein Nachteil: Sie brauchen große Parkflächen und breite Fahrradwege. Zudem ist man meist nicht sehr flott mit ihnen unterwegs.

Etwas für die gewerbliche Nutzung

Mittlerweile gibt es aber ein breites Spektrum recht unterschiedlicher Trike-Typen. Einige Konstruktionen, wie etwa das Humbauer Flexbike mit riesiger Ladebox oder das XCYC mit großer Ladefläche, haben die breite Achse am Heck, die dann Lasten von zum Teil deutlich über 200 Kilogramm verträgt. Diese nicht ganz einfach zu fahrenden Dreiräder sind eher für die gewerbliche Nutzung gedacht. Da sich Dreiräder ziemlich sperrig in Kurven verhalten, werden mittlerweile Konstruktionen mit Neigungstechnik, wie etwa das besonders kompakte Kiffy aus Frankreich oder das aus Köln stammende Chike, angeboten. Ein interessantes Umbau-Kit heißt TreGo, mit dem sich normale Fahrräder zum Trike mit Neigungstechnik für kleine Lasten umbauen lassen. Die Preisspanne von Trikes reicht von niedrigen vierstelligen bis zu fünfstelligen Summen.

chike_cargo_4.jpg

Neigungstechnik wie bei dem Chike Cargo hilft beim Lenken.

(Foto: Chike)

Ein einspuriger Lastenrad-Klassiker ist das Long John. Dieser Typ fällt in der Regel schlanker als die Trikes aus, ist dafür allerdings ziemlich lang. Häufig ähnelt bei Long Johns die hintere Konstruktion einem typischen Fahrrad mit großem Hinterrad. Jenseits vom Lenker geht der Rahmen in die Länge und endet an einem kleinen Vorderrad, das in vielen Fällen per Seilzugmechanik gelenkt wird. Zwischen Lenker und Vorderrad ist Platz für eine große Ladefläche oder -box. Vor allem in der Stadt mit oft engen Fahrradwegen bietet diese Konstruktion Vorteile.

Zudem erfreut es sich bei sportlichen Fahrern größerer Beliebtheit. Ein typischer Long-John-Vertreter ist das elektrisch unterstütze Packster von Riese & Müller, für das eine Vielzahl an Transportlösungen für Gepäck oder Personen erhältlich sind. Den sportlichen Aspekt des Long John rückt das ultraleichte Velosled von Coh&Ho in den Vordergrund. Recht neu ist das Ca Go aus Deutschland, das sich um maximale Sicherheit für Kinder bemüht. Zu den besonders kompakten, weil kurz bauenden Long-John-Vertretern gehören das I:SY Cargo oder das im Frühjahr startende Yoonit. Ob klein oder groß: Long-John-Räder verlangen in der Regel nach gehobener Investitionsbereitschaft. Die günstigsten Modelle liegen bei knapp unter 2000 Euro.

Long Tail oder Backpacker

Convercycle_Einkaeufe.jpg

Nur bei Bedarf ist das Convercycle ein Lastenrad.

(Foto: Convercycle)

Das Long-John-Prinzip wird bei den Long Tail oder Backpacker genannten Lastenrädern umgekehrt. Hier erstreckt sich der Cargo-Bereich hinter dem Sattel. Meist bieten sie sehr groß dimensionierte und besonders stabil konstruierte Gepäckträger, die Aufnahmemöglichkeiten für Transportboxen, Taschen oder Kindersitze bieten. Wie das Long John ist das Backpacker einspurig und entsprechend schlank. Zudem fährt es sich fast wie ein klassisches Fahrrad. Bekannte Anbieter von Backpacker-Rädern sind etwa Klappradspezialist Tern mit dem kompakten GSD oder Yuba aus den USA, die mit dem Allrounder Kombi ein mit rund 1200 Euro sogar vergleichsweise günstiges Long Tail anbieten.

Deutlich günstiger sind die Bäcker- oder Postfahrräder genannten Transporträder, die in der Regel zu Preisen von 600 bis 1200 Euro angeboten werden. Diese meist mit einem bequemen Tiefeinsteigerrahmen kombinierte und normalen Fahrrädern recht ähnliche Typ zeichnet sich durch eine vor dem Lenker liegende Ladefläche aus, auf der sich größeres und auch kleineres Gepäck transportieren lässt. In vielen Fällen zeichnen sich Bäckerfahrräder noch durch eine ähnlich wie vorne konstruierte Transportfläche am Heck sowie einen großen Parkständer aus. Häufig wird das Bäckerfahrrad im urbanen Einsatz zum Einkaufen genutzt, für den Personentransport finden sich in der Regel keine Lösungen.

Alternative Convercycle

35839877.jpg

Der Klassiker in der Landschaft der Lastenräder ist das Bäcker- oder Postfahrrad.

(Foto: dpa)

Eine spannende Alternative zu allen bisher genannten Typen ist das Convercycle genannte Klapp-Lastenrad, welches auf den ersten Blick gar nicht wie ein Cargo-Bike aussieht. Der Clou: Das Hinterrad lässt sich nach hinten wegklappen, was mit einer deutlichen Verlängerung von Radstand und Transportkorb einhergeht. Das so zum Longtail gewandelte Lastenrad kann fortan auch größere Gepäckstücke aufnehmen.

Neben einer rund 2000 Euro teuren Variante mit Bioantrieb ist das Convercycle auch als Pedelec erhältlich. Der Vorteil dieser variablen und außergewöhnlichen Rahmenkonstruktion: Man kann es wie ein normales Fahrrad nutzen, außerdem lässt es sich kompakt parken und nur bei Bedarf zum sperrigen Lastenrad ausbauen. Es eignet sich allerdings nicht für den Personentransport, außerdem sucht man vergebens nach cleveren Gepäcklösungen im Zubehör.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x