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Sammler aus Leidenschaft Monsieur Pont und seine 110 Kampfjets

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Dicht an dicht reihen sich die Kampfjets auf dem Gelände rund um das Château de Savigny-lès-Beaune.

(Foto: Fabian Hoberg)

Das Château de Savigny-lès-Beaune ist der letzte Ort, an dem man Kampfflugzeuge erwartet, die einst mit Mach 2 über den Himmel jagten. Doch hier sammelt ein Winzer ausrangierte Jets. Mittlerweile hat er 110. Und noch viele ander fahrbare Untersätze mehr. 

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Michel Pont ist ein Sammler aus Leidenschaft.

(Foto: Fabian Hoberg)

Wenn Michel Pont heute erzählt, wie er zu seinem ersten Kampfjet kam und wie sich eine Leidenschaft daraus entwickelte, dann muss der 87-jährige Franzose immer noch lachen. So ganz kann er die Geschichte selbst nicht glauben. Aber genauso ist es Monsieur Pont vor rund 30 Jahren passiert.

1979 kauft der gelernte Winzer das Château de Savigny-lès-Beaune mit zwölf Hektar Land. Die befestigte Burg aus dem 14. Jahrhundert grenzt an seinen 20 Hektar großen Weinberg an der Côte de Beaune. Er restauriert die Gebäude aufwändig. Nicht, um darin zu wohnen, sondern um seine historischen Rennwagen sicher abzustellen - in seinem eigenen Museum.

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Die Rennen in seiner Sturm-und-Drang-Zeit fuhr Michel Pont ausschließlich in Abarth-Fahrzeugen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Denn erst ein paar Jahre vorher beendet er als erfolgreicher Hobbyrennfahrer seine Karriere. Von den Autos, ausschließlich Abarth-Fahrzeuge, und seinen Pokalen kann er sich nicht trennen. Man kann auch sagen: Wegwerfen kann Pont generell nichts. Und seine Sammlung ist groß. Um seine Sammelleidenschaft zu erklären, müssen wir dann aber noch etwas weiter zurückgehen.

Mit Flugzeug-Souvenirs fing es an

Der gelernte Winzer muss 1952 zum Militär nach Dijon - und ist vom ersten Moment an von den Militärflugzeugen begeistert. Schon während seiner Armeezeit sammelt er Flugzeug-Souvenirs. Mal sind es Modelle, mal Ersatzteile. "Diese Kraft, die extreme Geschwindigkeit und diese Schönheit der Flugzeuge hat mich früh fasziniert. Obwohl ich nie selbst geflogen bin", sagt Pont.

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Die befestigte Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert.

(Foto: Fabian Hoberg)

Als Soldat zieht er mit der 20. Division für Frankreich in den Algerien-Krieg, wird verwundet und landet im Krankenhaus. "Danach wollte ich nur in die ruhigen Weinberge zurück", sagt er. Pont zieht wieder ins heimische Burgund, kauft sich Land und Traktor und beginnt Wein anzubauen. Nebenbei sammelt er alte Fahrräder, Traktoren und Werkzeuge für seinen Weinbaubetrieb. Nicht, um damit zu handeln, sondern weil er Spaß an alten Dingen hat.

1965 zieht er das erste Mal einen Helm an und startete bei einem Rennen auf einem Abarth 1000 SP von 1966. Zwei Jahre später wird er Zweiter beim Circuit de Championat de France. Bis 1972 gewinnt er als Privatfahrer mit verschiedenen Abarth-Fahrzeugen 168 Rennen, kauft sich jedes Jahr einen neuen Rennwagen. "Ich war verdammt schnell und manchmal flog ich aus der Kurve. Viermal musste ich ins Krankenhaus, beim letzten Mal war es heftig", sagt er.

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Der Abarth 1000 SP ist der erste Rennwagen von Michel Pont.

(Foto: Pietro Tranchida)

Er beendet seine Rennfahrerkarriere, will seine alten Autos aber nicht verkaufen. Also lagert er sie ein, in der Hoffnung, sie eines Tages auszustellen. Sieben Jahre später findet er das heruntergekommene Schloss. "Ich brauchte dringend Platz für meine Autos, die Fahrräder und mittlerweile viele Motorräder", sagt er. Der Plan geht auf: Pont richtet das Schloss nach seinen Fahrzeugvorstellungen ein, aber davor hat er noch Platz. Platz für seine zweite Leidenschaft - Düsenflugzeuge.

