Mazdas neuer SUV CX-9Komfort zwischen den Welten
Groß, komfortabel und mit einer Klimaanlage, die die Arktis selbst ins Death Valley zaubert: Mazdas neuer SUV CX-9 ist ganz auf den nordamerikanischen Markt ausgelegt.
So richtig auf der SUV-Welle reiten konnte Mazda bisher nicht – zumindest in Europa. Während bei uns Importeure und Hersteller in den letzten Jahren einen Geländewagen oder Crossover nach dem anderen auf den Markt brachten, haben die Japaner dem bunten Treiben lange tatenlos zugesehen. Erst seit 2007 ist der CX-7 im Programm und der ist für unsere Verhältnisse fast schon eine Nummer zu groß. Zudem war zunächst nur mit einem Benziner zu haben.
Jenseits des Atlantiks, in Amerika und Kanada, wo Geländewagen noch immer so populär sind wie bei uns kleine Stadtflitzer, sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Dort gilt der CX-7 fast noch als Winzling, hat sich aber in fünf Jahren erfolgreich im Straßenbild etabliert und seit einiger Zeit sogar einen großen Bruder: den CX-9. Mit 5,09 Metern deutlich länger als VW Touareg oder BMW X5 gibt er den komfortablen Kreuzer, der auf dem Highway genauso zu Hause ist wie auf den vor allem oben im Norden weit verbreiteten Schotterpisten.
Jede Menge Platz
Man sitzt hoch über der Straße in bequemen Ledersesseln, kann auf der verschiebbaren Bank in der zweiten Reihe locker die Beine ausstrecken, und wer erst einmal nach hinten geklettert ist, reist sogar auf den ausklappbaren Notsitzen ganz ordentlich - es muss ja nicht gleich von Coast to Coast sein.
Natürlich ist der Mazda in der Materialanmutung nicht mit einer Mercedes M-Klasse oder einem Porsche Cayenne vergleichbar. Doch kompensiert er das mit jeder Menge Platz, Ablagen, die mehr Stauraum bieten als eine Vorratskammer und einer typisch amerikanischen Komplettausstattung: Die Klimaanlage hat drei Zonen und zaubert die Arktis selbst ins Death Valley, Elektromotoren erübrigen jeden Handgriff, die Cupholder sind reichlich und groß genug für ein veritables Trinkgelage, und wem es im Fond langweilig wird, der schaut von Los Angeles bis New York auf dem Deckenmonitor eine DVD nach der anderen.
Der Antrieb ist so nordamerikanisch wie die ganze Ausrichtung des Fahrzeugs: 3,7 Liter und sechs Zylinder stehen im Datenblatt und machen den CX-9 zu einem souveränen Reisewagen, der auch riesige Entfernungen mit der Gelassenheit eines großen, starken Tieres in Angriff nimmt. 50, 500 oder auch mal 1.500 Kilometer absolviert man mit dem großen Mazda so ungerührt, wie man an der Atlantikküste wenn’s sein muss auch mal zwei Hummer zum Abendessen verdrückt.
Grund für diese Entspannung sind 273 PS und bis zu 366 Nm Drehmoment, die von einer feinfühligen Sechsstufen-Automatik sauber sortiert werden. Obwohl länger als eine Mercedes M-Klasse und ähnlich schwer wie ein Audi Q7, kommt der CX-9 damit ganz flott in Fahrt: Kaum zehn Sekunden vergehen bis Tempo 100, und für nordamerikanische Verhältnisse reichen gute 180 km/h als Spitzentempo völlig aus. Wer das ausreizt, steht in Nevada wie in Nova Scotia bereits mit einem Bein im Gefängnis.
Jenseits des Atlantiks stört sich auch niemand an einem Praxisverbrauch von etwa 13 Litern. Und für amerikanische Verhältnisse sind Fahrwerk, Bremsen und Lenkung fast schon sportlich, stramm und scharf. Europäer dagegen würden sich in jeder Disziplin ein wenig mehr Präzision wünschen. Doch dass die Japaner den Spagat zwischen den Kontinenten beherrschen, haben sie bereits mit dem kleinen Bruder CX-7 demonstriert. Auch der war einstmals nur für Amerika und Kanada gedacht und steht seit mittlerweile drei Jahren nicht nur in Orlando oder Ottawa, sondern Oberhausen und Ottobrunn beim Händler – mit einem deutlich modifizierten Fahrwerk und seit letztem Herbst sogar mit einem europäisch exklusiven Diesel.
Sprung nach Europa denkbar
Ganz so weit wird es beim CX-9 wohl nicht kommen. Doch ähnlich wie der CX-7 könnte er es entgegen der ursprünglichen Planung nun vielleicht sogar doch noch nach Europa schaffen. Denn nachdem die Japaner in Deutschland bereits im letzten Jahr überraschend schnell einen Lagerbestand abgebaut haben, der eigentlich für den russischen Markt bestimmt war, sind sie offenbar auf den Geschmack gekommen. "Wir waren selbst überrascht, wie groß das Interesse am CX-9 in Europa gewesen ist", sagt Phil Waring aus dem Europa-Vorstand. "Seitdem prüfen wir sehr ernsthaft, ob wir auf ähnlichem Weg noch einmal einen Schwung CX-9 ins Land holen sollen."
Dass der CX-9 beim letzten Mal zu einem überraschenden Verkaufsschlager wurde, dürfte allerdings auch an seinem Preis gelegen haben. Eine offizielle Empfehlung der Zentrale hatte es nicht gegeben. Während der kleinere und schwächere CX-7 als Benziner erst bei 36.990 Euro beginnt, war sein großer Bruder deshalb stellenweise schon für gut 30.000 Euro zu haben. Mit Blick auf die Familienhierarchie und Konkurrenten wie den Nissan Murano oder den Toyota Land Cruiser ist das zwar ein Schnäppchen. Doch wenn man bedenkt, dass die Preise in Amerika bei knapp 29.000 Dollar oder umgerechnet unter 21.000 Euro beginnen, gibt es offenbar noch immer genügend Spielraum für einen ordentlichen Gewinn.
Zwar wird in der Europa-Zentrale in Leverkusen derzeit laut Waring heftig gerechnet und kräftig diskutiert. Doch bleibt der CX-9, selbst wenn er grünes Licht bekäme, in der Modellplanung nur eine Randerscheinung. Viel wichtiger ist den Japanern die Ausweitung am anderen Ende der Palette. Dort warten sie händeringend auf den CX-5, der ganz im Geist der zwei Jahre alten Studie Kazamai steht und schon im nächsten Jahr gegen Tiguan & Co antreten könnte.