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Etwas Fitness gehört dazu Harley Low Rider S - ein echtes Macho-Bike

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Man muss schon der Typ für eine Harley Low Rider S sein.

(Foto: Harley)

Die Low Rider S ist auch in ihrer Neuauflage nichts für Freunde der Lang- oder Rennstrecke. Sie ist und bleibt ein Bike für den kurzen Ausritt, bei dem der Fahrer die Sinne der Umstehenden in hohem Maße reizen kann.

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Die Low Rider ist ein böses Macho-Bike im positivsten Sinne.

(Foto: Harley)

Jedes Motorrad verrät etwas über den Charakter seines Besitzers. Und weil die Charaktere bekanntlich höchst unterschiedlich sind, bieten Motorradhersteller zumeist eben nicht nur eines, sondern mehrere Modelle an. Dicke Tourer für die Gemütlichen unter uns, sehnige Sportbikes für die Mitglieder der Schnellfahrer-Fraktion oder Reiseenduros für jene, die sich selbst als die Universalisten auf zwei Rädern sehen. Wer’s als Hersteller ganz genau nimmt, der untergliedert sogar seine Baureihen gleich mehrfach, um möglichst jeden als Käufer abzuholen. Harley-Davidson hat darin große Fertigkeit entwickelt. Jetzt bescheren uns die Mannen aus Milwaukee mit der Low Rider S ein ziemlich böses, ganz sicher aber extrem motorisiertes Macho-Bike.

Die Low Rider ist nicht nur irgendein Modell im Programm von Harley, sie ist ein besonders markantes Mitglied der Softail-Baureihe. Die ist mit ihrem Starrahmen-Look vor 35 Jahren erstmals auf den Markt gebracht worden und nach wie vor eine der beliebtesten Plattformen der US-Amerikaner. Mittlerweile werden nicht nur die Triebwerke des Typs Milwaukee-Eight 107 mit 1745 Kubikzentimetern Hubraum verwendet, sondern es gibt für einige Modelle auch den größeren 114er-V2 mit 1868 Kubikzentimetern Hubraum.

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Böse auch der Sound, den die Low Rider S aus den Endrohren entlässt.

(Foto: Harley)

Als mittlerweile 13. Version der Modellfamilie gesellt sich nun als "kleinste" Softail mit dem fetten Twin die soeben in San Diego präsentierte Low Rider S hinzu: Mit 19.795 Euro bleibt sie so eben noch unter der 20.000 Euro-Grenze, während sie die 300 Kilo-Marke um acht Kilogramm überschreitet. Gegenüber der Low Rider, die das etwas kleinere Triebwerk aufweist, sind bei der S-Version zahlreiche Änderungen zu notieren, die den Fahreindruck recht deutlich beeinflussen.

Die Vergangenheit hinter sich gelassen

Wer sich bei der Modellbezeichnung Low Rider S irritiert hinterm Ohr kratzt und meint, sich an eine Harley dieses Namens zu erinnern, liegt richtig: 2016 war die erste Low Rider S erschienen, damals freilich auf Basis der inzwischen nicht mehr angebotenen Dyna. Mit diesem Modell hat die neue Low Rider S außer der Scheinwerferverkleidung und zwei, drei weiteren Kleinigkeiten nichts mehr gemeinsam. Insofern ist sie ein echtes Neumodell.

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Ab 200 Touren zieht die Low Rider S richtig ab.

(Foto: Harley)

Dominierend beim Fahren ist ihr extrem durchzugsstarker V2, dessen Maximalleistung 94 PS beträgt; weitaus wichtiger für den gewaltigen Bumms ist jedoch ihr mächtiges Drehmoment: Bereits ab Standgas liegen mehr als 100 Newtonmeter an, der Gipfel von 155 Newtonmeter wird bereits bei 3000 Kurbelwellnumdrehungen erreicht. In der Praxis pfeilt die Low Rider S davon, sobald die Nadel des Drehzahlmesser die 2000 erreicht. Dann gibt’s bis fast 5000 Touren kein Halten mehr. Mit vier Ventilen, Doppelzündung und ölgekühltem Auslassbereich ist der ansonsten luftgekühlte V2 des Typs Milwaukee-Eight 114 technisch up to date; zwei Ausgleichswellen sorgen dafür, dass keine störenden Vibrationen in den Quasi-Starrrahmen eingeleitet werden.

