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Technische Engel So schützt Sie moderne Fahrzeugtechnik

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Kindersitze sind heutzutage nicht mehr wegzudenken.

(Foto: imago/PhotoAlto)

Gurt und Airbag sind aus Autos nicht mehr wegzudenken. Sie stellen aber nur zwei Bausteine der vielfältigen elektronischen und mechanischen Hilfen für mehr Sicherheit dar. Ein Überblick über die intelligenten Systeme.

Als eine gewisse Bertha Benz am Ende des vorvergangenen Jahrhunderts über Pflaster- und Schotterstraßen tuckerte, gehörte zu den Risiken des neuen Fortbewegungsmittels noch, dass der Motor explodiert oder eine Achse bricht. Seitdem hat sich die Sicherheitstechnik in Autos zum wohl dynamischsten Entwicklungsfeld gemausert.

Das Schlimmste verhindern: Passive Sicherheitstechnik

Nachdem die Kinderkrankheiten der neuen Erfindung namens Automobil kuriert waren, dauerte es bis zur Massenmotorisierung der 60er Jahre, bis in das Thema Fahrzeugsicherheit Bewegung kam. Die konstruktive Berücksichtigung von Knautschzonen, vor allem aber der später zum Dreipunktgurt weiterentwickelte Sicherheitsgurt waren erste relevante Schritte, um die Fahrzeuginsassen vor den Folgen eines Unfalls zu schützen.

Schwer zu glauben, dass sich 1975 bei der Einführung der Gurtpflicht in der Bundesrepublik noch Millionen von Autofahrern strikt weigerten, sicherer zu fahren. Die Einführung von Geldbußen etwa 10 Jahre später war wohl notwendig, um die immer noch zahlreichen Gurthasser zum Einlenken zu bewegen.

Der Airbag stellt den nächsten Quantensprung dar und markiert den Übergang von Low zu High Tech. Wenige Millisekunden entscheiden, ob im Fall einer Kollision ein weiches Kissen vor dem harten Aufprall schützt. Airbags schützen heute auch den Beifahrer und vielfach sogar die Mitfahrer in der zweiten Reihe. In Fahrzeugen der Oberklasse sind 10 und mehr Airbags verbaut und verrichten ihren lebensrettenden Dienst.

Die Sicherheitstechnik hat ihre Wirkung bewiesen: Die Anzahl der Verkehrstoten erreichte mit über 21.000 Menschen ihren traurigen Höhepunkt im Jahr 1970 und geht seither stetig zurück.

Kinder sicher mobilisieren

Die Sicherheit mitfahrender Kinder erhöhte sich durch locker angebrachte Rohrstahlkonstruktionen auf dem Rücksitz noch nicht entscheidend. Die Stiftung Warentest ließ 1973 noch 11 von 15 Testkandidaten durchfallen. Von hier geht die Reise bis zu den aktuellen, ergonomischen, höhenverstellbaren Kindersitzen aus stoßabsorbierenden Materialien, die sich zuverlässig mit der Karosserie verbinden lassen - Stichwort "Isofix".

Inzwischen ist vorgeschrieben, dass Kinder bis zum Alter von 12 Jahren einen Kindersitz benutzen müssen. Eltern können aus Hunderten von Modellen für verschiedene Altersgruppen wählen. ADAC und Stiftung Warentest nehmen regelmäßig aktuelle Modelle unter die Lupe. Fazit: Unterm Strich halten die Sitze ihre Sicherheitsversprechen, aber auch 2018 finden sich immer noch Modelle, die einem Crashtest nicht standhalten.

Anfänge der aktiven Sicherheitssysteme

Ging es bis in die 70er Jahre rein um die Abmilderung von Unfallfolgen, gewann nun das Ziel der Unfallprävention mit aktiven Sicherheitssystemen immer mehr an Bedeutung. Wichtigste Voraussetzung für präventive Sicherheitssysteme ist, dass das Fahrzeug "erkennt", wenn eine kritische Situation droht, um diese dann automatisiert zu entschärfen. Damit beginnt die Eroberung des Autos durch Sensoren.

Das Antiblockiersystem ABS ist wohl das prominenteste Beispiel eines frühen Assistenz-Systems zur aktiven Fahrsicherheit. Eingeführt ab Mitte der 70er Jahre verhindert ABS ein Blockieren der Räder, die Lenkbarkeit bleibt erhalten. Durch die Unfallvermeidung kommt Sicherheitstechnik hier erstmals auch den anderen Verkehrsteilnehmern zugute. Seit Mitte der 80er Jahre verhindert ASR, als Gegenstück zu ABS, das Durchdrehen der Räder. ABS wird heute in nahezu allen Neufahrzeugen verbaut.

1998 schaffte es ein umgekipptes Auto bis in Tagesschau. Die neu entwickelte Mercedes A Klasse zeigte sich dem "Elchtest", einem abrupten Ausweichmanöver, nicht gewachsen. Das sorgte für Heiterkeit und einige Schrammen am Stern von Mercedes Benz. Der Konzern setzte alles daran, seinen Ruf wieder glatt zu polieren und ließ ESP entwickeln. Seitdem ist das elektronische Stabilitätssystem zum Standard und seit 2011 zum Pflichtprogramm für Neuwagen geworden. Kommt das Fahrzeug ins Schleudern, werden gezielt einzelne Räder abgebremst, um der Aufschaukelung der Kurvenbewegung entgegen zu wirken.

Rein mechanisches Lenken und Bremsen ist längst schon durch Servolenkung und Bremskraftverstärkung abgelöst. Ist der Fahrer körperlich nicht in der Lage, die Bremse im Notfall voll durchzutreten, hilft das Brake Assist System (BAS). Sensoren erkennen eine abrupte Bremsbewegung und die Vollbremsung wird automatisch ausgelöst.

Big Data

Immer mehr und immer leistungsfähigere Sensoren ebnen zusammen mit Bordcomputern und komplexen Algorithmen den Weg zu ausgefeilten Systemen der Unfallvermeidung. Mittels Sensorik an der Schnittstelle zwischen Fahrer und Fahrzeug vermögen die Systeme inzwischen zu erkennen, ob der Lenker erschöpft ist oder gar einzuschlafen droht. Die Systeme reagieren mit Vibrationen und Warntönen und können mitunter sogar das Fahrzeug selbständig zum Stillstand bringen.

Das kann auch die sogenannte Pre-Safe Bremse, die in einigen Oberklassemodellen Einzug gehalten hat. Sie erkennt mittels eines Abstandsradars drohende Kollisionen und warnt den Fahrer zunächst. Bleibt die menschliche Reaktion aus, wird das Fahrzeug automatisch abgebremst.

All diese Innovationen haben die Verkehrstoten in Deutschland zwischen 1970 und 2010 um 80 Prozent verringert, obwohl sich der Fahrzeugbestand mehr als verdoppelt hat. Der Traum vom unfallfreien Fahren wird Jahr für Jahr realer.

Künstliche Intelligenz – Mensch als Restrisiko?

Wir schreiben das Jahr 2040: 95 Prozent der Kraftfahrzeuge bewegen sich autonom über die Straßen. Selbstfahrer gelten inzwischen als Exoten und Sonderlinge, nicht selten auch als Sicherheitsrisiko, da die Fähigkeiten intelligenter Systeme dem Menschen zumindest beim Autofahren inzwischen weit enteilt sind. Unfälle mit autonomer Fahrtechnologie kommen noch immer vor, sind aber statistisch kaum noch erfassbar. Der Traum vom unfallfreien Verkehr ist praktisch wahr geworden und er eröffnet ganz neue Möglichkeiten bei der Gestaltung von Fahrzeugen und ihren Innenräumen

Seit Jahrzehnten schon überlassen Piloten der Technik wesentliche Teile der Flugzeugsteuerung – dafür war KI erst gar nicht notwendig. Für das Gewimmel am Boden mit Tausenden von Verkehrsteilnehmern und ständig neuen riskanten Situationen. Damit diese korrekt bewertet werden, bedarf es freilich wirklich smarter Technologie.

Großangelegte Feldversuche zeigen, dass der Ansatz auch für den Autoverkehr schon heute recht überzeugend funktionieren kann. Aber erst, wenn eine praktisch unfehlbare Interpretation der Verkehrssituation gelingt, dürfte dem intelligenten Auto endgültig die Zukunft gehören. Nicht zuletzt sind bedeutende rechtliche Fragen zu klären, etwa die nach der Haftung bei einem Unfall. Eher werden wir nicht bereit sein, dem digitalen Fahrer das Lenkrad in die Hand zu geben. So viel ist sicher.

Quelle: n-tv.de

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