Auto

Sinnvolles Extra StandheizungHeizen statt kratzen

18.12.2003, 15:31 Uhr

Im Winter fluchen Laternenparker oft über eine dicken Eisschicht. Abhilfe schafft eine Standheizung...

Im Winter fluchen Laternenparker oft über die widrige Witterung. Ihre Autos sind morgens häufig von einer dicken Eisschicht überzogen, dazu behindern auf den ersten Kilometern von innen beschlagene Scheiben die Sicht. Abhilfe kann in diesem Fall eine Standheizung schaffen: Das Gerät erwärmt das Auto vor Beginn der Fahrt und sorgt so für freie Scheiben.

Gibt es die Standheizung nicht schon ab Werk, lässt sie sich nach Auskunft des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn in nahezu jeden Fahrzeugtyp nachträglich einbauen.

Die Hersteller bieten dafür verschiedene Systeme an. Bei Webasto aus Stockdorf bei München und Eberspächer aus Esslingen sind sie nach eigenen Angaben je nach Ausstattung zu Preisen von etwa 700 Euro erhältlich.

Technisch gesehen sind Standheizungen laut dem ZDK eine Art kleiner Motor. Sie erwärmen den Innenraum durch Verbrennen von Diesel oder Benzin aus dem Kraftstofftank des Wagens. Da sie über eine eigene kleine Brennkammer verfügen, sind sie vom Automotor unabhängig. Bei komfortablen Anlagen lassen sich die Heizzeiten mit einer Schaltuhr programmieren, erläutert ZDK-Mitarbeiterin Maria Kalina. Zusätzlich böten die Hersteller auch Funkfernbedienungen an, mit denen das Gerät etwa vom Haus aus eingeschaltet werden kann.

Neben einer Schaltuhr kann eine Standheizung nach Auskunft der Hersteller Webasto und Eberspächer auch per Handy aktiviert werden. Beide Unternehmen haben Systeme im Programm, bei denen ohne Entfernungsbegrenzung von jedem Festnetz oder Mobiltelefon aus die Heizung ein- oder ausgeschaltet werden kann. Ein im Auto eingebauter Empfänger gibt den Befehl zum Starten dabei an die Standheizung weiter. Die Bedienung erfolgt über ein Sprachmenü.

Ein weiterer Grund, sich für den Einbau einer Standheizung zu entscheiden, ist neben dem Komfort- auch der Sicherheitsaspekt: Eine Standheizung sorgt für rundum freie Scheiben - beim Eiskratzen hat man dagegen oftmals nur eine kleine freie Stelle, sagt Helmut Schmaler vom Technikzentrum des ADAC in Landsberg (Bayern). Zudem schränke in kalten Fahrzeugen dicke Winterkleidung die notwendige Bewegungsfreiheit am Steuer stark ein. Sogar die Wirksamkeit des Sicherheitsgurtes könne dadurch beeinträchtigt werden. Ein vorgewärmtes Auto mache Wintermantel und Pudelmütze überflüssig.

Auch für den Motor bringt die Standheizung Vorteile: Durch das Aufwärmen des Fahrzeugs wird ein Kaltstart vermieden. Zwar verbraucht die Anlage etwas Kraftstoff. Doch fällt dieser kaum ins Gewicht, da durch die verkürzte Warmlaufphase die Verbrauchskosten rasch ausgeglichen werden, so Maria Kalina vom ZDK. Für einen morgendlichen Frühstart verbrauchen Standheizungen nach Angaben des Herstellers Eberspächer nur etwa ein Sektglas voll Kraftstoff.

Für Autofahrer, die für eine Standheizung nicht zu tief in die Tasche greifen möchten, bietet sich ein gebrauchtes Modell an. Gebrauchte Standheizungen kosten nach Auskunft des ZDK in gutem Zustand zwischen 150 und 300 Euro. Wenn sie aber älter als zehn Jahre sind, ist die Brennkammer inklusive Dichtring auszutauschen, sagt Maria Kalina. Anderenfalls könnte die vorgeschriebene Eintragung vom TÜV verweigert werden. Beim Kauf sollte außerdem darauf geachtet werden, dass auf dem Typenschild das Datum der ersten Inbetriebnahme nicht länger als zehn Jahre zurückliegt. Sonst ist keine Eintragung möglich.

Den Einbau der Standheizungen sollten nach Empfehlung der Hersteller Fachwerkstätten übernehmen. Der Eingriff ist zu groß, da sollten Fachleute ran, rät Klaus Teuber von Eberspächer. Wie lange der Einbau dauert, hänge von der Größe des Autos und der Standheizung ab. Nach spätestens einem Tag ist jedoch alles über die Bühne gegangen. Schon am nächsten frostigen Morgen können sich Laternenparker deutlich besser gelaunt auf den Weg zur Arbeit machen. Verbessern könnte sich übrigens auch das Verhältnis zu den Nachbarn: Die werden dann nämlich frühmorgens nicht mehr vom Warmlaufenlassen des Motors und den Kratzgeräuschen geweckt.

Von Jens Kampferbeck .