Durch Zufall zum Kampfjet

Durch Zufall kommt Pont 1983 mit einem General ins Gespräch, erzählt ihm von seinem Schloss, das er mittlerweile zum Museum umfunktioniert hat, und von seiner Flugzeugleidenschaft. Pont lässt vorsichtig durchblicken, dass er gerne ein ausrangiertes Kampfflugzeug kaufen würde. Der General zögert nicht lange, arrangiert einen Kontakt zum Verteidigungsminister. "Durch ihn bekam ich eine ausrangierte und nicht flugfähige einstrahlige Daussalt Mirage III. Die wollte ich ausstellen, sie einem breiten Publikum zugänglich machen. Denn wo kann man sonst klassische Kampfjets bewundern?", fragt er.

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Die F16 mag Michel Pont am liebsten. Auch von ihr steht ein Exemplar in seiner Ausstellung.

(Foto: Wiki)

Auf seinem Château de Savigny-lès-Beaune hat er ausreichend Platz. Die 17 Hektar des Grundstücks bestehen größtenteils aus Brachland und Brombeersträuchern. Er pflanzt vier Hektar Wein und bereitet drei Hektar für ausrangierte Flugzeuge vor. 1985 bezahlt er das erste Mal für ein Flugzeug. Für seltene Stücke reist er nach Portugal, Dschibuti, Schweden, Polen und Tschechien.

Mit Mechanikern zerlegt er die Maschinen vor Ort und lässt sie mit Spezial-Lkw nach Frankreich transportieren. Darunter eine F16 aus den USA. "Mein absolutes Lieblingsmodell. Zeitlos schön. Und ich habe das einzige Modell in Frankreich", sagt er. Die Triebwerke sind ausgebaut, das Plexiglas der Kanzel verblichen. Am Alurumpf blättert die Farbmarkierung ab, manche Reifen sind platt. Dennoch hat der Jet nichts von seiner Eleganz verloren.

110 Kampfflugzeuge in 30 Jahren

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Insgesamt nennt Michel Pont 110 Kampfjets sein Eigen. Natürlich alle flugunfähig.

(Foto: Fabian Hoberg)

30 Jahre später parken 110 Kampfflugzeuge auf seinem Gelände. "Ich kann nichts dafür. Ein paar habe ich geschenkt bekommen, ein paar musste ich kaufen. Die ausrangierten Jets wären sonst verschrottet worden, was eine Schande wäre", sagt er. Nun ist sein Schloss der einzige Ort in Frankreich, an dem Besucher den Jets aus aller Welt ganz nah kommen können. "Ich genieße es, Objekte zu retten, die sonst keiner haben will."

Wenn Michel Pont durch seine Sammlung streift, wird er zum Kind, presst das Gesicht an die Scheiben, öffnet Türen und will sich wieder hinters Steuer setzen. Mittlerweile machen ihm aber Rücken, Hüfte und das Herz zu schaffen. In die Weinberge geht er schon seit ein paar Jahren nicht mehr, die Autos und Flugzeuge muss der Vater von fünf Kindern aber so oft wie möglich sehen. Jeden Tag pendelt er mit seinem alten Renault Espace neun Kilometer von seinem Wohnort Volnay ins Schloss.

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Auch 300 Motorräder gehören zur Ausstellung von Michel Pont.

(Foto: Fabian Hoberg)

Dort kümmert er sich um die Gebäude und um seine Fahrzeuge. 15 Mitarbeiter unterstützen ihn dabei. Denn die außergewöhnliche Sammlung hat sich längst rumgesprochen. Im Jahr 2018 kamen 40.000 Besucher ins Schloss, 2019 waren es knapp 50.000. Dieses Jahr dürften es wegen der Corona-Krise deutlich weniger werden. Wer aber kommt, der sieht für zwölf Euro in neun separaten Museen 37 Abarth-Rennwagen, 600 Modelle, 25 Feuerwehrautos, 300 Motorräder von 1902 bis 1960. Insgesamt sind es 1200 Modelle und die größte Privatsammlung mit 110 Kampfflugzeugen.

"Unter zwei Stunden ist hier noch keiner rausgegangen. Meine Sammlung macht mich glücklich und es macht mich froh, dass Besucher sie hier genießen können", lacht Pont.

Quelle: ntv.de