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Oldtimer als Anlageobjekt Wenn Blech zu Gold wird

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Auf der Monterey Car Week in Kalifornien wird Blech im wahrsten Sinne des Wortes zu Gold.

(Foto: Fabian Hoberg)

In Zeiten niedriger Zinsen sind Oldtimer als Geldanlage eine Alternative. Bei der Monterey Car Week und dem Consours d´ Elegance in Pebble Beach wechseln jedes Jahr für mehrere Millionen Dollar Autos den Besitzer.

Als der Hammer kurz knallt, sind 6,4 Millionen US-Dollar weg. Oder besser, unterwegs auf ein anderes Konto. Denn so viel zahlte jetzt ein Liebhaber bei der Monterey Car Week in Kalifornien für einen alten Aston Martin DB5. Das ehemalige James-Bond-Auto war einer der Höhepunkte der diesjährigen Versteigerungen – wenn auch nicht das teuerste Auto.

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Auf der Car Week werden in kürzester Zeit die meisten Oldtimer versteigert.

(Foto: Fabian Hoberg)

International gesehen bietet Pebble Beach die höchste Anzahl an Auktionen innerhalb kürzester Zeit. Von Mittwoch bis Samstag im August versteigern die großen Auktionshäuser wie RM Sotheby’s, Bonhams und Gooding & Company exklusive Sammlerfahrzeuge. Dieses Jahr startete RM am Mittwoch mit einer Auktion von rund 50 Aston-Martin-Modellen. Die Autos stammen aus der ganzen Welt. Höhepunkt sollte ein Aston Martin DB3S werden, der jedoch nicht den gewünschten Betrag von mindestens 8,8 Millionen Dollar einbrachte – bei nur 7,5 Millionen blieben die Hände unten.

Der erwähnte Aston Martin DB5 zählte zu den besonderen Fahrzeugen. Er ging 1965 als Promotion-Auto für den James-Bond-Film Feuerball auf Tour – ausgestattet mit Sonderoptionen wie Maschinengewehre in den Kotflügeln, kugelsicheres Schutzschild, drehbare Nummernschilder oder Auslasssysteme für Rauch und schmierige Flüssigkeiten. Zwischen sechs und acht Millionen US-Dollar waren erwartet, 6,4 Millionen zahlte der Höchstbietende.

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Das, was in Monterey unter den Hammer kommt ist für Normalsterbliche unerschwinglich.

(Foto: Fabian Hoberg)

Wahnsinn oder clevere Wertanlage? Vielleicht beides. Denn je nach Modell erfahren die Autos eine hohe Wertsteigerung. Blech kann dann zu Gold werden. Zudem haben Oldtimer als Wertanlage steuerliche Vorteile: Für sie müssen im Gegensatz zu Aktien oder Immobilien keine Steuern bei Gewinnen bezahlt werden. Außerdem bieten wertvolle Oldtimer Inflationsschutz, da sie von der allgemeinen Finanzwelt abgekoppelt sind. Im Gegensatz zu anderen Wertanlagen wie Aktien oder Kunst können Besitzer ihren Oldtimer aktiv benutzen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, so dass die Preise klettern. Das verspricht eine wachsende Rendite.

Der Markt wächst

Clevere Anleger wissen das schon längst, auch wenn sie keine besondere Liebe zu altem Blech pflegen. Der Markt wächst. 2018 verkauften die Auktionshäuser in Pebble Beach 879 von 1378 angebotenen Fahrzeugen, was einer Verkaufsrate von 62 Prozent und einem Durchschnittspreis von 437.000 US-Dollar entspricht. Außerdem waren es rund 100 Autos mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt wechselten die Autos für rund 384 Millionen US-Dollar den Besitzer. Spitzenreiter war ein Ferrari 250 GTO für 48 Millionen US-Dollar. Die Summe der Auktionsumsätze ist in den letzten zwölf Monaten um vier Prozent gestiegen, eine Verbesserung gegenüber dem Rückgang um zwei Prozent im letzten Jahr.

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Allein auf diesem Bild stehen zwei Fahrzeuge, die im zweistelligen Millionenbereich gehandelt werden.

(Foto: Fabian Hoberg)

Dieses Jahr erwartet Frank Wilke, Geschäftsführer von Classic Analytics, einem Unternehmen zur Marktbeobachtung und Bewertung von Oldtimern, dennoch einen Umsatzrückgang von 34 Prozent auf 250 Millionen Dollar. „Der Markt an hochwertigen Autos mit einem Wert zwischen 500.000 und 700.000 Euro wächst zwar, aber richtige Super-Kracher gibt es bei den Auktionen wenige“, sagt der Oldtimer-Experte. Das öffentliche Interesse bei den Auktionen stagniere außerdem leicht. "Es gibt zwar Fans, die auch mal bei einer Versteigerung dabei sein wollen, aber nicht mehr wirkliche Interessenten", sagt Wilke. Dennoch seien die Auktionen in Pebble Beach nur ein Impuls der internationalen Oldtimerszene – generell sieht Wilke keinen Abwärtstrend.

