Auto-WerkstättenPreisunterschiede bis zu 100 %
Eine notwendige Fahrzeugreparatur ist eine ärgerliche Sache. Die böse Überraschung kommt meist, wenn das Auto wieder abholt wird. Oft summiert sich die Rechnung dann auf mehrere Hundert Euro.
Eine notwendige Fahrzeugreparatur ist eine ärgerliche Sache. Es gilt, mit der Werkstatt einen Termin zu vereinbaren, das Fahrzeug abzuliefern und irgendwie wieder nach Hause zu kommen. Dass sie für die Zeit des Werkstattaufenthalts ohne ihren Wagen auskommen müssen, ist für Autofahrer jedoch noch das kleinere Übel. Denn die böse Überraschung kommt meist, wenn sie ihr Auto wieder abholen. Oft summiert sich die Rechnung dann auf mehrere Hundert Euro - selbst wenn nur wenige Routinearbeiten zu erledigen waren. Doch Autofahrer können bei Reparatur und Wartung ihres Wagens eine Menge Geld sparen: Wenn sie die richtige Werkstatt auswählen.
Es gibt bei markengebundenen und freien Betrieben zum Teil deutliche Preisunterschiede. Allein die Bandbreite der Stundensätze, nach denen sich der Arbeitslohn einer Werkstatt berechnet, beträgt in Deutschland bezogen auf alle Werkstätten 40 bis 120 Euro, sagt Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Der Durchschnittssatz liege derzeit bei 67 Euro.
Stadt teurer als Land
Welchen Stundensatz eine Werkstatt nimmt, hängt laut Blümer von der Region, der Marke und der Ausstattung des Betriebs ab: "So ist die teuerste freie Werkstatt in der Stadt deutlich teurer als die günstigste Vertragswerkstatt auf dem Land." Auch Faktoren wie der Standort und die Konkurrenzsituation am Ort spielten eine Rolle.
Ein weiterer, für die Kosten relevanter Punkt betrifft die verwendeten Ersatzteile. So greifen freie Werkstätten nach Angaben des ADAC vorrangig auf preiswerte Ersatzteile aus dem freien Teilehandel zurück. Auf Wunsch werden auch Gebrauchtteile verbaut, die noch günstiger sind. Dagegen verwendeten markengebundene Betriebe vor allem teure Original-Ersatzteile der Autohersteller.
Dadurch erklären sich die zum Teil erheblichen Preisunterschiede. So kostete zum Beispiel die Inspektion eines sechs Jahre alten Renault Kangoo inklusive Zahnriemenwechsel in einer Hamburger Filiale einer großen Werkstattkette 630 Euro. "Bei Renault hätte mich das Ganze ungefähr 400 Euro mehr gekostet", sagt der betroffene Kunde.
Partikelfilter-Nachrüstung
Auch das Beispiel Partikelfilter-Nachrüstung für einen neun Jahre alten Audi A3 TDI verdeutlicht die großen Preisspannen. Die Audi-Niederlassung in der Großstadt verlangte laut Kostenvoranschlag 1200 Euro. Beim VW-Betrieb in der Kleinstadt waren es 760 Euro, während die freie Werkstatt auf dem Land nur mit 640 Euro kalkulierte.
Nicht schlecht staunte auch der Fahrer eines älteren Diesels, als er für den Ersatz seiner defekten Einspritzpumpe Vergleichspreise einholte: Der Markenbetrieb wollte für das Original-Ersatzteil des Autoherstellers rund 2200 Euro haben. Bei der freien Werkstatt bekam er ein generalüberholtes Austauschteil vom Zulieferer für 720 Euro.
"Der Kunde muss gucken und vergleichen", sagt ZDK-Sprecher Blümer. Die Möglichkeiten dazu hat er: So müssten die Stundensätze aushängen. Aufschluss über die Teilekosten gibt ein Kostenvoranschlag. Viele Betriebe machten zudem mit günstigen Komplettangeboten Werbung.
Auch Jungwagen in freien Werkstätten
"Der Kampf um den Kunden beginnt viel früher", sagt Blümer. Vor einigen Jahren konnten sich die Markenwerkstätten noch auf ihre Stammkundschaft an Fahrern junger Autos verlassen. Erst mit steigendem Fahrzeugalter wechselten diese zur freien Konkurrenz. Das ist inzwischen anders, wie eine Studie des Marktforschungsunternehmens TNS Infratest belegt. So konnten die freien Werkstätten in der Zeit von 2004 bis 2007 ihren Marktanteil in Deutschland von 40 auf 46 Prozent ausbauen. Die an die Marken deutscher Autohersteller gebundenen Werkstätten mussten dagegen in dieser Zeit die größten Marktanteilsverluste hinnehmen.
Den Grund dafür sehen die Experten zwar in erster Linie in der Alterung des Fahrzeugbestands - bei den mehr als zehn Jahre alten Autos haben die freien Betriebe inzwischen sogar einen Marktanteil von mehr als 63 Prozent. Doch auch bei den jüngeren Fahrzeugen bis drei Jahren legten die Freien zu: Wurden 2004 nur 7 Prozent aller Service- und Reparaturarbeiten an sie vergeben, waren es 2007 schon 12 Prozent.
ADAC-Werkstatttests
Trotz des stärkeren Konkurrenzkampfes mit günstigen Angeboten empfiehlt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg Autofahrern, genau hinzuschauen, was sie für ihr Geld bekommen. Denn bei den ADAC-Werkstatttests wurden bei den freien wie bei den Markenwerkstätten deutliche Qualitätsunterschiede festgestellt. Einige Werkstattketten lockten Kunden etwa mit niedrigen Wartungspreisen - berechneten dann jedoch bestimmte Positionen wie Teile, Öl und Bremsflüssigkeit extra. In manchen Fällen drehten sie ihnen außerdem fragwürdige Zusatzleistungen an.
Im Vorhinein können Laien die Qualität einer Werkstatt laut Thiemel kaum einschätzen. Mundpropaganda sei noch die beste Möglichkeit, einen guten Betrieb zu finden. Um einen Reinfall zu vermeiden, sollten sich Autofahrer außerdem dort, wo sie es können, auf den Werkstattbesuch vorbereiten. Dazu empfiehlt Thiemel, einen Blick ins Serviceheft zu werfen, in dem die vom Autohersteller vorgegebenen Wartungsarbeiten aufgelistet sind. Auch kann es nicht schaden, vorher die Füllstände von Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit zu kontrollieren. So fällt schnell auf, wenn die Werkstatt etwas miterledigt und berechnet hat, was gar nicht erforderlich war.