Auto

Kameras am AutoHilfe nicht nur beim Einparken

03.10.2003, 07:30 Uhr

Autofahrern bietet sich künftig eine neue Sicht der Dinge. Denn die Fahrzeughersteller setzen bei Serienmodellen und Designstudien immer öfter auf winzige Kameras in den Stoßfängern.

Autofahrern bietet sich künftig eine neue Sicht der Dinge. Denn die Fahrzeughersteller setzen bei Serienmodellen und Designstudien immer öfter auf winzige Kameras in den Stoßfängern, die mit neuen Perspektiven den Komfort und die Sicherheit erhöhen sollen.

Schließlich erleichtert der bessere Überblick nicht nur das Rangieren und minimiert das Risiko teurer Parkrempler. Das erweiterte Sichtfeld schützt auch Passanten und Kleinkinder auf dem Fahrrad, die bislang unter dem Rückspiegel durchtauchten und vom Fahrer daher leicht übersehen werden konnten.

Ihren Einstand in der Großserie gab die neue Technik vor rund einem Jahr im Nissan Primera. Dort gehört nach Angaben von Pressesprecher Jochen Münzinger in Brühl eine Rückfahrkamera bei den Fahrzeugen der gehobenen Ausstattungslinien zum Serienstandard. Das Video-Auge ist bei Limousine und Kombi in der Griffleiste oberhalb des Kennzeichens verborgen und überträgt seine Aufnahmen live auf den Bildschirm des Navigationssystems. Weil die Kamera laut Münzinger mit einem extremen Weitwinkel-Objektiv bestückt ist, wird damit der Sichtbereich des Fahrers deutlich erweitert. Selbst weit unten befindliche Hindernisse sollen problemlos erkannt werden.

Seit einigen Wochen bietet Nissan das System auch im Minivan Almera Tino an, weitere Modelle sollen demnächst folgen. Ebenfalls mit dem besseren Blick zurück wirbt jetzt Lexus für das überarbeitete Flaggschiff LS 430 und den renovierten Geländewagen RX 300. Beide Fahrzeuge sind nach Angaben der Presseabteilung in Köln im Zuge der Modellpflege mit einer entsprechenden Kamera bestückt worden.

Doch den besten Ausblick genießen die Kunden wohl künftig bei BMW. Denn die Bayern bieten nach der Premiere bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main nicht nur eine Kamera für die bessere Rücksicht an, sondern montieren auf Wunsch auch vorn eine Video-Überwachung. Weil die Kamera dort nach Angaben der Presseabteilung in München den Blickwinkel nach links und rechts auf jeweils 90 Grad erweitert, kann der Fahrer beinahe um die Ecke schielen und den Querverkehr besser erkennen.

Die Frontkamera ist laut BMW für Preise ab 975 Euro erhältlich. Voraussetzung ist, dass die Fahrzeuge mit einem Highend-Navigations-Monitor ausgerüstet sind. Front- und Rückfahrkameras sind für das Vorgängermodell der 5er-Reihe, für die 3er-Reihe, den X5, und die 7er-Reihe bereits verfügbar, für den neuen 5er sowie für den X3 sind sie in Vorbereitung. Der Preis für die Rückfahrkamera beläuft sich nach Herstellerangaben für das Vorgängermodell der 5er-Reihe, für den 3er sowie für den X5 auf 699 Euro. Mit Bordmonitor kostet sie für das Vorgängermodell des 5ers 899 Euro, für die 3er- und 7er-Reihe sowie den X5 und den X3 975 Euro.

Während die Kameras in der Serie bislang nur als zusätzliche Sehhilfen eingesetzt werden, gehen die Autohersteller bei ihren Designstudien noch einen guten Schritt weiter: Bei der Ford-Studie Visos oder dem Ein-Liter-Auto von Volkswagen etwa ersetzen Video-Augen komplett die Rückspiegel. Damit schlagen die Hersteller gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Denn zum einen minimiert sich nach Angaben von VW-Sprecher Hans-Gerd Bode mit den winzigen Kameras der Luftwiderstand und damit der Verbrauch. Zum anderen ergeben sich für die Designer nach Angaben von Ford neue Freiheiten in der Linienführung. Und weil die Kamera ein größeres Blickfeld bietet, verliert darüber hinaus der tote Winkel seinen Schrecken. Einen Radfahrer hinten rechts beispielsweise, der beim Spiegelblick nicht zu erkennen ist, würde jede Kamera sofort erfassen.

Wirklich neu sind Rückfahrkameras freilich nicht: Vor allem bei Bussen, Lkw, Transportern und Wohnmobilen gehört das künstliche Auge am Fahrzeugheck zu den gängigen Rangierhilfen. Aber auch findige Autofahrer sehen schon seit einigen Jahren elektronisch in den toten Winkel unterhalb der Heckscheibe. Denn im Programm von Navigations- und HiFi-Anbietern wie Clarion oder VDO Dayton finden sich entsprechende Sehhilfen zum Nachrüsten. VDO Dayton etwa verlangt für sein Nachrüstsystem inklusive Kamera und Kabelsatz zum Anschluss an das Navigationsgerät 478 Euro.

Die Kameras sind nach Angaben der Presseabteilung kaum größer als eine Zigarettenschachtel, werden je nach Fahrzeug im Stoßfänger oder in der Heckklappe montiert und über ein mitgeliefertes Video-Kabel mit dem Bildschirm des Navigationssystems verbunden. Sobald der Fahrer den Rückwärtsgang einlegt, kann er sicher und mühelos einparken: Eine drohende Kollision etwa mit einem Blumenkübel sieht er so früh genug kommen und kann rechtzeitig abbremsen - bevor er sie hört und es um die Stoßstange ohnehin schon geschehen ist.