Auto

Mehr Sicherheit, mehr Komfort Head-up-Helm - wie ein Kampfpilot auf dem Bike

NSWest_04.JPG

Größer als gewöhnliche Helme wirkt der gemeinsam von Shoei und NS West entwickelte Helm mit Head-up-Display.

(Foto: Fabian Hoberg)

Kampfpiloten kennen das: Die wichtigsten Infos des Flugzeuges sehen sie im Visier ihres Helmes – beim Blick durch die Kanzel. So haben sie mehr Zeit für eine Entscheidung. Diesen Vorteil sollen jetzt auch Motorradfahrer mit einem Head-up-Display-Helm bekommen.

Immer mehr Autos bieten Head-up-Displays. Einige Hersteller experimentieren damit schon seit den 1980er-Jahren, um Infos wie Geschwindigkeit, Tempobegrenzung und Hinweise des Navis zu spiegeln. Bald soll die Technik auch in Motorradhelme einziehen. Das Problem bisher: Das Auto hat dafür Platz, ein Helm jedoch nicht. Hinzu kommt, dass die Bauteile bisher zu teuer, zu groß und zu schwer waren. Der Helm darf schließlich nicht viel wiegen, sonst drückt er auf den Nacken, was für den Fahrer nicht nur unbequem ist, sondern auch unangenehm werden kann.

Vom Mazda-Cockpit in den Helm

NSWest_01.JPG

Über dem rechten Auge sitzt im Shoei eine kleine Scheibe, auf der die Fahrinfos gespiegelt werden.

(Foto: Fabian Hoberg)

Das japanische Unternehmen NS West zeigte nun auf der Elektronikmesse Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas, wie es klappen kann. Gemeinsam mit dem Helmhersteller Shoei entwickelten sie einen neuen Smart-Helm. Darin sitzt über dem rechten Auge eine kleine optische Scheibe, auf der Fahrinfos eingespielt werden können.

Einmal kurz über ein kleines Rädchen eingestellt, erhält der Fahrer Infos zur Geschwindigkeit und sieht Navi-Pfeile etwa zwei Meter vor seinem Cockpit. Ein Lautsprecher am rechten Ohr gibt zusätzlich akustische Befehle. Der Fahrer muss für die Infos nicht mehr die Augen von der Straße nehmen. Beim Blick durch die zusätzliche Scheibe kommt zwar kein Kinoerlebnis auf, aber die Informationen sind klar und deutlich zu erkennen.

Infos im Blick für mehr Sicherheit

"Mit den richtigen Infos im Sichtfeld kann der Fahrer schneller entscheiden, das gilt auch für Motorradfahrer", sagt Norio Minato, Präsident von NS West. Das Problem sei nicht nur, die Bauteile im Helm sicher unterzubringen, sondern auch die Helligkeit des Displays richtig einzustellen. "Die Helligkeit muss bei jeder Situation passen, auch bei Nacht oder starker Sonneneinstrahlung", sagt Minato. Die Technik sei zwar mit den Mazda-Head-up-Displays zu vergleichen. Die Helm-Variante besitzt aber eine andere Grafik und weniger Infos auf einem deutlich kleineren Bildschirm.

structure.jpg

Die Funktionsweise des Helms grafisch erklärt.

(Foto: NS West)

Dafür entwickelten die Ingenieure kleine und leichte Bauteile, die im Kinnteil des Helmes sitzen. Die Anweisungen folgen über eine Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone des Fahrers, das sich die Positionen über ein GPS-Signal holt und die Streckenführung aus eine speziell hinterlegten Cloud. Während die Anzeige klar ist, wirkt die ins Ohr geschickte Ansprache eher etwas verzerrt. Das sollte Shoei abstellen lassen bevor die Helme mit der NS West-Technik zunächst in Japan verkaufet werden. In zwei Jahren folgt die Markteinführung für Nordamerika und Europa. Derzeit läuft die Applikation nur mit japanischen Daten und Navi-Anweisungen. Einen genauen Preis nannte das Unternehmen noch nicht, er soll aber je nach Ausführung zwischen 600 und 1000 Dollar liegen, was für einen Motorradhelm schon ein erkleckliches Sümmchen ist.

