Auto

Ohne Kraftaufwand sparen Nachrüstsatz macht aus Altrad Pedelec

Pendix_Neue_Generation_Test_2.jpg

Bei schlankem Rahmen wirkt der Nachrüst-Akku etwas wuchtig.

(Foto: Pendix)

Wer sein altes Fahrrad nicht gegen ein neues und teures Pedelec tauschen will, der kann es auch einfach umrüsten. Unter anderen bietet Pendix einen Nachrüstsatz unter dem Namen eDrive an. Allerdings sollte der künftige E-Biker auch hier nicht zur billigsten Lösung greifen.

Wer ein gebrauchtes Edel-Fahrrad sucht, wird in Kleinanzeigen häufiger Verkäuferkommentare wie "schweren Herzens", "geliebtes Bike" und "wegen Pedelec-Neuanschaffung" lesen. Doch müssen sich E-Antrieb und das alte Lieblingsfahrrad gar nicht ausschließen. Mit der Nachrüstlösung eDrive von Pendix - zum Modelljahr 2021 technisch nachgeschärft - können Räder mit Bioantrieb zum Pedelec aufsteigen. Das ist für knapp 1000 Euro möglich, was im Vergleich zu einem Pedelec-Neukauf nicht nur Geld, sondern grundsätzlich auch Ressourcen spart. Eine Verzichtlösung ist das Pendix-System dennoch nicht, sofern man sich nicht für eine Einstiegsversion dieses Nachrüstsatzes entscheidet.

Schicker Fremdkörper am Rad

Pendix_Neue_Generation_Test_1.JPG

Die Preise für die Nachrüstsysteme von Pendix starten bei knapp 1000 Euro.

(Foto: Pendix)

Fahrrad-Basis für unseren Transformer-Test war das Santos Trekking Lite mit 14-Gang-Nabenschaltung von Rohloff und Riemenantrieb. Ein flotter Feger für die Stadt, der mit einigen Edel-Komponenten ausgestattet in seinem Heimatmarkt Niederlande rund 2800 Euro kostet. Aufgerüstet wurde das Rad mit der "mittleren Lösung" aus dem Pendix-Portfolio, dem eDrive300, der samt Fachmann-Montage rund 1450 Euro kostet. Äußerlich gibt es keine Unterschiede zu anderen und älteren Pendix-Paketen.

Die jüngste Evolutionsstufe sieht wie bisher einerseits schick und andererseits auch etwas störend aus. Der fein gearbeitete, metallische Tubus, der neben Lithium-Ionen-Akkus auch die Steuerungselektronik integriert, ist für sich gesehen ein erfreulich dekoratives Teil, allerdings im Rahmen eines schlanken Fahrrads auch ein Fremdkörper. Das trifft ebenfalls auf den scheibenförmigen, schwarzen Direktantrieb auf der linken Seite des Tretlagers zu. Da Akku und Motor nah beieinanderliegen, bleiben Kabelverbindungen zwischen beiden kurz und unauffällig.

Farbringe statt Farbdisplay

Pendix_Neue_Generation_Test_8.jpg

Der Farbring am Akku informiert über den Ladestand.

(Foto: Pendix)

Wie bisher verzichtet die Pendix-Lösung auf eine Display-Bedieneinheit. Ein kurzer Fingertipp auf den Drückdrehschalter der auf dem Unterrohr befindlichen Batterie aktiviert das System. Ein Leuchtring informiert über Fahrbereitschaft und mit einem Farbspektrum von Grün bis Rot über den aktuellen Akkufüllstand. Per Drehfunktion lässt sich zudem einer von drei Unterstützungsmodi einstellen. "Sport" heißt der mit der größten Kraft, der mit 65 Newtonmeter für mehr Schwung denn je im Pendix-Antrieb sorgt.

