40 Jahre Alltagsheld in EuropaFiat 127 wird zum Millionenseller
Der winzige Cinquecento macht Fiat einst zum Sympathieträger. Doch erst das Modell 127 lässt die Italiener in die erste Liga der Kleinwagenhersteller aufsteigen. Modernes Design und zeitgemäße Technik machen die Schräghecklimousine zum Erfolgsmodell für ganz Europa – auch im damaligen Ostblock.
Neben Mini, Renault 5 und Ford Fiesta zählt auch der Fiat 127 zu den Ikonen der Kleinwagengeschichte. Heute ist er fast vergessen, zu seiner Zeit jedoch war er der modernste seiner Art – und wurde zum Millionenseller.
Seine Ausnahmeposition in der Kleinwagengeschichte verdankt der Fiat 127 vor allem der Kombination aus minimalistisch simplen Linien, moderner Technik und einem vergleichsweise großzügig dimensionierten, variablen Innenraum. Gleich zu Beginn seiner über 40-jährigen Erfolgsgeschichte wurde er zum "Auto des Jahres 1971" gewählt. Er war das am meisten verkaufte europäische Auto. Tatsächlich setzte der 3,59 Meter lange Wagen damals Standards als modernster Großserien-Kleinwagen überhaupt: mit Frontantrieb, kräftigen Quermotoren, Einzelradaufhängung und entsprechend souveräner Straßenlage. Vor allem aber mit praktischer Heckklappe.
Furore in Brasilien und Argentinien
Für den Antrieb kam zum Start der altgediente 0,9-Liter-Vierzylinder aus dem Fiat 850 zum Einsatz - kein neuer, dafür aber ein außergewöhnlich zuverlässiger und langlebiger Motor. Die nominell bescheidenen 35 kW/47 PS – in Deutschland zugunsten günstigerer Versicherungseinstufung sogar nur 33 kW/45 PS – trieben den modernen Mini schneller voran als fast alle Konkurrenten. Die erste sogenannte Ölkrise und eine von Fiat flott nachgeschobene 29 kW/40 PS starke "Sparversion" des Fiat 127 für preiswerteres Normalbenzin ließen tatsächlich vor allem in Deutschland manche Fahrer größere Modelle auf den Kleinwagen umsteigen.
Schon in den ersten acht Baujahren verkaufte sich der Typ 127 über vier Millionen Mal, eine weitere Million kam bis 1982 hinzu. Sogar in Brasilien und Argentinien machte der kompakte Fiat Furore – als Volksauto mit der Typenziffer 147. In Jugoslawien lieferte der 127 derweil ab 1981 die Basis für den Zastava Yugo, der als erstes osteuropäisches Auto in den USA vertrieben wurde und dort trotz katastrophaler Fertigungsqualität Kultstatus ob seiner unschlagbar günstigen Preise errang.
Über acht Millionen mal verkauft
1982 debütierte der Nachfolger Uno, der alles noch besser konnte und seinem Namen von Anfang an alle Ehre machte, indem er sofort und damit zwei Jahre schneller als sein Vorgänger die Spitze der europäischen Kleinwagenverkaufscharts eroberte. Als 1996 die endgültig letzten Fiat der Baureihe unter dem Namen 147 aus den argentinischen Werkshallen rollten, zählten die europäischen Geschwister längst zu den akut gefährdeten Arten, die vom Rostteufel mit dem Garaus bedroht wurden.
Nicht selten verwelkten die italienischen Minis für die Masse bereits in jungen Jahren. Dafür zählt der Fiat 127 noch heute zum erschwinglichen Held des Alltags, der bei Youngtimer-Rallyes mehr Applaus erhält als mancher rare Ferrari. Für den Fiat 127 war die in 25-jähriger Bauzeit erreichte globale Gesamtstückzahl von über acht Millionen Einheiten ein überaus stolzes Ergebnis, zu dem eine konsequente Modellpflege mit immer neuen Varianten und Motoren entscheidend beitrugen.