NS West aus Hiroshima, gegründet 1982, stellt seit 1984 Fahrzeug-Info-Systeme wie Cockpit-Instrumente her. Anfangs nur mechanische, mittlerweile mehr elektronische und optische Bauteile sowie Sensoren, vorwiegend für Mazda und Daihatsu. Seit 1991 arbeitet das Unternehmen in einem Joint Venture mit Mazda, entwickelt unter anderem Sensoren und Head-up-Displays für den japanischen Autobauer.

BMW forscht seit Jahren am Head-up-Display-Helm

presentation_P90206796.jpg

BMW hatte bereits vor drei Jahren einen Helm mit Head-up-Display auf der CES vorgestellt.

(Foto: BMW)

Die Idee zum Head-up-Display in Motorradhelmen ist im Übrigen nicht neu: Vor drei Jahren stellte BMW Motorrad ebenfalls auf der CES einen Helm mit Head-up-Display vor, der wie das Modell von Shoei auf der rechten Seite Infos direkt ins Sichtfeld des Fahrers spielte. Im BMW-Helm ließen sich die Anzeigen frei programmieren. Darunter unter anderem Reifendruck, Öl- und Tankfüllstand, Geschwindigkeit, Tempolimits, Schilder sowie die Pfeile fürs Navi. Über einen Controller am linken Lenkerende ließen sich die Ansichten im Helm per Daumendruck wechseln. Eine nach hinten gerichtete Kamera sollte sogar die Rückspiegel ersetzen. Bisher blieb es aber auch bei dem bayrischen Head-up-Helm bei einer Ankündigung.

Andere Anbieter haben ähnliche Systeme

Schneller war die US-Firma Skully, die mit zusätzlichen Infos in ihren Helmen arbeitet. Die Hightech-Schale AR1 sollte schon 2014 mit einer nach hinten gerichteten Kamera arbeiten und den Film über eine Google-Brille abspielen. Das Start-up hatte aber Probleme bei der Produktion. Nach der Umbenennung in Skully Technologies kündigte das Unternehmen nun an, den Helm Skully Fenix AR für rund 1900 Dollar zu verkaufen.

2bP4pJr4wVimqCWjYimXJe2cnCgnDgV51NXk4UPPQQ6 (1).jfif

Skully bietet seinen Head-up-Display-Helm bereits für 1900 Dollar an.

(Foto: Skully)

Der britische Hersteller Reevu produzierte ebenfalls einen Helm mit Rundumsicht. Statt der Kombination aus Videokamera und Bildschirm setzen die Briten auf ein Spiegelsystem. Der taiwanesische Hersteller Jarvish will dieses Jahr den X-AR für rund 1100 Euro an die Kundschaft bringen. Der smarte Helm bietet eine nach hinten gerichtete 180-Grad-Kamera und ein sprachgesteuertes Head-up-Display.

Nuviz bietet System zum Nachrüsten

Motorradfahrer, die einen Helm mit Head-up suchen, müssen aber nicht gleich einen neuen kaufen. Mit dem Nuviz Head-Up Display lassen sich konventionelle Helme nachrüsten. Für rund 700 Euro bekommen Piloten unter anderem Infos zur Navigation und zur Geschwindigkeit angezeigt. Das System mit dem Display wird außen am Helm angebracht, die Bedienung erfolgt wie bei BMW über eine Einheit am Lenkrad.

Wenn Shoei seinen Helm im kommenden Jahr anbietet wird es nach Aussagen von Norio Minato nur dieses eine Modell geben. Möglichkeiten zum Nachrüsten wollen die Japaner nicht anbieten. Zu viel Technik für die optische Lösung muss im Helm untergebracht werden, erklärt Minato. Ein Grund, warum das Kinnteil beim Shoei wesentlich breiter und länger als bei herkömmlichen Helmen ausfällt. Dafür arbeitet das System im Gegensatz zu der von BMW vorgestellten Idee unabhängig von der Maschine. So kann am Ende auch der Fahrer eines älteren Motorrads mit der neuen Technik eines Kampfflugzeuges über die Straßen düsen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema