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Auto-Klassiker: Der MG B Roadster in reinster Form

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Sportlich und schön: Der MG B war eines der erfolgreichsten Modelle der Marke.

(Foto: Markus Mechnich)

MG steht wie kaum eine andere Marke für sportliche Roadster und schöne Coupés. Das Meisterstück gelang dabei mit dem MG B, der Grazie und Dynamik verbinden konnte. Er ist aber auch das letzte richtige eigenständige Modell der Briten.

Als der britische Autobauer Morris einen Gentleman namens Cecil Kimber 1921 zum Leiter einer Werksvertretung in Oxford berief, konnte wohl niemand ahnen, was sich aus dieser Entscheidung heraus entwickeln würde. Kimber wollte von Beginn an mehr als Autos verkaufen. Sportliche Zweisitzer schwebten dem britischen Herrn vor. Und die gedachte er aus dem damaligen Standardmodell von Morris, dem Bullnose, zu machen. Auf eigene Rechnung baute er ein modifiziertes Vierzylinder-Auto, das bis zu 124 Stundenkilometer schnell fuhr. Damals eine atemberaubende Geschwindigkeit.

1924 war auf einem der Spezialmodelle aus Oxford erstmals das achteckige Emblem mit den beiden Buchstaben M.G. (ab den fünfziger Jahren dann MG geschrieben) zu sehen. William Morris, Chef des Konzerns, war zunächst gar nicht begeistert von den Alleingängen seines Angestellten. Doch die Auftritte der schnellen Roadster brachten einen enormen Werbeeffekt mit sich, und so gestattete er die Gründung der Firma M.G. Car Co. Ltd. im Jahr 1924 als Tochter von Morris. Als Kimber 1925 bei der Zuverlässigkeitsfahrt Land's End Trial unter dem Emblem von MG die Goldmedaille errang, war das der Startschuss für eine glorreiche Karriere der Marke.

Goldene Nachkriegsära

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Dank der selbsttragenden Karosserie wusste der Brite mit sehr guten Fahreigenschaften zu überzeugen.

(Foto: Markus Mechnich)

Die Basis für MG wurde mit zahlreichen, teils sehr erfolgreichen Modellen vor dem Zweiten Weltkrieg gelegt. Allen voran wären hier die Modelle M-Type Midget, der T-Type und der größere Magna zu nennen. Danach wurde MG 1952 Teil der British Motor Corporation und ein goldenes Zeitalter der Marke begann. Das erste Modell in dieser Ära war der MG A, der damit gleichzeitig den Eintritt der Marke in die Moderne symbolisiert. Der große Wurf in Sachen Sport gelang aber dem Nachfolger, dem MG B. Bis heute steht dieses Auto in den Analen der Marke als erfolgreichster MG überhaupt.

Dabei war die Basis für das Fahrzeug gar nicht so edel wie der Roadster, der dann am Ende auf der Straße stand. Diese teilte sich der MG B nämlich mit dem Austin Farina und dem Lieferwagen Sherpa. Die Karosserie des Fahrzeugs war selbsttragend, was dem Fahrzeug enorme Vorteile verschaffte. Das Gewicht des Autos konnte verringert werden und der Aufwand in der Produktion war geringer. Aber auch die Fahrstabilität verbesserte sich, was ihn zum Beispiel im Kampf mit dem härtesten Konkurrenten der damaligen Zeit, dem Triumph TR, Vorteile im Handling verschaffte.

Knautschzone und selbsttragende Karosserie

Dank des Gewichtsvorteils und des 95-PS-starken Motors schaffte der MG B die Schallmauer von 100 Stundenkilometer in elf Sekunden. Ein beachtlicher Wert für seine Zeit. Den Motor teilte er sich mit dem Austin 1800. Das Aggregat B der British Motor Corporation hatte zu Beginn eine dreifach gelagerte Kurbelwelle, ab 1964 war sie sogar fünffach gelagert, was der Zuverlässigkeit dienlich war. Seine Maximalleistung erreichte der 1798 Kubikzentimeter große Motor bei 5400 Umdrehungen pro Minute. Zudem war der MG B eines der ersten Fahrzeuge mit einer definierten Knautschzone. Bei einem bis zu fast 50 km/h schnellen Aufprall auf ein festes Hindernis blieben die Insassen auf den vorderen Sitzen unverletzt.

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Der Roadster ist, im Gegensatz zum Coupé, ein reiner Zweisitzer.

(Foto: Markus Mechnich)

Ab 1967 wurde das Fahrzeug technisch weiter verbessert. Mit den Modellen Mark II und Mark III hielten unter anderem eine neue Hinterachse und ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe Einzug. Ab 1965 wurde auch ein GT genanntes Coupé gebaut, das mit mehr Alltagstauglichkeit glänzen konnte. Der MG C hatte sogar einen Sechszylindermotor mit 145 PS an Bord und erreichte so Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 195 Stundenkilometer. Der MG B GT V8 ab 1973 schaffte sogar 200 Stundenkilometer, obwohl er nominell etwas schwächer war.

Kurzes Wiedererwachen in den neunziger Jahren

Mit 523.836 hergestellten Exemplaren aller MG-B-Modelle war der Sportwagen ein großer Erfolg für den Autobauer. Am wirtschaftlichen Niedergang der Marke konnte aber auch er nichts ändern. Nach der Übernahme von BMC durch Leyland durfte MG zunächst nur noch die Spitzenmodelle von Austin bauen. Die Ära des MG B endete mit der Einstellung der Produktion 1980. Einen Nachfolger sollte es nicht mehr geben. Lediglich ein kleines Revival kam in den 90er Jahren mit dem MG RV8 zustande. Allerdings wurden davon nur rund 2000 Fahrzeuge gebaut.

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Der MG B sollte das letzte große Modell der Marke werden. Nach einem kurzen Wiedererwachen der Marke in den 90er Jahren verschwand MG vom Automarkt.

(Foto: Markus Mechnich)

Der hier gezeigte MG B ist 1964 gebaut worden. Er hat einen klassischen Vierzylinder an Bord und ist als Roadster ein reiner Zweisitzer. Die Oldtimervermietung Classic Depot aus Berlin hat ihn uns für die Fotoaufnahmen zur Verfügung gestellt. Außerdem bedanken wir uns bei Schloss Hubertushöhe für die malerische Kulisse.

Quelle: n-tv.de

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