Dabei erweist sich die Kombination aus E-Unterstützung und 14-Gang-Rohloffnabe als sehr gelungen und vom Start weg agil. Man muss nicht im ersten Gang anfahren, doch wählt man eine der kürzeren Übersetzungen und Sport-Unterstützung, dann erinnert der spritzige Vortrieb dem sprichwörtlichen Verhalten nach dem Stich einer exotischen Großspinne. Wer aktiv mit der Schaltung arbeitet und umgehend höhere Gänge wählt, erreicht fix das 25-km/h-Limit. Auf Wunsch ist die Beschleunigung zackig, doch keineswegs ungestüm. Stellt man das Strampeln während der Fahrt spontan ein, laufen die Tretkurbeln oft noch eine Viertelumdrehung weiter.

Pendix_Neue_Generation_Test_7.jpg

Auch wenn die Akku-Leistung am Ende ist, kann man mit dem Fahrrad wie gewohnt weiterfahren.

(Foto: Pendix)

Der E-Antrieb ermöglicht auch schaltfaules Fahren in einem der höheren Gänge, wobei sich dann die Kraft nicht ganz so spritzig wie bei kleinen Gängen entfaltet. Auf ebener Strecke ermöglicht die Pendix-Rohloff-Kombi müheloses Dahingleiten bei niedriger Kadenz. Dank der vielen Gänge findet sich stets eine passende Paarung, um auch Steigungen flott zu nehmen. Der eDrive taugt also auch für den Einsatz in bergigen Regionen.

Reichweitenangaben nicht erfüllt

Mit 330 Wh bietet die Variante eDrive300 insgesamt eine etwas bescheidene Batteriekapazität, die im Test für etwa 30 Kilometer Reichweite im Sport-Modus reichte. Damit konnten die Herstellerangaben, die 41 bis 79 Kilometer versprechen, nicht erfüllt werden. Für manchen Berufspendler wird die mäßige Reichweite ein tägliches Nachladen erfordern, sofern er sich nicht für einen der weniger spritzigen Fahrmodi entscheidet.

Pendix_Neue_Generation_Test_5.jpg

Der Akku wird über einen Druckknopf an der Oberseite an- und ausgeschaltet.

(Foto: Pendix)

Zum Glück ist das Laden denkbar einfach, denn den Akku dreht man mit einem Handgriff aus seiner Halterung, um ihn anschließend für ein paar Stunden in der Wohnung ans Ladegerät zu hängen. Geht der Strom während der Fahrt vorzeitig zur Neige, bleibt das Fahren ohne E-Unterstützung weiterhin möglich, denn das Bike fährt sich fast so, wie man es vor der Umrüstung gewohnt war. Bei ausgeschaltetem Motor ist jedenfalls kein Tretwiderstand spürbar.

Smartphone ersetzt integriertes Display

Anders als viele Pedelecs verzichtet Pendix auf eine Bordcomputer-Lösung oder Bedientasten am Lenkrad. Ein Umstand, der nicht wirklich vermisst wurde, zumal es eine schicke Alternative gibt: Wenn man per Pendix-App sein Smartphone mit dem eDrive verbindet, eröffnen sich viele Anzeige- und Nutzungsmöglichkeiten. Außerdem informiert das kleine Programm über Batteriezustand, Zellspannung oder die Zahl der Ladezyklen. Der eingangs erwähnte Einstiegspreis von 1000 Euro bezieht sich auf den eDrive150, der mit 13 bis 28 Kilometer eine fast schon inakzeptable Reichweite und außerdem nur 32 Newtonmeter Drehmoment bietet. Wer also in den Umbau investiert, sollte auch den getesteten eDrive300 außen vor lassen und besser gleich in den knapp 1650 Euro teuren eDrive500 investieren.

Sicherlich bieten Pedelecs mit vollintegrierten Lösungen von Bosch, Yamaha, Brose oder Shimano im Vergleich zum Pendix einige Vorteile. Doch wer sich nach dem Komfort eines E-Bikes sehnt, muss sich nicht zwangsweise deshalb "schweren Herzens" von seinem alten Edelrad mit Muskelantrieb trennen. Umrüsten geht eben auch. Am Ende ist man damit nicht wirklich schlechter unterwegs, aber in jedem Fall preiswerter.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x