Das Federbein, in der Vorspannung stufenlos hydraulisch einstellbar, versteckt sich unter dem Sitz. Es liefert angesichts von nur 11,2 Zentimetern Federweg eine erstaunlich gute Leistung ab. Die vordere Upside-down-Telegabel spricht sehr fein an, so dass auf den 13 Zentimetern Federweg nur wenige harte Stöße durchgereicht werden. Auf vielleicht noch höherem Niveau arbeitet die Dreischeiben-Bremsanlage; das im Hintergrund wachende, optisch kaum erkennbare ABS greift, sofern nötig, beherzt ein.

Fitness ist Grundvoraussetzung

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Als Fahrer muss man auf der Low Rider S lange Arme machen, denn der Lenker ist weit nach vorne gerückt.

(Foto: Harley)

Der Kerl, der die Low Rider S als ständige Begleiterin auserwählt tut gut daran, sich permanent fit zu halten. Womit weniger die Armmuskulatur gemeint ist als vielmehr die Gelenkigkeit. Denn die Sitzposition fordert ihm – erst recht auf längeren Ausfahrten – allerhand ab: Die Sitzoberfläche befindet sich nur 69 Zentimeter über dem Asphalt, wohingegen die Fußrasten einerseits zugunsten genügend Schräglagenfreiheit recht hoch und recht weiter hinten montiert sind.

Zudem ist der Lenker eher hoch und zugleich weiter vorn platziert, so dass ein Empfinden von Bequemlichkeit nicht aufkommen mag. Der Hüftbeugewinkel ist so, dass man sich an ein Klappmesser kurz vor dem Einschnappen erinnert fühlt. Das kann man durchaus mögen, die bereits erwähnte Gelenkigkeit und Fitness vorausgesetzt, ist aber jenseits der 1,80 Meter selbst unter diesen Maßgaben kaum vorstellbar. Dass ein Mann auf der Low Rider S kein Interesse an einer Sozia hat, ist augenfällig, denn es gibt keine zweite Sitzmöglichkeit.

Eher was für die Kurzstrecke

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Die Ausstattung der Low Rider S ist hochwertig, kann man für knapp 20.000 Euro aber auch erwarten.

(Foto: Harley)

Auch wenn die 308 Kilogramm wiegende Low Rider S durchaus willig kurvenreiche Landstraßenpassagen absolviert, so scheint sie doch primär eine extravagante Gefährtin für kürzere Ausflüge zu sein. Auf solchen Ausfahrten macht sie echt was her, ist sie mit ihrer nach hinten stark abfallenden Linie doch ein Bike, das man gerne anschaut. Dazu kommt eine hochwertige Ausstattung mit einem Keyless-Systen, LED-Scheinwerfer, perfekt automatisch zurückstellenden Blinkern, USB-Anschluss und vielem mehr.

Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich Harley bei der Reifenwahl: Gilt der von Michelin nach Harley-Vorgaben gebaute Scorcher 31 bereits grundsätzlich nicht gerade als Gripwunder, so sorgten die Reifen der Testbikes im Falle der Low Rider S bei den Ausfahrten für echte Verwunderung: Sie waren teils schon vor zweieinhalb Jahren produziert worden! Kein einziger Frontpneu stammte von 2019, und auch die Hinterreifen waren allesamt älter als ein halbes Jahr.

Ob sich der Macho aus der Muckibude an solchen Umständen stört, weiß man nicht so genau. Eher schon, dass er wohl zumeist zur schwarzlackierten Version und nur selten zu Silbermetallic greifen wird. Passt irgendwie ja auch besser zum bösen Grollen aus den schwarzen Sidepipes.

Quelle: n-tv.de, Uld Böhringer, sp-x

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