Zu den Höhepunkten der Auktionen gehörte auch der Porsche Type 64, besser bekannt als Berlin-Rom-Wagen. Das von Ferry Porsche gebaute Auto sollte 1939 eine Rekordfahrt antreten, allerdings brach der Zweite Weltkrieg aus. Der Type 64 ist eines von drei gebauten Fahrzeugen, das nach dem Krieg bei verschiedenen Wettbewerben lief – mehr oder weniger erfolgreich. Rund 20 Millionen US-Dollar erwarteten Experte wie Wilke im Voraus.

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Für den Porsche Typ 64 wurden mindestens 20 Millionen Dollar erwartet. Bezahlt hat die am Ende keiner.

(Foto: Fabian Hoberg)

"Das ist ein hoher Wert für ein Auto, das kein offizieller Porsche ist. Denn die Firma stellte erst später Autos unter diesem Namen her", sagt Wilke. Dazu komme zu wenig Leistung, zu wenig Sound und zu wenig Historie - weil das geplante Rennen gar nicht stattfand. Dem bekannten US-Sammler und Comedian Jerry Seinfeld wurde das Auto vor ein paar Jahren für vier Millionen Dollar angeboten – er hat es abgelehnt. Am Samstagabend wurde das Auto auch nicht verkauft: Mit 17 Millionen Dollar lag der Type 64 unter dem Mindestgebot.

Ebenfalls für Aufsehen sorgte der Ferrari 312T von 1975, das Weltmeister-Auto von Niki Lauda. Der Rennwagen mit der Chassis-Nummer 22, der beim GP von Deutschland Dritter wurde, wurde zwischen sechs bis acht Millionen Dollar gehandelt, ein Interessent zahlte jetzt sechs Millionen Dollar. Teuerstes Auto war der Le Mans-spec McLaren F1 von 1994, den RM Sotheby's für 19,8 Millionen Dollar verkaufte, gefolgt von einem 1958 Ferrari 250 California LWB Spider von Gooding & Company mit 9,9 Millionen Dollar.

Ab 100.000 Euro wird es interessant

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Nicht jeder Porsche ist eine sichere Geldanlage.

(Foto: Fabian Hoberg)

Die Tendenz, Oldtimer als reine Kapitalanlage und Investition zu sehen, habe aber in den vergangenen Jahren leicht abgenommen, einige Preise sind gefallen. Lag ein Porsche 911 Carrera RS "Entenbürzel" vor wenigen Jahren noch bei rund 750.000 Euro, so steht der Kurs heute bei etwa 470.000 Euro. "Das ist ein Zeichen dafür, dass das Angebot zu schnell zu groß und zu teuer geworden ist. Als sich dann die reinen Investoren aus dem Markt zurückgezogen haben, sanken die Preise", sagt Wilke. Mit acht bis zehn Prozent Rendite pro Jahr können Anleger aber bei besonderen historischen Fahrzeugen rechnen, die mehr als 100.000 Euro wert sind. Dann gleicht die Wertsteigerung auch Nebenkosten wie Kraftfahrzeug-Versicherung, Kfz-Steuer, Garagenmiete, Reparaturen und Wartungsarbeiten aus.

Young- und Oldtimer, also Autos ab einem Alter von rund 20 Jahren, seien aber auch eine gute Kapitalanlage, wenn die Interessenten ausklammern, dass sie damit das ganz große Geld verdienen müssen. So können Besitzer eines Oldtimers, die das Auto pflegen, regelmäßig warten und bis zu 3.000 Kilometer im Jahr fahren, zumindest mit einer Wertsteigerung rechnen, die das Hobby trägt. "Wichtig für ein altes Autos: Es muss mich anmachen, mir gefallen und Spaß bereiten", sagt er.

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Sportliche und offene Autos sind eine Wertanlage für die Zukunft.

(Foto: Fabian Hoberg)

Für Neuanleger empfiehlt Wilke vor allem sportliche oder offene Autos von heute beliebten Marken wie Audi, BMW, Mercedes oder Porsche, keinesfalls Exoten. "Damit kann man kein Geld verbrennen. Ein BMW 3er Cabrio der E30-Reihe hat in den vergangenen zehn Jahren eine Wertsteigerung von 100 Prozent erlebt, es kostet heute 22.000 Euro. So ein Auto bekommen Besitzer immer wieder schnell verkauft", sagt Wilke.

Wilke glaubt nicht, dass die Nachfrage nach klassischen Autos dramatisch abnimmt, auch nicht durch den Trend zur Elektromobilität und autonomen Fahren. "Das Interesse an Autos, mit denen Fahrer früher Spaß hatten oder von denen sie träumten, wird weiter bestehen bleiben. Das Gefühl, selbst zu schalten, selbstbestimmt und aktiv zu fahren, übt noch für viele Fahrer einen besonderen Reiz aus", sagt Wilke. Die Bieter auf den Auktionen können das nur hoffen.

Quelle: n-tv.de

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